Motivation Mach den Schweinehund nass

Das Wetter ist zu schlecht, die Zeit zu knapp, die Stimmung zu mies? Das sind alles schlechte Ausreden, aufs Lauftraining zu verzichten. Entschuldigungen lassen sich leicht in gute Gründe für Sport an der frischen Luft umwandeln.

Joggen trotz Nässe: Diese tapfere Läuferin wird mit einem Regenbogen belohnt
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Joggen trotz Nässe: Diese tapfere Läuferin wird mit einem Regenbogen belohnt


Der November hat von allen Monaten das wohl schlechteste Image. Er ist verschrien als Depri-Monat. Wochenlang, so scheint es, verdeckt eine dicke, graue Wolkendecke das Sonnenlicht und verhagelt den Menschen die Laune. Der feuchte Wind pustet uns den Nacken steif, der Nieselregen drückt die Stimmung. Unsere Haltung dazu? Schultern hochgezogen, Kopf nach unten, Blick auf den Boden. Trippelschritt und Tunnelblick. Oder erst gar nicht vor die Tür gehen, jedenfalls nicht zum Laufen.

Die Ausrede: Das Wetter ist schlecht.

Dass Bewegung unsere Stimmung beeinflusst, weiß man schon lange. Gerade haben kanadische Forscher der Queen's Universität zusammen mit deutschen Wissenschaftlern der Uni Witten-Herdecke herausgefunden, dass die Art, sich zu bewegen, Auswirkung darauf hat, ob wir eher positive oder negative Informationen verarbeiten. Das heißt: Wer einen fröhlich-beschwingten Gang zeigte, merkte sich eher Begriffe mit einer positiven Bedeutung. Probanden, die mit hängendem Kopf herumschlurften, erinnerten hinterher eher die negativ-besetzten Wörter.

Es ist also ganz einfach: Das einzige Gegenmittel gegen Sesshaftigkeit ist Stehvermögen. Statt über das miese Wetter zu meckern, sollte man es lächelnd und mit breiter Brust annehmen. Zeigen Sie es dem inneren Schweinehund.

Vielleicht versuchen Sie mal Folgendes: Schauen Sie sich den Wetterbericht der Woche an, wählen Sie den Tag mit dem fiesesten Wetter. Sagen Sie sich: "An dem Tag X, um Uhrzeit Y, gehe ich eine Runde joggen, walken oder spazieren." Mit angemessener Kleidung und aufrechtem Gang. Vielleicht spüren Sie massiven Gegenwind, vielleicht peitscht Ihnen der Regen ins Gesicht, vielleicht frieren die Finger fest. Kann alles sein, muss aber nicht. Vielleicht genießen Sie auch einfach die frische Luft, den Nieselregen auf der Nase und die Einsamkeit im Park.

Der gute Grund: Auch schlechtes Wetter hat frische Luft.

Lesen im nächsten Teil dieser Serie, warum "keine Zeit" ebenfalls nicht als Ausrede taugt.

Von Frank Joung



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
RV6284 21.11.2014
1. Joggen...
Ich hatte früher tausend Gründe, nicht im Freien zu joggen: zu kalt/zu warm, zu dunkel, Strecke zu "wellig" und daher zu anstrengend, alleine joggen war eher langweilig und zu zweit schwierig, da das nur funktioniert, wenn beide ein ähnliches Leistungspensum haben. Jetzt bin ich 2x die Woche in einem netten Fitness-Studio und laufe bei jedem Training 6km, bei : Helligkeit, angenehmen Temperaturen, auf der Ebene, ohne freilaufenden Hunden zu begegnen und oft motiviert durch jemand der neben mir läuft oder motiviert bzw abgelenkt durch irgendein Sportprogramm im Fernseher. Draussen in der Natur ist besser, aber da fiel es mir schwerer. Hauptsache man tut etwas! Sport ist wichtig... nette Sozialkontakte auch!
diskantus 21.11.2014
2. Man muss das tun, was einem Freude bereitet.
Der "innere Schweinehund", die Ausreden: sie zeigen nur, dass das, was man tut, einem eben keine Freude bereitet.Das sollte man sich eingestehen - und sich etwas anderem, Erfüllendem, widmen.Wer läuft, "weil es gesund ist" (Arzt, Medien: "Sie sollten unbedingt etwas für Ihre Gesundheit tun!"), der läuft nicht gerne, sondern aus Zwang. Er tut es, um vor sich selbst gut dazustehen.Vielleicht gibt es aber etwas anderes, das einem mehr Freude bereitet? Stöckchenwalken, saunieren, Hallensport, schwimmen, Gymnastik, Qigong oder TaiChi oder KungFu?Oder gar kein Sport, einfach spazieren gehen in frischer Luft? Wichtig ist, auf sich selbst zu hören. Natürlich sollte es ein Anliegen sein, seinen Körper zu pflegen, und dazu gehört frische Luft, eine gewisse Betätigung im Freien. Aber muss es Sport sein, wenn der eher zwanghaft ist?
Authomas 21.11.2014
3.
Wenn es einem vor dem Laufen, während des Laufens und nach dem Laufen keinen Spaß macht, sollte man es, zumindest nach einigen Versuchen, ruhig lassen und sich was anderes suchen. Ich denke aber, den Meisten geht es da wie mir: wenn man Drinnen im Warmen und Trockenen sitzt, fallen einem alle möglichen Ausreden ein. Läuft man erstmal ein paar Kilometer, versteht man gar nicht mehr, warum man versucht hat sich zu drücken und spätestens wenn man ankommt ist man ein anderer (gefühlt besserer ;)) Mensch. Meine persönliche Taktik: morgens vor der Arbeit laufen, da ist das Gehirn noch gar nicht in der Lage sich komplexe Ausreden einfallen zu lassen.
HansGeorg 21.11.2014
4. 50 Millionen fette Deutsche hüpfen verstört herum
Allein der Gedanke schon ist verstörend. 50 Millionen fette Deutsche hüpfen verstört in grellen Klamotten aufgeregt herum. Unerträglich. Wie wäre es mit ein paar Nachrichten bezüglich Ernährung hier stattdessen?
HansGeorg 22.11.2014
5. Der Kampf ist verloren
Millionen Deutsche hüpfen endlos schamlos rum jeden Tag. Keine/r schert sich um das Thema Ernährung.
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