Zwei Tage Fasten pro Woche "Ich habe zehn Kilogramm abgenommen"

Jede Woche zwei Tage fasten, ein ganzes Jahr lang. Lohnt sich das? Und wie hält man das aus? Ein Erfahrungsbericht.

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Essen ist mein Hobby, ich esse viel und gerne. Ändern wird sich das vermutlich nicht mehr. Trotzdem esse ich seit knapp einem Jahr an zwei Tagen in der Woche nichts. Und das ist nicht mal besonders schwer.

So funktioniert's: Beim Intervallfasten gibt es zwei Methoden. Einmal 16:8, das heißt jeden Tag 16 Stunden am Stück fasten und nur innerhalb der verbleibenden acht Stunden essen. Oder 5:2, fünf Tage in der Woche ganz normal essen, zwei Tage fasten. Die beiden Fastentage können, müssen aber nicht aufeinander folgen und sollten nicht immer die gleichen Wochentage sein. Ich faste in der einen Woche beispielsweise Montag und Mittwoch, in der nächsten dann Dienstag und Freitag. Dadurch kann ich die Fastentage geschickt um Kneipenabende oder Essenseinladungen herum legen. An den Fastentagen dürfte man sogar etwas essen, Frauen 500 Kilokalorien, Männer 600. Manchen Leuten hilft das, ich bekomme davon eher noch mehr Hunger und esse meistens gar nichts.

Das nehme ich zu mir: Ungesüßter Tee und Kaffee ohne Milch und Zucker sind auch beim 5:2-Fasten erlaubt. Wirklich freuen kann ich mich auf die Fastentage zwar nicht, ich finde sie aber auch nicht schlimm. Am Tag davor esse ich ganz normal und muss mich nicht weiter vorbereiten. Mal ganz ehrlich: Das ist doch viel besser als der obligatorische Einlauf beim Heilfasten, oder? Morgens trinke ich meistens ein Glas Wasser oder eine Tasse ungesüßten schwarzen Tee. Kein Frühstück heißt auch mehr Zeit, also erledige ich in der Früh immer noch ein paar Dinge, die liegen geblieben sind.

Das passiert mit mir: Ansonsten stellen sich auch an nur einem Tag manche Fasteneffekte ein. Der Geruchssinn wird besser, ich bin aufmerksamer, aber abends dafür deutlich früher müde. Manchmal gehe ich an solchen Tagen um halb neun ins Bett. So kommt man immerhin zu etwas mehr Schlaf. Besonderen Hunger habe ich übrigens keinen, dafür aber Appetit auf bestimmte Dinge, letztes Mal zum Beispiel auf Spaghetti Napoli. Aber die kann ich ja an einem der anderen Tage essen. Klar, am Tag danach gönnt man sich schon mal was und isst etwas mehr. Das ist aber auch in Ordnung, nach 24 Stunden Pause muss der Körper eben wieder volltanken.

Das beste daran: Ich habe keinen Heißhunger mehr - das plötzliche Verlangen nach Schokolade und Süßigkeiten ist einfach weg. Mein Stoffwechsel ist inzwischen viel besser und ich habe keine Probleme, die Zeit zwischen den Mahlzeiten zu überbrücken. Und ich bin deutlich gesünder. Im vergangenen Jahr war ich seltener krank und auch meine Pollenallergie ist besser geworden.

Das sagt die Waage: Ja, ich habe abgenommen: rund zehn Kilo in einem Jahr. Das liegt allerdings nicht nur am Intervallfasten, sondern auch daran, dass ich wieder mehr Zeit für Sport hatte. Die 5:2-Methode ist toll, um kontrolliert abzunehmen und einen Jo-Jo-Effekt zu vermeiden. Wer anfangs ein paar Pfunde zu viel auf die Waage bringt, die Fastentage dann dauerhaft durchzieht und sich etwas gesünder ernährt, kann sein Gewicht einfach reduzieren.

Ist das nicht eine Riesenumstellung? Eigentlich nicht. Sobald man sich dran gewöhnt hat, sind die beiden Tage einfach Alltag. Ich kann mittags sogar meine Kollegen in die Kantine begleiten, trinke dann aber nur etwas. Futterneid kommt dabei nicht auf. Im Urlaub faste ich allerdings nicht. Denn am Fastentag in einer Tapasbar zu stehen, wäre wirklich zu viel des Guten. Zu Hause geht dann der normale Alltag weiter, fasten inklusive.

BBC Doku: Der Selbstversuch - Fasten macht glücklich


Wenn Sie unter einer Essstörung leiden, sich trotz Untergewicht zu dick fühlen oder versuchen, durch Hungern, Appetitzügler, Abführmittel oder Erbrechen abzunehmen: Dann fasten Sie bitte nicht. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat hier Hilfsangebote für Menschen mit einer Essstörung aufgelistet.



