Kakao: Bitterschokolade im Test gegen Bluthochdruck

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Corbis

Leckeres Stück Bitterschokolade: Positive Wirkung auf den Blutdruck?

Schokolade ist lecker, macht zufrieden und in großen Mengen leider auch dick. Aber kann sie noch mehr? Immer wieder gehen Wissenschaftler Hinweisen nach, dass ein Inhaltsstoff des Kakaos den Blutdruck senken kann. Nun haben Forscher die Ergebnisse zusammengefasst.

Schokolade ist - wenn man nicht gerade an einer Kakaoallergie leidet - eine gute Sache, so viel lässt sich sicher sagen. Viele bezeichnen sich selbst als Schokoholiker, lassen sich die französische Tarte au Chocolat auf der Zunge zergehen, bestellen im amerikanisch angehauchten Kaffeehaus den Triple Chocolate Cake oder schwören einfach nur auf die einfache Alpenmilchschokolade. Wie auch immer, Schokolade kann glücklich machen. Studien braucht es dafür keine - die Erfahrungswerte der Menschen rund um den Globus reichen aus. Nur in einer Sache hat sich die Schokolade bisher noch nicht so hervorgetan: Der Wirkung auf die Gesundheit.

Wer sich nach der Betthupferl-Schokolade nicht ordentlich die Zähne putzt, bekommt Karies, das lernt schon jedes Kind. Und wer jeden Tag gerne und viel der süßen Sünde schlemmt, findet wahrscheinlich schon bald kleine Fettröllchen auf seiner Hüfte. Doch Schokolade - oder besser gesagt der darin enthaltene Kakao - hat möglicherweise auch einen positiven Effekt auf den Blutdruck.

Kakaoschlürfer auf Karibik-Archipel: Bluthochdruck? Unbekannt!

Die ersten Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Kakao und dem Blutdruck entdeckten Forscher bei der Bevölkerung einer karibischen Inselgruppe vor der Küste Panamas: Bluthochdruck, der hierzulande eine Volkskrankheit ist, war den indigenen Bewohnern der Insel fremd. Unabhängig von ihrem Alter lag der Blutdruck des Völkchens im Normalbereich. Als mögliche Ursache machten die Wissenschaftler den Kakao-Konsum der Inselbewohner aus.

Mit dem Getränk konsumierten die Indios täglich eine relativ große Menge Flavanole - die sekundären Pflanzenstoffe sind in Kakao und je nach Verarbeitung auch in Kakaoprodukten enthalten. Studien weisen darauf hin, dass die Stoffe im Körper die Bildung von Stickoxiden steigern können. Diese wiederum bringen die Blutgefäße dazu, sich zu entspannen und weiter zu öffnen. So können Flavanole - zumindest in der Theorie - den Blutdruck senken.

Für die Aussage "Kakao hilft gegen Bluthochdruck" reichten die Karibik-Erkenntnisse alleine dennoch nicht aus. Zwar wäre ein Zusammenhang zwischen dem Blutdruck und dem Kakao erklärbar. Genauso gut könnten aber auch andere Gewohnheiten der Inselbewohner hinter den gesunden Werten stecken und den Blutdruck beeinflussen - auszuschließen ist das zumindest nicht. In den letzten Jahren fanden Forscher jedoch immer wieder Hinweise darauf, dass Schokolade sogar das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eine Folge von Bluthochdruck, verringern kann.

Kakaountersuchungen mit mehr als 800 Teilnehmern

Nun hat sich die internationale Cochrane Collaboration dem Thema angenommen, ein Netzwerk aus unabhängigen Wissenschaftlern: Für ihre Arbeit durchsuchten die Autoren um Karin Ried vom National Institute of Integrative Medicine in Melbourne medizinische Datenbanken nach Studien, die mit einer Kontrollgruppe den Einfluss von Kakao auf den Blutdruck untersucht haben. Dabei stießen sie auf 20 Arbeiten mit insgesamt 856 großteils gesunden Teilnehmern. Etwa die Hälfte der Teilnehmer hatte täglich Kakaoprodukte konsumiert, die im Schnitt 545,5 Milligramm Flavanol enthielten - manche aßen mehr als 100 Gramm Bitterschokolade und Co. am Tag. Die andere Hälfte hatte zur Kontrolle entweder Produkte ohne Flavanol oder mit nur geringen Mengen des Kakao-Inhaltsstoffes verzehrt.

