Herzinfarkt und Krebs: US-Mediziner warnen vor rotem Fleisch

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Wie viel Fleisch darf es sein? Einer neuen Studie zufolge steigert jede zusätzliche Tagesportion Rind, Schwein oder Lamm das Risiko eines Herzinfarkts oder einer Krebserkrankung. Die Forscher raten, das rote Fleisch durch Geflügel, Fisch oder andere Lebensmittel zu ersetzen.

Riskanter Konsum: Wie ungesund ist rotes Fleisch? Zur Großansicht
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Riskanter Konsum: Wie ungesund ist rotes Fleisch?

Eines belegt eine neue US-Studie ganz klar: Wer viel rotes Fleisch ist, lebt generell eher ungesund. Fleischliebhaber rauchen den Daten zufolge häufiger, trinken mehr Alkohol, bewegen sich weniger und sind dicker als Menschen, die nur sehr selten ihr Brötchen mit Wurst belegen.

Doch auch das Fleisch selbst soll einen schädlichen Einfluss auf die Gesundheit haben, meinen die Forscher um An Pan von der Harvard School of Public Health in Boston. "Unsere Studie liefert weitere Belege für die gesundheitlichen Risiken des Verzehrs von großen Mengen rotem Fleisch, der in anderen Untersuchungen mit Altersdiabetes, Herzkreislaufkrankheiten, Schlaganfall und bestimmten Krebsformen in Verbindung gebracht wurde", sagt An Pan. Die Forscher berichten jetzt, dass übermäßiger Fleischkonsum insbesondere das Infarktrisiko erhöht, aber auch das einer tödlichen Krebserkrankung sowie insgesamt das Risiko eines frühzeitigen Todes.

Daten von rund 121.000 Studienteilnehmern

Ihre im Fachblatt "Archives of Internal Medicine" veröffentlichte Untersuchung stützt sich auf die Daten von rund 37.700 Männern und 83.600 Frauen, die bis zu 28 Jahre lang an zwei großen US-amerikanischen Studien teilgenommen hatten. Bei der "Nurses Health Study" sowie der "Health Professionals Follow-Up Study" werden Krankenschwestern beziehungsweise im Medizinsektor tätige Männer regelmäßig zu ihrer Gesundheit und ihrem Lebensstil befragt. Von diesen Menschen sind im beobachteten Zeitraum knapp 24.000 Teilnehmer gestorben, 5910 an den Folgen einer Herzkreislauferkrankung, 9464 an Krebs.

Pan und seine Kollegen interessierte bei der Datenauswertung insbesondere der Verzehr von rotem Fleisch (Rind, Schwein und Lamm - aber kein Geflügel), wobei sie dies in zwei Kategorien teilten. Zum einen nicht weiter verarbeitetes Fleisch, also Steaks, Koteletts, aber auch Hamburger. Zum anderen weiter verarbeitetes rotes Fleisch wie Wurst und Schinken. Als Portion galten entweder 85 Gramm nicht weiter verarbeitetes Fleisch, was knapp einem halben Steak entspricht, oder je nach Art 13 bis 45 Gramm Wurst.

Je nach ihrem Fleischkonsum teilten die Forscher die Probanden in fünf Gruppen ein - von der geringsten durchschnittlich verzehrten Menge in Gruppe eins bis zur größten in Gruppe fünf.

  • Lediglich eine Viertelportion rotes Fleisch (Männer) beziehungsweise eine halbe Portion (Frauen) aßen die Probanden in Gruppe eins pro Tag.
  • Die männlichen Teilnehmer in den Gruppen zwei bis vier aßen rund 0,6, 1 und 1,4 Portionen rotes Fleisch. Bei den Frauen waren es rund 0,9, 1,1 und 1,5 Portionen.
  • In der Gruppe fünf waren es rund 2,1 Portionen (Männer) oder 2,2 Portionen (Frauen) täglich.

Betrachtet man die Zahl der Todesfälle in den Gruppen eins bis vier, tun sich erst einmal keine dramatischen Unterschiede auf. Bei den zu Studienbeginn älteren Männern kommen hier auf 1000 Personenjahre gerechnet 10,5 bis 11,7 Todesfälle. In Gruppe fünf liegt sie dagegen bei 14. Die niedrigste Todesfall-Zahl gab es nicht in Gruppe eins, sondern in der zweiten Gruppe.

Bei den Frauen sieht es ähnlich aus: In den ersten vier Gruppen waren es sechs bis 6,7 Todesfälle auf 1000 Personenjahre, die geringste Zahl findet sich in Gruppe drei. In der Gruppe mit dem höchsten Fleischkonsum gab es 8,5 Todesfälle auf 1000 Personenjahre.

Andere Risikofaktoren eingerechnet

Um zu ermitteln, wie stark das Risiko eines frühzeitigen Todes durch den Fleischkonsum stieg, rechneten die Forscher zahlreiche andere bekannte Faktoren heraus, unter anderem Alter, Body-Mass-Index, Alkohol- und Zigarettenkonsum, körperliche Aktivität und Einnahme von Aspirin oder Multivitaminpräparaten. Ob Verwandte der Teilnehmer an Krebs oder Diabetes erkrankt waren oder einen Infarkt hatten, rechneten die Forscher ebenso ein wie eine Altersdiabetes, Bluthochdruck oder einen zu hohen Cholesterinspiegel bei den Probanden.

