Kaffeekonsum Mediziner glauben immer mehr an das Gute in der Bohne

Wer am Tag drei bis fünf Tassen Kaffee trinkt, hat ein geringeres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall als ein Kaffee-Abstinenzler. Das ist das Ergebnis einer großen Auswertung bisheriger Studien. Ob das Getränk tatsächlich davor schützt, ist damit jedoch nicht bewiesen.

Kalter Kaffee: Das Herz scheint Kaffeekonsum gut zu verkraften
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Kalter Kaffee: Das Herz scheint Kaffeekonsum gut zu verkraften


Ist Kaffee ein ungesundes Laster? Oder kann das Heißgetränk doch vor bestimmten Erkrankungen schützen? Die unzähligen Studien zu diesem Thema zeigen, wie umstritten die Wirkung von Kaffee auf die Gesundheit ist.

Ein eindeutig negativer Punkt: Das Koffein, das in der schwarzen Brühe enthalten ist, kann abhängig machen. Beim Absetzen droht ein leichter Entzug mit Kopfschmerzen und Stimmungstief. Wer zu viel Koffein aufnimmt, muss zudem mit Schlaflosigkeit, Herzrasen oder sogar Herzrhythmusstörungen kämpfen. Deshalb nahmen Mediziner lange an, dass sich ständiges Kaffeetrinken negativ auf das Herz auswirkt.

Dennoch deuten neuere Untersuchungen in die Richtung, dass Kaffeekonsum kaum der Gesundheit schadet - ja sogar gesund sein könnte. Ein Team von Forschern aus Singapur und den USA hat jetzt eine Auswertung von insgesamt 36 Studien vorgelegt, die diese Annahme bestätigt: Der Analyse zufolge erleiden Menschen, die zwischen drei und fünf Tassen Kaffee am Tag trinken, seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als jene, die entweder gar keinen Kaffee trinken, oder deutlich mehr als fünf Tassen.

Die Daten, die das Team um Frank Hu von der Harvard School of Public Health in Boston analysierte, umfassten insgesamt 1,3 Millionen Probanden. Rund 48.000 Menschen erkrankten während der Studienteilnahme am Herzen, hatten einen Infarkt oder Schlaganfall, berichten die Forscher im Medizinjournal "Circulation". Bis zu sieben Tassen Kaffee pro Tag erhöhten demnach nicht das Risiko für die untersuchten Leiden.

Ein Dosiseffekt?

Trotz der großen Studien- und Probandenzahl: ob ein gemäßigter Kaffeekonsum tatsächlich eine schützende Wirkung habe, lasse sich nicht abschließend sagen, schreiben die Studienautoren. Es könnte zum Beispiel möglich sein, dass Menschen, die durch erhöhten Blutdruck und andere Faktoren bereits ein erhöhtes Infarktrisiko haben, eher die Finger vom Kaffee lassen. Das könnte zumindest zum Teil erklären, warum Menschen, die keinen Kaffee trinken, häufiger ein Herzleiden entwickeln. Allerdings tranken der Studienanalyse zufolge Probanden mit bekanntem Bluthochdruck im Schnitt nicht weniger Kaffee als die restlichen Teilnehmer. Eine Beobachtung, die gegen diesen Erklärungsansatz spricht.

Den Autoren zufolge hat man es beim Kaffeekonsum vermutlich mit einem sogenannten Dosiseffekt zu tun. Anders formuliert: Die Dosis macht das Gift. Kaffee in normalen Mengen hat einen positiven Effekt, in zu großen Mengen schlägt die Wirkung in die negative Richtung um. Das Getränk sei eine vielschichtige Mischung aus Hunderten verschiedenen Substanzen, schreibt das Team um Hu. Es könne also durchaus positive und negative Effekte haben - je nach Menge würde das eine oder das andere überwiegen. Das ist aber lediglich eine Hypothese.

