Achilles Classics Laufen allein genügt nicht

Langsam geht's ans Eingemachte. Wer läuft, muss rundum geschmeidig sein. Gymnastik tut weh und sieht peinlich aus, ist aber nicht zu vermeiden. Nachrichten von der Schaumstoffmatte.

Seitstütz statt Joggen
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Seitstütz statt Joggen


Achilles-Klassiker
    In der Reihe "Achilles-Klassiker" präsentiert SPIEGEL ONLINE Schätze aus dem Archiv des Wunderathleten Achim, der trotz intensiven Lauftrainings kaum von der Stelle kommt.

Heute ist Gymnastiktag. Stramme Bauchmuskeln und eine gut gedehnte Beinmuskulatur sind Bedingung für Höchstleistungen. Ich kicke Monas Medizinball mit vorbildlicher Oberschenkelspannung hinter das Bügelbrett. Sicherheitshalber lasse ich die Jalousien runter. Sonst denken die Leute von gegenüber noch, ich bin jetzt auf dem Tantra-Trip.

Außerdem ist Monas Gymnastikmatte lila. Darauf muss mich keiner sehen. Hans sitzt vor dem Computer, Mona ist im Supermarkt. Meine alten Laufleggings sind eingelaufen oder über die Jahre geschrumpft. Sind eh hässlich. Nehme ich eben den Trainingsanzug. Ich habe die bewährte Snap-Nummer aufgelegt: "I've got the power". Jane Fonda wäre stolz auf mich.

Ich fühle mich stark. Positiv. Bereit für Übung 1: vorderer Stütz zur Kräftigung der Körpervorderseite, "Planking" - meine leichteste Disziplin. Einfach auf Unterarmen und Zehenspitzen ruhen. 30 Sekunden halten.

In dieser Position habe ich früher Stunden, ach was, Tage zugebracht. Warum nur fühlt es sich heute anders an als früher? Der verdammte Wecker läuft auch viel langsamer als sonst. Mein Rücken vibriert, mein Bauch tut weh. Blöde Übung.

Nach 30 elenden Sekunden liege ich auf dem Bauch und pumpe. Zum Glück kann ich für Übung Nummer zwei so liegen bleiben. Einfach nur die Unterschenkel hochklappen und die Knöchel greifen, so wie auf dem Foto, das ich mir runtergeladen habe. Aber der verdammte Knöchel ist zu weit weg. Ich komme einfach nicht dran.

Gerade kriege ich einen Schnürsenkel zu fassen, als Mona, noch im Mantel, ins Schlafzimmer stürzt. "Alles klar, Achim?" - "Hmmpf", bestätige ich. "Dann ist ja gut", sagt sie, "du hast so laut gestöhnt, da dachte ich, es ist was passiert." Dass Frauen immer diese Infarkt-Phantasien haben. "Ich mache ein paar Kräftigungsübungen", sage ich selbstbewusst, nachdem ich den Finger aus dem Schnürsenkel befreit habe. "Übernimm dich nicht gleich am Anfang", sagt Mona, "du warst doch gestern erst laufen".

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Du wirst dich wundern, Schätzchen, denke ich, ab sofort ist hier jeden Tag Programm. Morgen früh werde ich wieder im Park laufen und am Wochenende einen Kilometer auf Zeit rennen, im Maximaltempo, zur Formüberprüfung, um die Pulsfrequenz im Training zu optimieren. Ich spüre schon die kräftigende Wirkung der ersten Übung. Außerdem tut mein Ellenbogen weh vom Aufstützen. Für den ersten Tag war das ganz ordentlich.

Ich liege auf Monas Matte und blättere durch die Fachliteratur. "Niemand braucht Angst zu haben, von Stabilisationsübungen dicke Muskeln zu bekommen", schreibt ein gewisser Herr Greif. Interessant. Manchmal macht er mich auf Probleme aufmerksam, die bislang nie welche für mich waren. Für die nächsten Übungen brauche ich einen Hocker, einen Tisch und eine Treppenstufe. Wo zum Teufel soll man im Schlafzimmer eine Treppenstufe herbekommen? Oder soll ich mich im Hausflur zum Affen machen?

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Mona ruft Hans zum Abendessen. Ich habe mich bereits abgemeldet. Sie werden sich daran gewöhnen müssen, abends ohne mich zu essen. Nur ein leichter Läufer kann seine Schnelligkeit voll ausspielen.

Ich gönne mir jetzt eine Kapsel Apfelessigextrakt aus dem Versandhandel. Das sorgt für einen schnelleren Abtransport der Stoffwechselprodukte, die bei hartem Training entstehen.

Vielleicht gönne ich mir noch etwas Ackerschachtelhalm-Extrakt. Wofür der gut ist, weiß ich nicht mehr. Aber das Zeug ist teuer und schmeckt wie Käsefüße. Dann hilft es auch.

Am Wochenende auf der Runde um den Schlachtensee werde ich explodieren. Es ist die Hoffnung, die mich am Leben hält. Ich habe schrecklichen Hunger. Aber Hoffnung ist ja das Brot des Läufers. Und da habe ich noch reichlich Vorräte.



insgesamt 1475 Beiträge
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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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