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Modegetränk: Ministerium geht Giftstoff-Fund in Bubble Tea nach

Bubble Tea: Prickelnder Dickmacher Fotos
DPA

Das bunte Modegetränk Bubble Tea wird seinen schlechten Ruf nicht los. Aachener Chemiker fanden jetzt in Proben eines einzelnen Ladens Giftstoffe in den typischen Geschmacksperlen. Unklar ist, ob es sich um einen Einzelfall oder ein grundsätzliches Problem handelt.

Aachen - Bubble Tea macht dick. In einer typischen Portion der quietschbunten Mixgetränke können mehr als 500 Kilokalorien stecken. Zwar ist die Basis tatsächlich Tee, doch nachdem Milch, Sirup, Jellys und die Popping Bobas genannten Geschmacksperlen im Becher gelandet sind, hat die Brühe nur noch wenig mit dem kalorienfreien Namensgeber gemein. Wegen des Dickmacherpotentials steht Bubble Tea schon länger in der Kritik, Kinderärzte warnen auch vor Lungenentzündungen durch inhalierte Kügelchen.

Jetzt droht noch mehr Ärger: Das Modegetränk steht im Verdacht, giftige Inhaltsstoffe zu enthalten. Wissenschaftler der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen haben in den Geschmacksperlen gesundheitsschädliche verbotene Substanzen gefunden. Die Chemikalien stünden im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen oder Allergien auszulösen, bestätigte das Institut für Hygiene und Umweltmedizin der RWTH am Mittwoch einen Bericht der "Rheinischen Post".

Die Forscher hatten neun Geschmacksrichtungen der Sirupperlen aus einer Filiale einer bundesweiten Bubble-Tea-Kette in Mönchengladbach unter die Lupe genommen. In allen Sorten fanden sie die giftigen Substanzen. In den Aromakugeln des Tees seien unter anderem Styrol, Acetophenon und bromierte Substanzen "in nicht geringer Konzentration" entdeckt worden. Die Stoffe sollen demnach bei unsauberer Herstellung von Aromastoffen entstehen. Die Kugeln stammten nach Angaben des Geschäftsführers des Bubble-Tea-Ladens von einem Großhersteller aus Taiwan.

Auf die in Lebensmitteln verbotenen Stoffe waren die Forscher bei einem Gerätetest des Mönchengladbacher Herstellers Leco gestoßen. Bisher seien dabei vor allem Kosmetikartikel auf Allergene untersucht, nun erstmals ein Lebensmittel analysiert worden. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach prüft, ob ein Anfangsverdacht einer Straftat vorliegt. Grenzwerte für die Stoffe gibt es nicht, da ihr Einsatz in Lebensmitteln generell verboten ist.

Giftstoffe waren ein Zufallsfund bei einem Gerätetest

Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums sagte SPIEGEL ONLINE, die von der Firma zur Verfügung gestellten Untersuchungsergebnisse reichten für eine Bewertung nicht aus. Das Ministerium nehme den Verdacht sehr ernst und würde Bubble Tea stichprobenartig untersuchen, sowohl auf die jetzt gefundenen Stoffe als auch darüber hinaus. Bis wann erste Ergebnisse vorliegen werden, konnte der Ministeriumssprecher noch nicht sagen.

Michael Soll vom Gerätehersteller Leco erklärt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, dem Unternehmen sei es nicht um eine Analyse der Konzentration von Giftstoffen in Bubble Tea gegangen. "Wir hatten eher Allergie auslösende Substanzen in Bubble Tea vermutet und die Kügelchen deshalb untersucht", sagt Soll. "Dass wir Substanzen wie Styrol, Acetophenon und bromierte Biphenyle finden, hat uns überrascht."

Daher könne Leco oder die RWTH dem Verbraucherschutzministerium nun auch keine Konzentrationsangaben zu den Giftstoffen in den Proben liefern, da keine Vergleichsproben mituntersucht wurden. Die Chemiker wissen nur, dass die Stoffe in den untersuchten Proben enthalten waren. Nach Solls Angaben können die Leco-Geräte (sogenannte 2D-Gas-Chromatografen) auch solche Substanzen in komplexen Proben wie den Bubble Teas aufspüren, nach denen nicht gezielt gesucht wird. Im Gegensatz dazu seien viele Labore nur in der Lage, bekannte Substanzen nachzuweisen und zu identifizieren, von denen vor dem Test bereits vermutet wird, dass sie in den Proben enthalten sind.