Die Auswertungen der Daten zeigen, dass Kakaoprodukte offenbar tatsächlich den Blutdruck beeinflussen können. Innerhalb der zwei bis 18 Wochen langen Untersuchungen sank der Blutdruck der Flavanol-Teilnehmer um durchschnittlich 2 bis 3 mmHg. Zum Vergleich: Ein normaler Blutdruckwert beträgt 120/80 mmHg. Der Effekt war damit zwar klein, aber statistisch signifikant. Dennoch reicht auch diese Übersichtsarbeit nicht aus, um der Schokolade endgültig einen anhaltenden und gesundheitsfördernden Aspekt zu attestieren: "Wir brauchen noch Langzeitstudien, die auch den Einfluss auf das Risiko von Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersuchen, bevor wir etwas über den klinischen Nutzen und die potentiellen Nebenwirkungen bei einem langfristigen Konsum sagen können", erklärt Ried.

Allerdings klagten bislang nur wenige Probanden über Nebenwirkungen: In den Flavanol-Gruppen litt durchschnittlich einer von 20 Teilnehmern unter Magen- oder Verdauungsproblemen - oder ihnen schmeckten die Produkte schlicht nicht. In der anderen Gruppe beschwerte sich einer von hundert.

Fazit: Wem Bitterschokolade und Kakao nicht auf den Magen schlagen, der kann sie in Maßen weiter genießen. Und vielleicht tut er dabei sogar noch etwas Gutes für sein Herz und seinen Kreislauf.

Bluthochdruck
Was bedeuten die Blutdruckwerte?
Wird der Blutdruck gemessen, geben Ärzte den Wert zum Beispiel als 120/80mmHg an, gesprochen "120 zu 80". Dahinter verbergen sich mehrere Informationen über den Blutdruck.

Der höhere Wert ist der sogenannte systolische Blutdruck. Die Systole ist der Pumpvorgang im Herzen, bei dem sich die Herzkammern zusammenziehen und das Blut in die Schlagadern drücken. Der systolische Wert gibt den Druck an, der während dieses Moments gemessen wird.

Der niedrigere Wert ist der diastolische Blutdruck. In der Diastole erschlaffen die Herzkammern und füllen sich mit Blut. Der diastolische Wert gibt den Druck an, der während dieses Zeitraumes besteht.

Messbar wird der Druck mithilfe des Stethoskops, eines Hörrohrs, dessen Membran über einer Schlagader (Arterie) auf die Haut gelegt wird. Treten beim Ablassen des Drucks aus der Blutdruckmanschette die ersten Geräusche auf, ist der systolische Druck erreicht, verschwinden die Geräusche wieder, zeigt das den diastolischen Wert an.

Die Einheit des Blutdrucks ist Millimeter Quecksilbersäule, abgekürzt mmHg nach dem chemischen Zeichen für Quecksilber (Hg).
Wann ist der Druck zu hoch?
Nach den neuen europäischen Leitlinien ist der Blutdruck bis zu Werten von 140/90mmHg normal. Sind die Werte niedriger, ist alles in Ordnung. Bislang galten Werte bis 130/85mmHg als normal.

Ab Werten von über 140/90mmHg sprechen Ärzte von Bluthochdruck (Hypertonie). Auch die wird noch einmal unterteilt in eine leichte Hypertonie (bis 160/90mmHg), eine mittelschwere (bis 180/110mmHg) und eine schwere Hypertonie bei noch höheren Werten.