Egal, welche Erklärung stimmen mag. Für Kaffeeliebhaber birgt die Studie gute Nachrichten: "Die meisten Menschen brauchen sich also keine Sorgen zu machen, lediglich etwa in der Schwangerschaft und bei schwer einstellbarem hohen Blutdruck ist Zurückhaltung angebracht", sagt auch Hans-Christoph Diener vom Uniklinikum Essen in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. "Wir raten den Menschen, lieber auf den Blutdruck zu achten, sich zu bewegen und nicht zu rauchen."

Eiskalter Koffeinentzug

wbr



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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
uban1 27.03.2014
1. Mittelalter
Zitat von sysopAPWer am Tag drei bis fünf Tassen Kaffee trinkt, hat ein geringeres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall als ein Kaffee-Abstinenzler. Das ist das Ergebnis einer großen Auswertung bisheriger Studien. Ob das Getränk tatsächlich davor schützt, ist damit jedoch nicht bewiesen. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/kaffee-konsum-steigert-nicht-das-risiko-fuer-infarkt-oder-schlaganfall-a-960955.html
Im Mittelalter wussten die Menschen/Hexer/Hexen dass sie übernatürliche Hilfe brauchen, aber heute ? Kommen sich die sogenannten Wissentschaftlicher/Ärzte nicht allmählich etwas blöd vor? So alle paar Jahre 'neue', der vorherigen wissentschaftlichen Studie widersprechende Erkenntnisse? Wie lange dauert es bis die neuen wissentschaftlichen Erkenntnisee von de Hochschulen in die Lehre in die gelebte Praxis kommen? Bei manchen Ärzten wird man wohl Jahrzehnte warten müssen... Leider kommt das zu häufig vor. Leider kommt es, insbesondere wenn persönliche/finanzielle Interessen dazukommen, sogar zu 'betrügerischen' Ergebnissen durch geschicktes weglassen/betonen diverser Parameter.
swami13 27.03.2014
2. Kaffee macht die Nebennieren kaputt
habe ich zumindest mal so gelesen. Das Koffein bewirkt eine Adrenalin, Noradrealinausstoß. Auf Dauer soll das zu Erschöpfungssymdrom der Nebennieren führen und zu Ermüdungszustände kommen. Ich glaube Nebenniereninsuffizienz war das Wort.
zeitgeistloser 27.03.2014
3. Wahrscheinlich ...
... wird es demnächst eine ähnliche Studie geben, die die Harmlosigkeit von bis zu 7 Nasen Koks und 3 oder 4 kleinen Spritzen verdrecktem Heroin belegt. Papier ist geduldigt und die Menschen glauben gerne alles, was man ihnen vorsetzt. Leider gilt das für das papierfreie Internet noch viel mehr. Wer hat wohl diese Studie bezahlt und deren Veröffentlichung lanziert?
spmc-12653168937531 27.03.2014
4. Die Medizin ist die Wissenschaft, die sich am meisten korrigiert
Zum Thema Kaffee gesundheitsschädlich oder nicht folgende Anmerkungen: 1. Kaffee hat ein Suchtpotential 2. Kaffee verändert die natürliche Organuhr ( s. Chronobiologie ), die ist so, als wenn eine Standuhr ständig verstellt wird 3. Kaffee schwemmt die Körpersalze ( Elektrolyte ) aus 4. Kaffee fördert die Magensäurebildung und demnach auch den Reflux 5. Kaffee reduziert den Flüssigkeitsstoffwechsel - früher sagte der Volksmund, "wer einen Liter Wasser trinkt und einen Liter Kaffee hat nichts getrunken". Es entsteht ein Flüssigkeitsdefizit und der Körperwasserstand befindet sich ähnlich wie beim Auto im roten Bereich 6. Kaffe fördert die Entstehung eines Reizmagens bzw. einer Reizblase Damit soll Kaffee nicht verteufelt werden, wenn er ein Genussmittel bleibt ( es kommt auf die Dosis an - s. Paracelsus ). Leider ist er heutezu einem Nahrungsmittel geworden.
willi.mueller.1919 27.03.2014
5. Ach nee ...
Und wer nicht raucht, übermäßig trinkt, gesund ernährt und regelmäßig Sport treibt auch. Sachen gibts...
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