Ob eine mögliche Gefährdung für die Gesundheit besteht, lässt sich jedoch erst sagen, wenn es Angaben über die Konzentrationen der verbotenen Substanzen gibt. Das Ministerium teilte mit, es sehe sich aber in seiner kritischen Haltung zu Bubble Tea gestärkt.

Die Hochschule sei aufgefordert worden, Informationen über die betroffenen Chargen zur Verfügung zu stellen. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach prüft nach Informationen der "Rheinischen Post" vom Donnerstag, ob ein Anfangsverdacht wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelschutzgesetz vorliegt. Die RWTH Aachen habe ihre Untersuchungsergebnisse bereits an die Polizei weitergeleitet. Die Zeitung berichtet auch, zumindest ein Lebensmittelimporteur würde den Import der Geschmacksperlen stoppen.

Die CDU im Landtag forderte den zuständigen Minister Johannes Remmel (Grüne) auf, über das Thema in der nächsten Sitzung des Verbraucherausschusses zu informieren. Bei Analysen im Saarland waren bereits früher erhöhte Belastungen mit Keimen und fehlende Kenntlichmachung von Konservierungsstoffen in Bubble-Tea-Bars festgestellt worden. Eine Gesundheitsgefahr sei davon aber nicht ausgegangen. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) forderte bereits Anfang August, die Getränke mit einem Warnhinweis auf die Gefahr für Kleinkinder zu versehen, die sich an den erbsengroßen Kügelchen verschlucken könnten.

dba/dpa/dapd

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1. Igitt !!
Fackus 23.08.2012
Zitat von sysopDPADas bunte Modegetränk Bubble Tea wird seinen schlechten Ruf nicht los. Aachener Chemiker fanden jetzt in Proben eines einzelnen Ladens Giftstoffe in den typischen Geschmacksperlen. Unklar ist, ob es sich um einen Einzelfall oder ein grundsätzliches Problem handelt. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,851629,00.html
Das sieht ja gruselig aus auf dem Bild. Wasn das für Zeug? Wer kauft oder verkauft denn sowas! Kann mich da mal einer aufklären? In Berlin vielleicht könnts sowas geben, so wie ich die da einschätze.
2. "Tea" als gesundes Attribut
Gluehweintrinker 23.08.2012
Iced Tea oder Bubble Tea, der Begriff "Tea" dient nur der Vergaukelung eines gesundheitlichen Aspekts. Die Tennies fahren darauf ab. Coke ist kein Tee, aber wenn es Coca Tea hieße, wäre das vielleicht auch so mit einer unkritischen Unbedenklichkeit ausgestattet. Fette Fritten, Burger, Subway, tonnenweise Pringles, Pizza, Milchschnitten oder Bubble Tea, die Ernährung der Jugendlichen ist größtenteils schon soweit aus dem Ruder gelaufen, was tut da noch ein bisschen Gift aus dem Bubble Tea? Die gucken nur Bohlenmüll und Serienschrott auf RTL2, so gut wie nie ARD und ZDF und Spiegel Online sowieso nicht. Lange nicht so kultig wie WOW oder sonstiges Onlinezocken. Wie sollen sie also die Warnungen hören, und selbst wenn sie sie hören, hat mit 15 sich jemals für die Bedenken Erwachsener interessiert? Keine Bildung, kein Bock - da fällt "keine Gesundheit" doch gar nicht mehr auf. Schöne neue Welt - würg.
3. Wenn
der_pirat 23.08.2012
Wenn ich etwas trinke, das aussieht wie von einem anderen Planeten, dann muss ich mich nicht wundern. Wie wäre es denn mal mit einem Glas Wasser?
4.
Robert_Rostock 23.08.2012
Zitat von FackusDas sieht ja gruselig aus auf dem Bild. Wasn das für Zeug? Wer kauft oder verkauft denn sowas! Kann mich da mal einer aufklären? In Berlin vielleicht könnts sowas geben, so wie ich die da einschätze.
Steht doch in der Überschrift: Das ist Bubble Tea. Auf Deutsch: Blasentee. Nur etwas aufgepeppt, mit ein paar Kilo Zucker und bunten Gift-Kugeln.
5. in jeder Stadt
Xi Yang Yang 23.08.2012
Zitat von FackusDas sieht ja gruselig aus auf dem Bild. Wasn das für Zeug? Wer kauft oder verkauft denn sowas! Kann mich da mal einer aufklären? In Berlin vielleicht könnts sowas geben, so wie ich die da einschätze.
Bubble-Tea gibt es doch mittlerweile in jeder Stadt. Nach einem China-Aufenthalt vor drei Jahren hatte ich auch mal die Idee, so nen Laden aufzumachen. Ne Goldgrube ist es ja. Leider fehlte das Startkapital ._.
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Wichtige Fakten zum Bubble Tea
Vom Eistee zum Trendgetränk
Seit Anfang der achtziger Jahre gibt es den Bubble Tea in Taiwan. Ursprünglich war das Getränk eine Mischung aus Tee, Milch und Eis. Da beim Schütteln kleine Bläschen auf der Oberfläche entstehen, wurde das Getränk Bubble Tea oder auch Pearl Milk Tea genannt. Mehrere Mythen ranken sich um seine Entstehung. Zwei große Teehäuser sollen sich um den Geniestreich streiten.