Besonders bei älteren Menschen gibt es die isolierte systolische Hypertonie, bei der nur der obere Blutdruckwert über 140mmHg liegt, während der untere niedriger als 90mmHg bleibt.
Wie wird Bluthochdruck festgestellt?
Um von einem Arzt die Diagnose Hypertonie zu bekommen, reicht eine einmalige Blutdruckmessung nicht aus. Fallen einmal zu hohe Werte auf, muss immer wieder gemessen werden, mindestens dreimal und an mindestens zwei verschiedenen Tagen. Das soll Ausreißer berücksichtigen, die zum Beispiel vorkommen, wenn man aufgeregt ist.
Welche Folgen drohen?
Der Bluthochdruck bereitet dem Patienten jahrelang überhaupt keine Beschwerden. Tortzdem werden verschiedene Organe geschädigt. Betroffen sind vor allem Herz und Gehirn, es drohen Herzinfarkt und Schlaganfall.
Wie wird Bluthochdruck behandelt?
Zunächst wird der Arzt versuchen, gemeinsam mit dem Patienten Wege zu finden, wie im Alltag der Blutdruck beeinflusst werden kann. Das heißt zum Beispiel, etwas abzunehmen, sich ausgewogener zu ernähren, mit dem Rauchen aufzuhören und Sport zu machen.

Reicht das nicht oder leidet der Patient unter schwerem Bluthochdruck, verschreibt der Arzt Medikamente. Ein Mittel alleine reicht dabei häufig nicht aus, mehrere Wirkstoffe kombiniert wirken bei vielen Patienten besser. Und die meisten Patienten müssen ihre Tabletten lebenslang nehmen, weil der Blutdruck sonst wieder steigt.

Quelle: Deutsche Hochdruckliga e. V. Stand: Leitlinien 2008, Update 2011, Blutdruckgrenze 2013.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Haha!
Ernst49 15.08.2012
Das kann nicht stimmen: bei den Mengen, die ich an Schokolade esse, hätte ich keinen messbaren Blutdruck mehr. Leider habe ich einen erhöhten Blutdruck. Schade.
2. optional
WolArn 15.08.2012
Mir geht es erst richtig gut, seit dem ich gar keine Schokolade mehr esse, und das schon seit ca. 7 Jahren. :D
3. Oha
feuercaro1 15.08.2012
Nun erklärt sich mein (zu) niedriger Blutdruck. Nebenbei: höchst ungerecht ist, dass es für zu hohen Blutdruck eine Unzahl von Therapien gibt - zu niedriger Blutdruck jedoch nicht als Krankheit anerkannt ist. Die Folgen zu niedrigen Blutdruckes (Stürze wegen Schwindels zum Beispiel), werden als eigene Diagnosen gestellt und leider oft nicht im Zusammenhang dargestellt. Wahrscheinlich kümmert sich deshalb kaum jemand darum.
4. Tja, lieber Ernst...
fear_less 15.08.2012
Zitat von Ernst49Das kann nicht stimmen: bei den Mengen, die ich an Schokolade esse, hätte ich keinen messbaren Blutdruck mehr. Leider habe ich einen erhöhten Blutdruck. Schade.
Der erhöhte Blutdruck ist bestimmt ausgelöst durch das Übergewicht, das man vom vielen Schokolade-Essen bekommt. ;)
5. Klein, aber ...
Tiananmen 15.08.2012
Zitat von sysopCorbisSchokolade ist lecker, macht zufrieden und in großen Mengen leider auch dick. Aber kann sie noch mehr? Immer wieder gehen Wissenschaftler Hinweisen nach, dass ein Inhaltsstoff des Kakaos den Blutdruck senken kann. Nun haben Forscher die Ergebnisse zusammengefasst. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,850135,00.html
*angeblich signifikant. Und medizinisch garantiert völlig bedeutungslos.* Eine Abweichung von 1,5 bis 2 Prozent gibt das Messverfahren nun mal nicht her. Ob Ihr Arzt (bzw. die gestreßte Arzthelferin) einen Blutdruck von 123 mm Hg mißt oder von 117 ist ihm/ihr völlig egal. Aufgeschrieben wird 120. Die Signifikanzprüfung aus der Studie möchte ich mal sehen. Liebe Redateurin...
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Zur Autorin
  • Iris Carstensen
    Irene Berres, studierte Wissenschaftsjournalistin, hat sich auf Themen rund um den Körper spezialisiert. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