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C-Hochwald 14.02.2018
1. Energiebilanz
Jede Abnehmmethode ist nur so erfolgreich wie sie über einen langen Zeitraum diszipliniert angewendet wird. Einige Fakten sind allgemeingültig, vor allem die Energiebilanz. Wenn ich mehr Kalorien zu mir nehme als ich verbrenne, nehme ich im allgemeinen zu. Dies vor allem dann, wenn die Überschüsse aus Fetten, Zucker oder Kohlenhydraten bestehen, welche der Körper speichern kann. Es gilt also herauszufinden, wie ich zu dem Punkt komme, ab dem mein Energieverbrauch höher ist als die Nahrungsangebote. Hierzu kann ich hauptsächlich an drei Stellrädern drehen: 1. Bewegung, Sport, Gartenarbeit, etc... 2. Reduzierung der Nahrung 3. Umstellung der Nahrung von kohlehyrat- und fettreichen Nahrungsmitteln hin zu kalorienarmen Lebensmitteln, z.B. Gemüse. Zu manchen Süßigkeiten gibt es Alternativen. So hat z.B. 100g Schokolade rund 600kcal, 150g Schokopudding aber nur ca. 200kcal, dabei aber dennoch den Schokoladengeschmack. Aus meiner Sicht ist es für die Langzeitdisziplin auch wichtig, sich ab und an etwas zu gönnen, um nicht ständig Verzicht üben zu müssen. Ab Start der Abnehminitiative muß man aber schon mit einigen Wochen Übergangszeit rechnen, die durchaus einen Entzugscharakter haben kann. Über Hungergefühl, üble Laune und manchmal auch Müdigkeit oder schneller Erschöpfung beim Sport signalisiert dir dein doofes Hirn erst mal Nahrungsmangel und gaukelt den Hungertod vor. da muß jeder durch, ist halt schwierig die jahrelang eingeübten Essgewohnheiten abzulegen. Denn, sagen wir 15kg Übergewicht, bedeuten ca. 15 x 7000 = 105.000kcal gespeicherte Energie in der Wampe und den Pausbacken. Bei durchschnittlich 2000kcal Umsatz pro Tag reicht das theoretisch für 52 Tage. Da eine Nulldiat aber unrealistisch ist, sollte man sich erreichbare Ziele stecken, z.B. 500kcal Mehrverbrauch als Nahrungsaufnahme am Tag. Dann erreicht man ca. 3500kcal Abbau pro Woche, was 1/2 kg Fettabbau entspricht. So kann man dann einigermaßen kontinuierlich in 30 Wochen 15kg abbauen, wenn man ansonsten gesund ist. Selbst wenn nicht jede Woche 3500kcal drin sind (Geburtstage, Urlaub, Einladungen), ergibt sich über die Zeit der Erfolg, ohne sich zuviel unter Zeit- und Erfolgsdruck zu setzen. Je nach Tagesbedingungen können auch mal Sprünge von +/- 1Kg auf der Waage sein. Daher ist es auch wichtig, sich jeden Tag zu notieren, und für jede Woche einen Mittelwert zu berechnen. Entscheident ist die Tendenz des Gewichtes nach unten, nicht die einzelnen Tageswerte. Sollte ein Mediziner sich an dieser Forumsdiskussion beteiligen, könnte er / sie sicherlich genauer auf die Ursachen der Tagesschwankungen des Gewichtes eingehen. Abschließend kann ich aus eigener Erfahrung sagen, daß Essen und Genuß viel mit Belohnung zu tun hat. Daher darf man sich nach Etappenerfolgen oder dem Erreichen eines sportlichen Zieles (das eben nur wegen der Gewichtsabnahme möglich war) auch mal einen sündigen Tag gönnen. Denn 700kcal Nahrungsüberangebot entsprechen nur 100g Körperfett - das kriegt man die Tage danach auch wieder schnell weg.
Papazaca 14.02.2018
2. Egal, ob 5 zu 2, 16 zu 8 oder Heilfasten,
die Wahrheit ist banal und hat sich auch nicht geändert: 1.) weniger essen, 2.) Sport und Bewegung 3.) Man muß seine Ernährung ändern, weniger und richtig essen. Ich weiß, das hört sich banal und langweilig an, aber auch die besten Leistungssportler trainieren banal, halten durch und gewinnen so auch Goldmedaillen. So ist es Und der Aschermittwoch ist der ideale Tag, um anzufangen.
kopfball123 14.02.2018
3. Hört sich ja nicht so toll an
10kg in einem Jahr heißt 200g pro Woche. Da braucht man schon sehr viel Disziplin um nicht aus mangelndem Erfolg aufzugeben zumal man ja teilweiße richtig hungern muss. Um halb 9 ins Bett zu gehen muss man sich auch leisten können und setzt wohl voraus dass man Single ist. Sport kann übrigens in vielen Fällen kontraproduktiv seln.
argumentumabsurdum 14.02.2018
4. @ C-Hochwald
Hat Ihr Beitrag jetzt irgendeinen Bezug zu dem Artikel? Oder haben sie einfach die Gelegenheit genutzt um mal spontan eine Anleitung zur Gewichtsreduktion hier ins Netz zu stellen? In dem Artikel geht es ums Intervallfasten, dabei stellt sich der Gewichtsverlust als willkomener Nebeneffekt ein und nicht als vorrangiges Ziel.
huger56 14.02.2018
5. Keine Sache...
Intervallfasten, das habe ich bereits als 17-jähriger (vor 26 Jahren) für mich gefunden. Und zwar einfach dadurch, dass ich nur noch einmal am Tag gegessen habe, dafür aber, worauf ich Lust hatte und auch in der Menge, die ich wollte. Süsskram weggelassen, Alkohol etwas (ich war 17!) reduziert. Das reichte damals für 36 Kilo... und das Jojo hat erst dann wieder zugeschlagen, als ich nach einigen Jahren mit meiner Freundin zusammengezogen bin, die den Kühlschrank immer gefüllt hat. Aktuell versuche ich genau gleich wieder auf mein Wunschgewicht zu kommen und es funktioniert immer noch. Bis jetzt sind es 6kg in ca. 6-8 Wochen, ohne dass ich mir irgendwas wirklich verkneifen müsste. Die Lust auf Süsses ist meist innerhalb von 3-4 Tagen weg, Salziges macht mir da schon mehr Mühe.
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