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30. März 2018, 19:56 Uhr

Nach Richterspruch in Kalifornien

Ist Kaffee krebserregend?

Geht es nach einem US-Richter, dürfen Ketten wie Starbucks demnächst ihren Kaffee in Kalifornien nur noch mit einer Krebs-Warnung verkaufen, weil darin Acrylamid enthalten ist. Hat der Richter recht?

Noch können Starbucks, McDonalds und andere Anbieter von Kaffeegetränken Widerspruch einlegen. Aber falls sie das nicht tun oder damit nicht durchkommen, müssen sie künftig im US-Bundestaat Kalifornien Kunden warnen - und zwar davor, dass eine in den Getränken enthaltene Substanz, Acrylamid, Krebs verursachen kann.

Was ist das für eine Substanz und wie gefährlich ist sie? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist Acrylamid und in welchen Lebensmitteln ist es enthalten?

Acrylamid ist zum einen ein in der Industrie verwendeter Stoff, der bei der Herstellung von Kunst- und Farbstoffen zum Einsatz kommt, berichtet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Zum anderen entsteht Acrylamid beim Backen, Braten, Frittieren, Grillen oder Rösten von stärkehaltigen Lebensmitteln, also etwa Getreide und Kartoffeln. Die Substanz findet sich deshalb nicht nur in Kaffee, sondern zum Beispiel auch in Kartoffelchips, Pommes frites, Keksen, Kuchen und Brot. Gebräunt und knusprig heißt hier leider auch immer: acrylamidhaltig.

Die Nahrung ist allerdings nicht die Hauptquelle für Acrylamid in der deutschen Bevölkerung, so das BfR: Denn es entsteht auch beim Zigarettenkonsum, so dass Raucher es einatmen.

Verursacht Acrylamid Krebs?

Ob die Substanz Krebs auslösen kann, ist noch nicht eindeutig belegt. Die Weltkrebsforschungsagentur IARC listet die Substanz in der Kategorie 2A: "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen".

Wie wird Acrylamid in Deutschland und der EU reguliert?

Trotzdem gilt etwa für die deutschen Behörden: Acrylamid zählt zu den Stoffen, die man möglichst nicht in Lebensmitteln haben will. Es gilt also, die Acrylamid-Menge so weit zu reduzieren, wie das vernünftigerweise zu erreichen ist.

Die EU hat 2017 eine Verordnung auf den Weg gebracht, die Lebensmittelherstellern strengere Auflagen machen soll, um den Acrylamid-Gehalt weiter zu senken.

Als Stiftung Warentest 2016 Espressobohnen-Kaffees testete, konnte sie übrigens berichten: Keines der 18 geprüften Produkte überschritt den geltenden Richtwert.

Die Substanz findet sich allerdings auch in Selbstgebackenem, -gekochtem oder gegrilltem. Deshalb gilt in der eigenen Küche: "Vergolden statt Verkohlen". Denn bei Backtemperaturen unter 180 Grad Celsius entsteht weniger Acrylamid.

Ist denn der Kaffee an sich krebserregend?

Nach allem, was man aktuell weiß: wahrscheinlich nicht. Die Weltkrebsforschungsagentur IARC listet ihn in Kategorie 3, was bedeutet: Zurzeit gibt es keine hinreichenden Hinweise darauf, dass Kaffee Krebs auslösen kann. Es gebe sogar Anzeichen, dass Kaffeetrinken mit einem geringeren Risiko von Leber- und Gebärmutterkrebs einhergehe.

wbr

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