Fotostrecke
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Die wichtigsten Nährstoffe
Kohlenhydrate
Kohlenhydrate machen den Großteil unserer Nahrung aus, sie bestehen aus einzelnen oder miteinander verknüpften Zuckermolekülen. Der Körper nutzt sie als schnelle Energiequelle, das Gehirn etwa greift fast ausschließlich auf Kohlenhydrate zurück. Je komplexer ein Kohlenhydrat aufgebaut ist, desto länger braucht der Körper, um es abzubauen. Die Zuckerbausteine gelangen dadurch langsamer ins Blut. Vollkornmehl etwa basiert auf komplexen Kohlenhydraten, Weißmehl hingegen enthält einfachere Kohlenhydrate.
Fette
Fett ist der energiereichste Nährstoff - es liefert etwa doppelt so viel Kalorien wie Kohlenhydrate oder Eiweiße. Dennoch sättigt es schlechter, viele Deutsche essen zu viel Fett. Der Nährstoff hat aber auch sein Gutes: Er transportiert viele wichtige Vitamine und kann essentielle Fettsäuren enthalten, die den Aufbau von Zellmembranen und die Bildung von Hormonen fördern. Ungesättigte Fettsäuren sind grundsätzlich gesünder, sie sind hauptsächlich in pflanzlichen Ölen und Fisch enthalten. Gesättigte Fettsäuren (vor allem in tierischen Produkten) sollten eher gemieden werden, da sie den Cholesterinspiegel erhöhen.
Eiweiße
Eiweiße sind ein wichtiger Baustein des Körpers. Der Mensch braucht sie, um Zellen, Muskelfasern, Organe, Hormone oder Blut herzustellen. Dafür zerlegt er Eiweiße (auch Proteine genannt) aus der Nahrung zuerst in ihre Bestandteile, die Aminosäuren. Aus ihnen setzt er anschließend neue Proteine zusammen. Zwölf der 20 Aminosäuren kann der Körper selbst produzieren, acht Stück erhält er ausschließlich über die Nahrung. Eiweiße sollten daher rund 15 Prozent des Kalorienbedarfs decken. Zu den proteinreichen Nahrungsmitteln zählen Fleisch, Fisch, Milch und Milchprodukte, aber auch Getreide, Kartoffeln, Nüsse und Hülsenfrüchte.
Mineralstoffe
Mineralien sind wichtige Bausteine und Regelstoffe. Der Körper braucht von ihnen nur winzige Mengen, trotzdem spielen sie bei Stoffwechselvorgängen, der Blutbildung und etwa dem Knochenwachstum eine wichtige Rolle. Experten unterscheiden zwischen Mengenmineralstoffen (unter anderem Natrium und Kalzium), von denen der Körper einige hundert Milligramm pro Tag benötigt und Spurenelementen (unter anderem Eisen und Zink), bei denen schon einige Milligramm pro Tag ausreichen. Menschen können Mineralstoffe nicht selbst herstellen, eine ausgewogene Ernährung deckt den Bedarf jedoch in der Regel ab.
Vitamine
Vitamine ermöglichen viele Stoffwechselfunktionen, helfen beim Aufbau von Zellen und unterstützen das Immunsystem. Auch sie sind für den Körper essentiell: Er braucht sie, kann sie aber zum Großteil nicht selbst herstellen, sondern muss sie über die Nahrung aufnehmen. Mit viel Obst und Gemüse, aber auch Milch, Fleisch und Vollkornprodukten auf dem Speiseplan lässt sich der Bedarf des Körpers gut decken - Vitamintabletten sind in der Regel überflüssig. Um Vitamin D aktivieren zu können, braucht der Körper auch Sonnenlicht, weshalb auch Spaziergänge oder Sport im Freien den Vitaminhaushalt unterstützen.
Sekundäre Pflanzenstoffe
Sekundäre Pflanzenstoffe besitzen häufig eine bestimmte Aufgabe in den Pflanzen, sie regulieren das Wachstum, wehren Schädlinge ab oder locken als Farb- und Duftstoffe Bienen und andere Bestäuber an. Wissenschaftler schätzen, dass etwa 60.000 bis 100.000 verschiedene Sekundäre Pflanzenstoffe existieren, bisher sind jedoch erst wenige von ihnen genauer erforscht. Klar ist jedoch, dass manche der Stoffe gesund sind und zum Beispiel den Cholesterinspiegel senken können.
Ballaststoffe
Ballaststoffe sind eine Klasse der Kohlenhydrate: Obwohl sie nicht süß sind, bestehen sie aus langen Zuckerketten. Der Körper kann Ballaststoffe nicht verwerten, sie passieren unzersetzt den Magen-Darm-Trakt. Dennoch sind sie extrem wichtig: Ballaststoffe füllen den Magen und wirken dadurch sättigend, sie regeln die Verdauung und lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen. Es gibt Hinweise, dass sie vor einer Reihe von Krankheiten schützen können, darunter Diabetes und Arteriosklerose. Ballaststoffe bestehen aus den Stützsubstanzen von Pflanzen und sind in großen Mengen in Äpfeln, Birnen, Kartoffeln, Brokkoli und Trockenobst enthalten. Tierische Nahrungsmittel sind praktisch ballaststofffrei.

