Erfahrungsbericht Heilfasten "Wie neugeboren"

Drei Abbautage, fünf Tage fasten, drei Aufbautage - so sieht es das klassische Heilfasten vor. Unsere Autorin freut sich schon drauf.

Pfefferminze im Glas
imago/ Westend61

Pfefferminze im Glas

Von Nina Schwabe


So funktioniert's:

Meine Methode ist das Heilfasten nach Lützner. Er ist Arzt und hat ein Buch geschrieben mit dem Titel "Wie neugeboren durch Fasten". Ich mache immer zwei bis drei Abbautage, an denen ich kein Fleisch esse, sondern nur leichte Kost wie Gemüse und Reis. Das entlastet den Darm. Die Fastenzeit beginne ich mit einem Einlauf. Dann weiß mein Körper Bescheid und schaltet sofort von Nahrungsaufnahme auf Ausscheidung, also Entgiftung, um. Während der Kur wiederhole ich das alle zwei Tage und helfe so dem Darm, sich vollkommen zu entleeren - der Mist muss raus!

An den Fastentagen trinke ich morgens schwarzen Tee mit Honig und den ganzen Tag über viel Wasser und Kräutertees. Mittags koche ich Gemüse aus und würze die Brühe mit Hefeflocken und vielen Kräutern, damit es auch nach etwas schmeckt. Abends trinke ich ein Glas Gemüsesaft oder verdünnten Obstsaft ohne Zuckerzusatz mit Leinsamen. Manchmal gibt es auch ein Glas Kefir.

Am wichtigsten beim Fasten sind letztlich die Aufbautage, da lasse ich mir unbedingt Zeit. Wenn ich fünf Tage faste, mache ich drei Aufbautage, faste ich zehn Tage, ist es eine Woche. Zuerst esse ich einen Apfel, dann eine Gemüsesuppe mit Einlage, später Knäckebrot, Molke, Joghurt, Salat... alles, was die Magen-Darm-Tätigkeit langsam wieder anregt.

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Wie neugeboren durch Fasten

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Das passiert mit mir:

Ich freue mich schon sehr auf das diesjährige Fasten, weil ich es vergangenes Jahr nicht geschafft habe und mir das im Rückblick tatsächlich gefehlt hat. Für die ersten drei Fastentage nehme ich mir frei, da in dieser Zeit der Kreislauf noch instabil sein kann und es gut ist, wenn man sich in den Momenten dann einfach hinlegen kann. Es läuft erst mal alles etwas langsamer, die Konzentration lässt zunächst ein wenig nach, manchmal habe ich noch etwas Hunger, der lässt sich aber ziemlich einfach wegtrinken.

Achtung: Nicht jedem tut fasten gut
    Folgende Personengruppen sollten auf den Verzicht verzichten: Kinder und Jugendliche, die noch im Wachstum sind, Schwangere und Stillende, Menschen mit viel Untergewicht, Menschen mit einer Essstörung und solche, die an Diabetes Typ 1 leiden. Wer herzkrank oder krebskrank ist, sollte vorher mit seinem Arzt sprechen. Und noch etwas: Fasten kann die Wirkung der Pille herabsetzen. Wer fastet, sollte zusätzliche Verhütung bedenken.

Wenn ich mit dem Fasten beginne, habe ich in den ersten Stunden oft ein fiebriges Gefühl, alles ist leicht dumpf, nicht schlimm. Der Hunger verschwindet schnell, und ab dem dritten Tag fühle ich mich befreit und glücklich und habe sehr viel Energie. Meine Sinne sind geschärft, ich rieche zum Beispiel viel mehr, höre differenzierter und gehe allgemein bewusster und aufmerksamer durch den Tag. Ich benötige viel weniger Schlaf und genieße es sehr, eigentlich kaum etwas zu brauchen. Einmal bin ich nachts aufgewacht und war einfach nur unglaublich glücklich, da zu sein. Mein Alltag läuft dabei einfach weiter, ich arbeite, mache Sport, treffe mich mit Freunden, auch wenn die essen gehen.

