Hormonkarussell: Warum Schlafmangel gefräßig macht

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Mh, das schmeckt: Zu wenig Schlaf führt möglicherweise zu Heißhunger

Wer zu wenig schläft, neigt zu einem größeren Appetit und wird im Zweifel dick. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt, was hinter dem Effekt stecken könnte: Schuld sind demnach Hormone - bei Männern und Frauen allerdings auf ganz verschiedene Art und Weise.

An manchen Tagen kann man einfach nicht genug bekommen: Trotz der großen Portion Spaghetti mit Pesto muss noch ein Schälchen Mousse au Chocolat zum Nachtisch her, auch nach zwei Brötchen zum Frühstück scheint das Völlegefühl in weiter Ferne. Der Auslöser des großen Appetits könnte in der Nacht liegen, konnten Forscher jetzt zeigen. Demnach sorgen Hormone dafür, dass Schlafmangel gefräßig macht.

Bereits bei mehreren Untersuchungen hatten Wissenschaftler beobachtet, dass Menschen, die nur wenig schlafen, tendenziell auch dicker sind. Bisher war allerdings noch weitgehend unklar, was genau hinter dem Effekt steckt: Welche Prozesse werden im Körper durch den Schlafmangel angestoßen, die die Speckröllchen auf der Hüfte wachsen lassen?

Um den Zusammenhang genauer zu ergründen, luden US-Forscher um Marie-Pierre St-Onge von der Columbia University 27 gesunde, normalgewichtige Männer und Frauen ins Schlaflabor ein. Alle Teilnehmer waren zwischen 30 und 45 Jahre alt und schliefen normalerweise zwischen sieben und neun Stunden pro Nacht.

Der erste Besuch im Schlaflabor endete für die freiwilligen Teilnehmer unangenehm: Drei Nächte hintereinander scheuchten die Forscher die Teilnehmer nach nur vier Stunden Schlaf aus den Betten. Eine zweite Versuchsphase hingegen, drei Wochen später, fiel für die Probanden wesentlich angenehmer aus. Diesmal durften sie drei Nächte hintereinander neun Stunden lang schlummern.

Frauen reagieren anders als Männer

Um zu beobachten, wie sich der verkürzte Schlaf auf den Körper auswirkt, nahmen die Forscher den Versuchsteilnehmern während der Zeit regelmäßig Blut ab und analysierten in den Proben die Menge an Glukose, Insulin und verschiedenen anderen Hormonen, die das Hungergefühl regulieren. Außerdem dokumentierten sie das Essverhalten der Teilnehmer.

Beim Insulin- und Glukosepegel konnten die Forscher durch den Schlafmangel keine Unterschiede ausmachen. Dafür stießen sie jedoch auf andere Hormone, die hinter der Kurzschlaf-Gefräßigkeit stecken könnten: Männer, die nur kurz schliefen, hatten am Morgen einen erhöhten Spiegel des appetitanregenden Hormons Ghrelin und somit ein verstärktes Hungergefühl, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Sleep".

Bei den Frauen hingegen beeinflusste der Schlaf die Ghrelin-Konzentration nicht. Dafür allerdings hatten die Versuchsteilnehmerinnen nach den kurzen Nächten am Nachmittag geringere Mengen des Hormons GLP-1 im Blut, das das Sättigungsgefühl stimuliert - und den Körper eigentlich vor maßlosen Mahlzeiten schützt. Bei den Männern hingegen konnten die Forscher diese Entwicklung nicht beobachten.

Zwar müssen die Ergebnisse erst noch in größeren Studien bestätigt werden. Indirekt konnten die Forscher sie allerdings schon kontrollieren: Nach den kurzen Nächten aßen die Studienteilnehmer tatsächlich mehr als an ausgeschlafenen Tagen, im Schnitt verzehrten sie 300 Extra-Kilokalorien. Demnach könnte der Schlaf neben der richtigen Ernährung und Bewegung eine wichtige Rolle beim Halten einer schlanken Linie spielen.