Cochrane Review
Metaanalyse
Cochrane Reviews sind aufwendige, systematische und standardisierte Übersichtsarbeiten (Metaanalysen), die das verfügbare Wissen aus wichtigen Studien zu einem medizinischen Thema sammeln und bewerten. Weltweit gibt es 52 Cochrane Review-Gruppen, deren Autoren aus unterschiedlichen Fachrichtungen kommen. Die Autoren der Reviews sind nicht nur Mediziner, sondern etwa auch Statistiker oder Epidemiologen, außerdem Rechercheure. Cochrane Reviews zeichnen sich durch eine besonders ausführliche Suche nach der verfügbaren Literatur zu einem Thema aus.
Fragestellung
Ein Cochrane Review untersucht immer eine konkrete Frage, zum Beispiel: "Kann man Harnwegsinfekte durch Cranberry-Saft verhindern?" Alle Cochrane Reviews sind ähnlich aufgebaut, die Kernaussage wird immer leicht verständlich zusammengefasst.
Cochrane Collaboration
Die Cochrane Collaboration ist eine gemeinnützige Organisation, die medizinisches Wissen verfügbar machen soll. Ihren Namen hat sie vom britischen Epidemiologen Sir Achibald Leman Cochrane, einem der Begründer der evidenzbasierten Medizin (EbM).
Evidenzbasierte Medizin
Die evidenzbasierte Medizin (EbM) fordert, jede Entscheidung für oder gegen eine Behandlung eines Patienten immer auf Grundlage empirisch gewonnener Erkenntnisse zu fällen. Das heißt, es sollen nur nachgewiesenermaßen wirksame Verfahren angewandt werden.
Kritik an der Cochrane Collaboration
Im Februar 2013 äußerten Wissenschaftler und Aktivisten Kritik an der Cochrane Collaboration, weil an einer Metaanalyse über den Nutzen der Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) Forscher mitarbeiten, die bereits an den Zulassungsstudien der Impfstoffe beteiligt waren.

Kritiker der Cochrane Collaboration werfen ihr vor, nicht ausreichend gegen die Einflussnahme der Pharmaindustrie gesichert zu sein. Verteidiger führen an, dass nur eine öffentliche Finanzierung der Cochrane Collaboration die Unabhängigkeit der Arbeit garantieren könne.