Eine dieser Mythen geht so: Weil sie Kinder wieder für das Teetrinken begeistern wollten, gaben die Erwachsenen in Taiwan die süßen Tapiokaperlen in den Tee – sozusagen als Belohnung für das Austrinken. Bis dahin wurden die Tapiokaperlen nur pur, beispielsweise als Nachspeise, gereicht. In Asien wird der Tee nicht als Softdrink, sondern als Tee-Mahlzeit konsumiert. Beliebt ist er nicht nur bei Kindern, sondern bei allen Altersgruppen.
Skandal um Bubble Tea
Im vergangenen Jahr machte nach Angaben der Stiftung Warentest ein Lebensmittelskandal im Herkunftsland des Bubble Tea Schlagzeilen. In einem Sirup aus Taiwan, der auch für Bubble Tea verwendet wird, hatten Experten den Weichmacher DEHP nachgewiesen. Bei der Stichprobe der Warentester haben die Prüfer den Stoff jedoch nicht nachgewiesen.
Die Perlen
Perlen aus Tapioka, der tropischen Maniokwurzel, machten den Anfang im Bubble Tea. Erst später kamen die bunten Perlen dazu. Sie sind außen weich, innen bissfest und werden aus der Maniokwurzel hergestellt. In Asien, Afrika und Südamerika sind sie extrem beliebt. Sie gelten aufgrund ihres Stärkegehalts auch als Kartoffeln der Tropen. Maniok ist für viele Menschen auf der Welt zudem ein Grundnahrungsmittel. In Asien wird es am häufigsten angepflanzt. Hergestellt werden die Tapioka-Perlen für den Bubble Tea nach dem Prinzip der molekularen Küche. Tapioka ist von Natur aus mehlig weiß. Für die dunkle Farbe der Kugeln wird die Stärke mit Ahornsirup versetzt, der beim Kochen karamelisiert.

Millionengeschäft Bubble Tea
In den vergangenen Monat ist der kaubare Perlentee zum Superstar avanciert: Marktforschern zufolge erzielte das Getränk von Januar bis April 2012 einen Umsatz von mehr als vier Millionen Euro. Damit liegt es der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge gleich auf mit Kaffeegetränken in der Dose und Eisgetränken.

Etwa 80 Prozent des Umsatzes geht demnach auf 16- bis 29-jährige Käufer zurück. Rund vier Prozent von ihnen haben in den ersten vier Monaten dieses Jahres mindestens einmal Bubble Tea probiert. Ein großer Erfolg für die Anbieter: Schließlich schwappte das Trendgetränk erst vor zwei Jahren von Taiwan in die USA. Mittlerweile gibt es schon mehr als hundert Verkaufsstellen in Deutschland. Und seit eine große Fastfood-Kette das Getränk ausschenkt, ist der "Blasentee" auch in der Provinz angekommen.

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