Ernährungsstudie: Kaffee, die gesunde Sünde

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Noch ein Tässchen für ein langes Leben? Einer großen US-Studie zufolge wirkt Kaffee positiv auf die Gesundheit. Trotzdem leben typische Kaffeetrinker im Schnitt kürzer - weil sie andere ungesunde Gewohnheiten haben.

Kaffee, schwarz: Wie genau die Studienteilnehmer ihren Kaffee tranken, wurde nicht erfasst Zur Großansicht
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Kaffee, schwarz: Wie genau die Studienteilnehmer ihren Kaffee tranken, wurde nicht erfasst

In einem Punkt sind sich die Forscher sicher: Am Koffein kann es nicht liegen. Denn ihren Studiendaten zufolge beeinflussen entkoffeinierter und gewöhnlicher Kaffee die Gesundheit gleichermaßen. Falls also Substanzen aus dem Heißgetränk ein wenig vor Herzleiden und anderen Krankheiten schützen, müssen es andere sein als das für die aufputschende Wirkung verantwortliche Koffein.

Neal Freedman von den National Institutes of Health der USA und seine Kollegen werteten Informationen von rund 229.000 Männern und 173.000 Frauen aus, die seit Mitte der neunziger Jahre an einer großen Studie (NIH AARP Diet and Health Study) teilgenommen hatten. Alle hatten zu Beginn einen Fragebogen mit diversen Informationen zu ihrem Lebensstil ausgefüllt - Essgewohnheiten, Alkoholkonsum, Sportpensum und vieles mehr. Zu Studienbeginn waren die Teilnehmer zwischen 50 und 71 Jahre alt.

Bis zum Jahr 2008 starben 52.515 Teilnehmer, wie die Forscher im "New England Journal of Medicine" berichten. Das Team um Freedman berechnete nun, ob Kaffeetrinker eher oder später ums Leben kamen als die Teilnehmer, die vorzugsweise andere Getränke konsumierten.

Tatsächlich starben sie früher. Allerdings entpuppten sich Kaffeetrinker auch häufiger als Sportmuffel und als regelmäßigere Alkoholkonsumenten - zusätzlich verschmähten sie eher Obst und Gemüse und aßen häufiger rotes Fleisch. Der auffälligste Zusammenhang: Von den Männern, die überhaupt keinen Kaffee tranken, rauchten 4,8 Prozent. In der Gruppe mit dem höchsten Kaffeekonsum (täglich sechs Tassen oder mehr) waren dagegen 34,7 Prozent Raucher. Bei den Frauen waren es 8,1 beziehungsweise 48,1 Prozent. Unterm Strich zeigte sich also - wieder einmal: Wer viel Kaffee trinkt, lebt insgesamt eher ungesund.

Eher hilfreich als schädlich

Um herauszufinden, ob der Kaffee nur eine weitere schädliche Angewohnheit darstellt oder eher positiv wirkt, rechneten die Forscher die eben aufgezählten und weitere bekannte Faktoren heraus. So kamen sie zum Schluss, dass Kaffee wohl eher schützt als schadet.

"Im Vergleich zu Männern, die keinen Kaffee konsumierten, hatten Männer, die sechs oder mehr Tassen am Tag tranken, ein zehn Prozent geringeres Risiko, während des Studienzeitraums zu sterben", schreiben die Wissenschaftler. Bei Frauen sank das Risiko gar um 15 Prozent. Ein Ergebnis, das ähnliche, frühere Studien bestätigt.

Ob der Kaffee Koffein enthielt oder nicht, spielte dabei keine Rolle. Möglicherweise wirken sich im Heißgetränk enthaltene Antioxidantien positiv aus, mutmaßen die Wissenschaftler.

Wie alle Studien, die darauf beruhen, Menschen einmal zu ihren Lebensgewohnheiten zu befragen und dann jahrelang abzuwarten und Daten zu sammeln, gab es auch hier das Problem, das am Ende niemand sicher sein kann, dass wirklich der Kaffee den beobachteten Unterschied ausgemacht hat. Vielleicht existieren weitere Verhaltensweisen, die Kaffeetrinker von Nicht-Kaffeetrinkern unterscheiden, die nicht erfasst oder beachtet wurden. Möglicherweise lässt sich die Beobachtung schlicht damit erklären, dass die Kaffeetrinker etwas mehr Flüssigkeit zu sich genommen haben als die anderen - oder dass sie weniger stark zuckerhaltige Softdrinks getrunken haben.

Zusammengefasst heißt es also: Nur weil Kaffeetrinker - wenn man alle anderen Faktoren herausgerechnet hat - länger leben, verlängert Kaffee nicht das Leben.

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