Hier liegt der Knackpunkt dieser und ähnlicher Ernährungsstudien. Denn je nachdem, wie stark die Forscher welchen Faktor gewichten, verändern sich die Ergebnisse. In gerade genanntem Fall flossen 15 (Männer) beziehungsweise 16 (Frauen) weitere Variablen ins Endergebnis ein. Da bleibt einiges an Spielraum, weil sich die Gruppen eben deutlich unterschieden - da die Teilnehmer, die weniger Fleisch aßen, im Schnitt etwas älter waren, sich mehr bewegten, einen niedrigeren BMI hatten, seltener rauchten oder an Diabetes litten, insgesamt weniger Kalorien pro Tag konsumierten, dafür häufiger Vitaminpräparate, aber seltener Aspirin schluckten.

Die Forscher kommen mit ihrem Modell auf folgende Zahlen:

  • Bei einer täglich mehr verzehrten Portion Wurst stieg das Risiko eines frühzeitigen Todes um 20 Prozent, bei nicht weiter verarbeitetem Fleisch um 13 Prozent.
  • Das Risiko eines tödlichen Herzkreislaufleidens erhöhte sich um 21 beziehungsweise 18 Prozent.
  • Das Risiko einer tödlichen Krebserkrankung stieg um 16 beziehungsweise zehn Prozent.

"Wir schätzen, dass sich 9,3 Prozent der Todesfälle bei Männern und 7,6 Prozent der Todesfälle bei Frauen hätten vermeiden lassen, wenn alle Studienteilnehmer weniger als eine halbe Portion rotes Fleisch täglich gegessen hätten", schreiben die Forscher. Aber nur 23 Prozent der an der Studie teilnehmenden Männer sowie zehn Prozent der Frauen hätten so wenig Fleisch konsumiert. Die Forscher errechneten auch, dass der Ersatz von rotem Fleisch durch Geflügel, Fisch, Nüssen Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn- oder fettarme Milchprodukte das Sterberisiko senken würde.

Einige ungesunde Bestandteile von Fleisch und Wurstwaren könnten den Zusammenhang erklären, notieren die Wissenschaftler. Nitrite und Nitrate, die Würste haltbarer machen sollen, stehen in Verdacht, die Antwort des Körpers auf das zuckerregulierende Hormon Insulin zu stören. Der hohe Salzgehalt von Wurstwaren könnte den Blutdruck erhöhen. Und das in rotem Fleisch generell enthaltene Hämoglobin und Eisen könnte das Risiko einiger Krebsformen steigern.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, pro Woche nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst zu essen und dabei fettarme Produkte zu bevorzugen.

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1. Eigenartig...
chen-men 04.04.2014
Zitat von sysopAFPWie viel Fleisch darf es sein? Einer neuen Studie zufolge steigert jede zusätzliche Tagesportion Rind, Schwein oder Lamm das Risiko eines Herzinfarkts oder einer Krebserkrankung. Die Forscher raten, das rote Fleisch durch Geflügel, Fisch oder andere Lebensmittel zu ersetzen. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,836026,00.html
... daß es zu diesem fast 2 Jahre alten Artikel keine Kommentare gibt. Die Harvard-Epidemiologen sind staatstreu und tun sich schwer, die Wahrheit zuzugeben, nämlich daß Eisen für die große Mehrheit der Erwachsenen, die kein Blut verliert, gesundheitsschädlich ist. In den USA wird allem Mehl (damit allen Backwaren, Nudeln, Pizza usw.) Eisen zugesetzt, was offenbar dazu führt, daß die US-Amerikaner erheblich kürzer leben als die Einwohner vergleichbarer Länder: Buchempfehlung "The iron factor of aging..." von Francesco S. Facchini - vielleicht sollte sich ein Verlag 'mal um eine Übersetzung ins Deutsche kümmern. Und nun in diesem Artikel lediglich das vage Eingeständnis, daß das in ROTEM Fleisch reichlich vorhandene häm-gebundene Eisen, das besonders leicht aufgenommen wird, etwas mit dem Krebsrisiko zu tun haben könnte. Das ist zwar richtig (etwa Darm-, Magen- und Leberkrebs...), aber nicht einmal die halbe Wahrheit. Wird das Eisen im Körper über Jahrzehnte gespeichert, was ohne Blutverluste (etwa auch Blutspenden) unvermeidlich ist, führt es zu höherem Blutdruck, Typ2-Diabetes, Herzinfarkten, Schlaganfällen, wie schon erwähnt mehr Krebs, schlimmer verlaufenden Infektionen wie etwa Lungenentzündungen - und nicht zuletzt Neurodegeneration, etwa Parkinson, Alzheimer / Demenz. Die Belege, die wiss. Literatur dazu füllt inzwischen Bände, wird aber ignoriert, weil die Fleisch-Industrie eine sehr wirksame Lobby hat ("Fleisch ist ein Stück Lebenskraft" u. dgl.) - und die Renten- und Finanzpolitiker kein Interesse daran haben, daß die Menschen immer noch älter werden. Und die Krankheits-Industrie verdient nicht an Gesunden, sondern vor allem an chronisch Kranken: --- Bluthochdruck bei der Mehrheit der älteren Menschen, --- 6 und mehr Millionen Typ2-Diabetiker allein in D, plus Folgekrankheiten, nicht zuletzt Nierenversagen ---> Dialyse (sogenannter "Organmangel" für Transplantationen...), --- Herzinfarkte als häufigste Todeursache (falls überlebt: oft schreckliche Herzinsuffizienz...), Schlaganfälle... Demenz - und vieles mehr. Blutspender bekommen praktisch keine Herzinfarkte (Salonen ... Tuomainen 1997 / 98), auch keinen Typ2-Diabetes (vielfach gezeigt, u.a. von dem oben erwähnten Prof. Francesco Facchini 2002)... Ich bin gespannt, ob ich es noch erlebe, daß die Harvard-Epidemiologen das endlich auch merken und zugeben, damit der Irrsinn ein Ende findet, daß die Leute sich auch noch künstlich Eisen "einwerfen".
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