Sportbekleidung Welche Textilien sich am besten zum Laufen eignen

Was ist die richtige Sportkleidung für den Herbst? Der Mediziner Markus Walther erklärt die Vor- und Nachteile von Wolle, wie man sich am besten bei Wind und Wetter einpackt - und warum Unterwäsche oft verzichtbar ist.

Ein Interview von

Laufshirts: Kunstfasern sorgen für den Abtransport von Schweiß
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Laufshirts: Kunstfasern sorgen für den Abtransport von Schweiß


Zur Person
Markus Walther ist Professor und Ärztlicher Direktor der Schön Klinik München Harlaching. Der Chirurg sitzt im Medizinischen Beratungsgremium eines großen Sportartikelherstellers, das gesundheitliche Aspekte von Laufkleidung untersucht. Er ist selbst passionierter Läufer. Beim Stadtlauf in München belegte er in der Halbmarathondistanz in seiner Altersklasse den zweiten Platz.
SPIEGEL ONLINE: Es gibt eine Menge teurer Joggingklamotten. Was davon ist aus medizinischer Sicht notwendig?

Walther: Notwendig ist sicher nichts davon. Aber es ist zum Beispiel nicht empfehlenswert, in einem Baumwoll-T-Shirt zu laufen, weil es sich mit Schweiß vollsaugt und die Feuchtigkeit nur langsam an die Umgebung abgibt. Es liegt dann wie ein nasser, kalter Schwamm auf der Haut, die Muskulatur kühlt aus. Das kann Verspannungen verursachen.

SPIEGEL ONLINE: Also am besten 100 Prozent Polyester?

Walther: Es gibt verschiedene Fasern, die in Laufbekleidung verwendet werden, letztlich sind es allesamt Kunstfasern. Sie bilden netzartige Gewebe, die den Schweiß gut transportieren können und selbst kaum Flüssigkeit aufnehmen. Dadurch erreicht man, dass der Stoff sich nicht vollsaugt. Der Schweiß verdunstet schnell, so dass ein Kühleffekt vorhanden ist.

SPIEGEL ONLINE: Zwischen den Kunstfaser-Hemdchen gibt es extreme Preisunterschiede. Muss es wirklich das Shirt inklusive Turbokühler und strategischer Belüftung sein, oder tut es auch das Zehn-Euro-Modell?

Walther: Ob es sich um hochwertige Laufkleidung handelt, sieht man unter anderem daran, ob unterschiedliche Gewebe verwendet werden. Bei den besseren Shirts hat man zum Beispiel im Nacken etwas dickeres Material, um diesen vor Auskühlung zu schützen. An der Wirbelsäule dagegen verwendet man bei hochwertiger Laufkleidung dünneres Material, denn dort liegt die hintere Schweißrinne, wo man stärker schwitzt. An der Frontseite wird wieder dichteres Gewebe verwendet, damit der Sportler gegen Lauf- und Fahrtwind geschützt ist.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie getestet, ob die teure Kleidung wirklich das hält, was sie verspricht?

Walther: Bei der Laufkleidung gucken wir uns mit Wärmekameras an, welchen Einfluss die Gewebestärke auf die Wärmeabgabe des Körpers hat. Wir können so recht einfach sehen, welche Neuentwicklungen funktionieren. Diejenigen, die ich gesehen habe, haben hinsichtlich der Wärmeabgabe funktioniert.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt stehen eher kältere Tage an. Was trägt man am besten?

Walther: Am besten Oberbekleidung aus semipermeablen Membranen. Sie sind so aufgebaut, dass winzige Wasserdampfmoleküle, die beim Schwitzen entstehen, durch die Membran austreten können. Regentropfen dagegen, die um ein Vielfaches größer sind, können von außen nicht eintreten.

SPIEGEL ONLINE: Sind semipermeable Materialien auch sinnvoll, wenn es nicht regnet?

Walther: Ja, weil sie winddicht sind, man aber gleichzeitig viel weniger schwitzt als unter einer normalen Kunststoffmembran. Man kühlt deshalb weniger aus. Je größer der Luftfeuchtigkeitsunterschied, desto besser funktioniert die Membran. Optimal ist es in den Bergen, denn da ist die Luft sehr trocken.

SPIEGEL ONLINE: Was zieht man am besten unter der semipermeablen Membran an?