irb

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insgesamt 25 Beiträge
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1.
mister brot 02.11.2012
Ich bin Schichtarbeiter und wusste das schon lange. Dass ich nun auch weiß, warum das so ist, hilft mir leider nicht so richtig weiter.
2. Werter
artusdanielhoerfeld 02.11.2012
"...und wird im Zweifel dick." Das Adverb *im Zweifel* bezeichnet eine nach reiflicher Abwägung favorisierte Entscheidungsvariante zwischen mehreren Möglichkeiten und ist in Ihrem Kontext sinnlos. Sie meinten wohl *häufig* oder *oft*...
3.
Karthargo 02.11.2012
Zitat von mister brotIch bin Schichtarbeiter und wusste das schon lange. Dass ich nun auch weiß, warum das so ist, hilft mir leider nicht so richtig weiter.
Es soll Ihnen auch gar nicht weiterhelfen. Es soll Ihnen nur vor Augen halten, dass Sie "gefräßig" sind. Denn Dicke sind ja bekanntlich immer nur dann dick, wenn sie (zu)viel "fressen". Schlanke können demnach niemals "gefräßig" sein und wiegen ihr Essen immer nach Tageskalorienbilanz ab. Es soll Ihre Umwelt animieren, Ihnen so wertvolle Ratschläge wie "Du musst doch nicht so dick sein. Geh' doch mal früher ins Bett!" zu unterbreiten. Und es soll denen mit der "schlanken Linie" ein Gefühl von Erhabenheit suggerieren, da Schlanksein in dieser Gesellschaft fälschlicherweise mit Gesundheit gleichgesetzt wird. Die haben ja alles richtig gemacht. Die Dicken machen ja immer etwas falsch, sonst wären sie ja auch dünn. Es soll allen (mal wieder) suggerieren, dass der weitläufig unterstellte Grund für Übergewicht einen wissenschaftlichen und damit stichhaltigen Hintergrund hätte. Und die allermeisten, die so argumentieren, sehen es als Rechtfertigung an, ihre mehr oder weniger übergewichtige Umwelt mit ihrem Schlankheitswahn zu terrorisieren. Tatsache ist, dass man noch lange nicht weiß, wie ein konstantes Gewicht im Körper geregelt wird. Und Tatsache ist auch, dass es bei jedem andere Hintergründe, Ursachen und beeinflußende Faktoren gibt, denn sonst würde ja jeder diätische Ansatz, der mit "weniger essen" zu tun hätte, auch Erfolg bringen. Tut es aber nicht. Vor dem Hintergrund, dass mittlerweile jeder Zweite oder Dritte übergewichtig ist, sollten wir uns mal überlegen, ob wir wirklich in einer Gesellschaft leben wollen, in der derart faschistoide Züge gegenüber Oberflächlichkeiten ausgelebt werden. Es schadet nicht, zu leben und leben zu lassen.
4. optional
rodeoclown 02.11.2012
Das deckt sich mit meiner langjährigen Erfahrung.
5. Das wirft eine Frage auf
Semonides 02.11.2012
Zitat von KarthargoEs soll Ihnen auch gar nicht weiterhelfen. Es soll Ihnen nur vor Augen halten, dass Sie "gefräßig" sind. Denn Dicke sind ja bekanntlich immer nur dann dick, wenn sie (zu)viel "fressen". Schlanke können demnach niemals "gefräßig" sein und wiegen ihr Essen immer nach Tageskalorienbilanz ab. Es soll Ihre Umwelt animieren, Ihnen so wertvolle Ratschläge wie "Du musst doch nicht so dick sein. Geh' doch mal früher ins Bett!" zu unterbreiten. Und es soll denen mit der "schlanken Linie" ein Gefühl von Erhabenheit suggerieren, da Schlanksein in dieser Gesellschaft fälschlicherweise mit Gesundheit gleichgesetzt wird. Die haben ja alles richtig gemacht. Die Dicken machen ja immer etwas falsch, sonst wären sie ja auch dünn. Es soll allen (mal wieder) suggerieren, dass der weitläufig unterstellte Grund für Übergewicht einen wissenschaftlichen und damit stichhaltigen Hintergrund hätte. Und die allermeisten, die so argumentieren, sehen es als Rechtfertigung an, ihre mehr oder weniger übergewichtige Umwelt mit ihrem Schlankheitswahn zu terrorisieren. Tatsache ist, dass man noch lange nicht weiß, wie ein konstantes Gewicht im Körper geregelt wird. Und Tatsache ist auch, dass es bei jedem andere Hintergründe, Ursachen und beeinflußende Faktoren gibt, denn sonst würde ja jeder diätische Ansatz, der mit "weniger essen" zu tun hätte, auch Erfolg bringen. Tut es aber nicht. Vor dem Hintergrund, dass mittlerweile jeder Zweite oder Dritte übergewichtig ist, sollten wir uns mal überlegen, ob wir wirklich in einer Gesellschaft leben wollen, in der derart faschistoide Züge gegenüber Oberflächlichkeiten ausgelebt werden. Es schadet nicht, zu leben und leben zu lassen.
Wie können die Erfolgreichen, die stets schlank und schön sind, überhaupt erfolgreich sein, wenn sie so viel schlafen?
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