Neueste Studien zu Diäten und Heilung

Fastenbrechen ist das Beste

Neben der Feststellung, dass ich nichts brauche und mich damit frei und leichtfüßig fühle, ist das Fastenbrechen natürlich das Beste. Ich esse dann am Morgen immer einen Apfel und der schmeckt einfach großartig, die Geschmacksnerven explodieren! Die simpelsten Sachen sind extrem lecker. Dieses Bewusstsein, der feine Geschmackssinn, die Reinheit und geistige Klarheit halten bei mir ein paar Wochen lang an und haben auch insgesamt mein Verhältnis zur Ernährung verändert. Ich esse und trinke und koche jetzt noch viel lieber und immer genau das, worauf ich Lust habe. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Darum würde ich es wieder tun:

Weil ich mich tatsächlich durch das Fasten gereinigt fühle und Energie freisetze, weil ich mich zwischendurch gerne dem Konsumalltag entziehe und ich in der Fastenzeit das Vertrauen und die Beziehung zu meinem Körper stärke, der nämlich super läuft, auch wenn er mal eine Zeit lang verzichten muss. Außerdem ist es oft wie high sein. Ich bin gut drauf, fühle mich stark und glücklich, die Haut ist frisch und glatt, der Körper geschmeidig und ich weiß, dass ich genau das richtige tue. Wie es Lützner verspricht, fühle ich mich tatsächlich jedes Jahr wie neugeboren.


Nina Schwabe ist Schauspielerin und Musikerin, fastet seit über zehn Jahren einmal pro Jahr im Frühling, wenn es wärmer wird. Medizinisch durchchecken lässt sie sich vorher nicht.



insgesamt 58 Beiträge
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Seite 1
taglöhner 07.03.2017
1. Populistenfutter
"Er ist Arzt und hat ein Buch geschrieben... Einmal bin ich nachts aufgewacht und war einfach nur unglaublich glücklich, da zu sein... ...durch das Fasten gereinigt fühle... ... ist es oft wie high sein...." Weia SPON!
hardeenetwork 07.03.2017
2. Fasten mag gut sein
Aber von Trinken wird man nicht satt und ein Apfel stillt auch keinen Hunger.
Stäffelesrutscher 07.03.2017
3.
»Mein Alltag läuft dabei einfach weiter, ich arbeite, ...« »Nina Schwabe ist Schauspielerin und Musikerin« Okay. Können wir jetzt mal einen Bericht von einer Person bekommen, bei der »arbeiten« zum Beispiel »Kisten schleppen«, »Patienten anheben« oder »Gerüst bauen« bedeutet?
lorn order 07.03.2017
4. Physiologie
Unser Körper verfügt über verschiedene Mechanismen, Giftstoffe und ähnliches auszuscheiden. Würden diese nicht funktionieren, wären wir ziemlich schnell tot. Welche physiologischen Prozesse werden denn durch das Fasten angeregt, die Giftstoffe ausscheiden, die normalerweise nicht ausgeschieden werden? Erbitte einen Link zu wissenschaftlichen Studien.
Chaosfee 07.03.2017
5. Klar, fühlt man sich energiegeladen. . .
. . . wenn der Körper durch den Nahrungsentzug in den Notfallmodus schaltet. Das ist ein Mechanismus zum Selbsterhalt, dass der Mensch auch noch bei Hunger jagen gehen kann und hat nix mit "neuer Energie" zu tun. Der Körper setzt nur entsprechende Hormone frei, damit man den Hunger nicht mehr spürt und sich auf den Weg macht, etwas Essbares zu suchen. Die Sinne schärfen sich, damit man auch die kleinste Beute nicht übersieht, denn es geht jetzt um's Überleben. Das ist alles aus grauer Vorzeit vererbt. Ebenso, wie sich der Grundumsatz senkt, wenn der Körper zu lange zu wenig Essen bekommt. Er baut zuerst die Muskeln ab, da sie ja nur Energiefresser sind. Folglich nimmt man nach einer Diät oder Hungerkur noch schneller zu. Und Entgiften ist auch so ein ein Begriff, den gern Alternativmediziner und Diätmittelverkäufer benutzen. Der menschliche Körper entgiftet sich von selbst (über Nieren, Leber, Lunge, Darm etc.). Wenn man ihm eine ausgewogene und gesunde Ernährung bietet, ist dies ein selbsterhaltenes und selbstreinigendes System und man kann sich all die teuren Mittelchen zum "Entgiften / Entschlacken /Entsäuern" oder diverse Hungertage sparen. Wenn ich so fasten würde, wäre ich weder zum Arbeiten noch zum Sport treiben fähig. Liegt vielleicht auch daran, dass ich geistig wie körperlich arbeite und auch beim Sport nicht nur 5 Situps mache. Ich würde meinem Körper nichts Gutes tun, wenn ich ihm dann auch noch wertvolle Nährstoffe vorenthalte.
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