Walther: Es kommt darauf an, bei welchem Klima man läuft. Wenn es kalt ist, sollte man Materialien anziehen, die mehr Luft im Gewebe einschließen.

SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von Wolle?

Walther: Der Vorteil der Wolle ist, dass sie aus sehr kleinen Fasern besteht. Sie schließt viel Luft ein und isoliert deshalb sehr gut. Vor allem für Unterwäsche, die man in kalter Umgebung trägt, ist das von Vorteil. Leider vertragen aber nicht alle Sportler natürliche Wolle direkt auf der Haut, manche bekommen Allergien gegen Wolle oder Kontaktekzeme. Nachteil ist auch, dass Wolle mehr Flüssigkeit aufnimmt als ein Kunststoffgewebe. Sie wird schwerer, und man friert sehr schnell, wenn Wind direkt auf nasse Wolle trifft.

SPIEGEL ONLINE: Am besten zum Sport eignet sich also doch Kunstfaser?

Walther: Eine gute Kombination bei Kälte könnte ein Shirt aus Merinowolle mit einer leichten Jacke aus einer semipermeablen Membran sein. Wenn ich aber stark schwitze und es weniger darauf ankommt, den Körper warm zu halten, dann bevorzuge ich eine Kunststofffaser.

SPIEGEL ONLINE: Sollte man Unterwäsche aus Kunstfaser verwenden?

Walther: Bei einer längeren Strecke hat es Vorteile, weil Kunstfaser schnell trocknet und man nicht auskühlt. Wenn ich zum Beispiel an Mountainbike-Touren denke, wo man beim Hochfahren ziemlich schwitzt und beim Runterfahren sehr auskühlt, sind Kunstfasern am ganzen Körper sinnvoll. Eine Baumwollunterhose wird den ganzen Tag nicht mehr trocken und fühlt sich entsprechend unangenehm an. Bei der Sportkleidung ist oft eine Kunstfaserunterwäsche mit eingearbeitet, da muss man keine Unterhose drunterziehen.

SPIEGEL ONLINE: Sollte Laufkleidung eher eng anliegen, oder darf sie etwas weiter geschnitten sein?

Walther: Die Kleidung sollte nicht beim Atmen hindern, aber sonst möglichst eng anliegen. Wenn man ein großes Shirt hat, hebt es sich beim Laufen ab und erzeugt beim Wiederauftreffen auf der Haut einen kalten Luftstoß.



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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
fucus-wakame 28.08.2014
1. Schurwolle
Mein Freund und ich tragen Kleidung aus reiner Schurwolle. Weil sie ist atmungsaktiv, und müffelt nicht so schnell. Auch im feuchten Zustand, wenn man geschwitzt hat, wärmt sie noch. Baumwolle stattdessen fühlt sich naß und klamm an.
lexik 28.08.2014
2. Wochenendjogger
Ich jogge ab und zu mal, wenn ich Zeit habe und kann den meisten Punkten im Text zustimmen. Kunststoffgewebe sind einfach gut dafür. Aber "hochwertige Kleidungsstücke" mit verschiedenen Materialien für verschiedene Schwitzschwerpunkte halte ich - zumindest für meine Zwecke - für übertrieben. Vielleicht lohnen die sich für Marathonläufer wieder. Nur eins verstehe ich nicht... Erst das: "Leider vertragen aber nicht alle Sportler natürliche Wolle direkt auf der Haut, manche bekommen Allergien gegen Wolle oder Kontaktekzeme." Und dann das: "Eine gute Kombination bei Kälte könnte ein Shirt aus Merino-Wolle mit einer leichten Jacke aus einer semipermeablen Membran sein." Wäre es zum Vermeiden von Kontaktallergien nicht besser den Kunststoff auf der Haut zu lassen und das Wollgewebe zur Wäreisolierung darüber?
spontanreaktion 28.08.2014
3. Das Zwiebelprinzip
mit Kunstfasern funktioniert für mich am besten.
susuki 28.08.2014
4.
Quatsch, baumwolle, etwas zu wechseln wenn es nass ist. 2-3 5 Euro shirts sind ausreichend.
fr1 28.08.2014
5. quatsch
jeder zieht das an was er am liebsten trägt...was ihm gut tut. bei zu weiten sachen bekommt der Körper luft....naund?!
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