Kater nach Silvester Darum geht es uns an Neujahr mies

Seit Tausenden Jahren trinken Menschen Alkohol. Trotzdem gibt es kaum gesicherte Erkenntnisse dazu, was den Kater auslöst. Ein paar Hinweise können dennoch gegen das unangenehme Erwachen helfen.

Der Tag danach: Wasser trinken gilt als hilfreich gegen Kater
Corbis

Der Tag danach: Wasser trinken gilt als hilfreich gegen Kater


Schon im Alten Testament heißt es: "Weh euch, die ihr schon früh am Morgen hinter dem Bier her seid und sitzen bleibt bis spät in die Nacht, wenn euch der Wein erhitzt. (Buch Jesaja 5,11)" Alkohol gehört seit Jahrtausenden zur Kultur des Menschen, der erste Met wurde wahrscheinlich vor rund 10.000 Jahren gebraut. Mit dem Genuss zog auch der Kater ins menschliche Leben ein.

Obwohl fast jeder den dröhnenden Kopf kennt, haben Wissenschaftler die Beschwerden nach einer durchzechten Nacht bislang kaum erforscht. Medizinische Studien beschränkten sich stattdessen lange auf die Auswirkungen des akuten Rauschs und die Langzeitfolgen von Alkoholmissbrauch. Erst im Jahr des Milleniumkaters präsentierten Jeffrey Wiese, heute Medizinprofessor in New Orleans, und Kollegen eine Definition. In ihrer Veröffentlichung "The Alcohol Hangover" beschrieben sie den Kater als Anwesenheit von mindestens zwei der folgenden Symptome - vorausgesetzt, der Betroffene hat zuvor Alkohol konsumiert und sein Körper diesen schon wieder vollständig abgebaut: Kopfschmerzen, schlechter Allgemeinzustand, Durchfall, Appetitlosigkeit, Zittern, Müdigkeit und Übelkeit. Die Symptome müssen so schwer sein, dass man seinen täglichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten kaum nachkommen kann.

Der Schlaf leidet

So unterschiedlich wie die Symptome sind die möglichen Ursachen des Katers. Einige Forscher vertreten die Theorie, dass die Beschwerden vor allem dadurch entstehen, dass Alkohol die Schlafqualität verschlechtert. "Wir können messen, dass der Schlaf schlechter wird, selbst wenn man nur ein bis zwei Gläser alkoholhaltiger Getränke zu sich genommen hat", sagt Göran Hajak, Schlafforscher und Professor in Bamberg. "Die REM-Schlafphasen werden weniger, Katersymptome sind zum großen Teil darauf zurückzuführen."

Alkohol und der Wasserentzug
    "Trink nicht nur Alkohol, sondern immer wieder ein Glas Wasser", lautet ein gängiger Tipp, um einen Kater zu vermeiden. Tatsächlich entzieht Alkohol dem Körper Flüssigkeit. 50 Gramm Alkohol gelöst in 250 Milliliter Wasser (etwa ein großer Longdrink) führen zu einer Ausscheidung von 600 bis 1000 Millilitern Urin. Durch den Flüssigkeitsverlust können Elektrolyt-Konzentrationen ins Ungleichgewicht geraten. Wie stark dieser Flüssigkeitsverlust zum Kater beiträgt, ist allerdings fraglich.

Renske Penning und Kollegen von der Universität Utrecht kommen in einem Übersichtsartikel aus dem Jahr 2010 zum Schluss, dass der Grad der Dehydration nicht mit der Stärke des Katers zusammenhängt. Wer bei einem Kater viel Wasser trinkt, kann demnach zwar etwas gegen die Folgen der Dehydrierung tun, zu denen Durst und leichte Kopfschmerzen gehören. Ein Wundermittel gegen den Kater ist das Wassertrinken aber wahrscheinlich nicht.
Auch die Biochemie hat einen Einfluss. Alkohol, korrekt gesagt Ethanol, wird in der Leber zunächst zu Acetaldehyd umgewandelt. Dieses erste Abbauprodukt soll eine Kater-Wirkung haben. Das erscheint wissenschaftlich gesichert: Viele Menschen mit ostasiatischer Abstammung haben zwei Genvarianten, die dazu führen, dass sich Acetaldehyd in ihrem Körper ansammelt und sie Alkohol schlechter vertragen.

Die erste Genvariante bewirkt, dass die Betroffenen Alkohol sehr viel schneller in Acetaldehyd umwandeln als die meisten Mitteleuropäer. Sie spüren oft nicht mal ein positives Gefühl nach dem Genuss von Alkohol. Hinzu kommt häufig eine zweite Genvariante, durch die sie das Acetaldehyd langsamer abbauen. Die Substanz sammelt sich an und verursacht eine sogenannte Flush-Reaktion, bei der die Haut stark errötet. Den Betroffenen wird nach Alkoholkonsum zudem häufig übel und es geht ihnen schlecht - zwei der Katerkriterien.

Zu der Erklärung, dass Acetaldehyd maßgeblich für den Kater ist, passt auch, dass Menschen einen stärkeren Kater verspüren, wenn sie zusätzlich geraucht haben. Zigarettenrauch enthält große Mengen Acetaldehyd. Wer nicht raucht, schützt sich also auch in dieser Hinsicht.

Fusel macht es schlimmer

Einige Studien weisen darauf hin, dass Fuselalkohole zum Kater beitragen. Dabei handelt es sich um Stoffe wie Methanol oder langkettige Alkohole, die bei der Gärung als Begleitsubstanzen in geringen Mengen entstehen. Dies passiert in deutlich größeren Konzentrationen bei der Herstellung von farbigen als von farblosen Alkoholika - Whiskey enthält bis zu 37-mal mehr Fuselalkohole als Wodka und es gibt Hinweise darauf, dass er einen stärkeren Kater verursacht.

Bleibt die Frage, warum Frauen schneller einen Kater bekommen als Männer. "Das liegt am höheren Körperfettanteil", erklärt Manfred Singer, Professor für Innere Medizin und Gründer der Stiftung Biomedizinische Alkoholforschung. "Alkohol löst sich besser in Wasser als in Fett - deshalb bleibt bei Frauen bei einer gleichen Menge getrunkenem Alkohol mehr davon im Blut, während er sich bei Männern im Gewebe verteilt." Vergleiche man dagegen nicht die Anzahl der Drinks, sondern die Blutalkoholmenge zwischen Männern und Frauen, unterschieden sie sich die Geschlechter nicht hinsichtlich ihrer Kater-Anfälligkeit.

Der Wassergehalt des Körpers ist auch der Grund, warum sich die Katersymptome mit dem Alter verstärken. "Ein 20-jähriger Mensch hat einen höheren Anteil an Wasser im Körper", sagt Singer. "Deshalb verteilt sich der Alkohol besser im Körper und der Blutalkoholspiegel pro getrunkener Menge Alkohol ist niedriger als beim älteren Menschen." Am Ende helfe in jedem Alter jedoch nur eines gegen den Kater: möglichst wenig zu trinken.

Bowle trinken ohne Kopfschmerz - Rezept vom Experten
  • REUTERS

    2 Flaschen Riesling Qualitätswein

    1 Flasche alkoholfreier Sekt

    200 g Himbeeren

    150 ml Himbeerlikör oder Himbeersirup

  • Um es vorweg zu sagen: Der Alkohol in der Bowle ist die größte Gefahr für Kopfschmerzen am nächsten Morgen. Sie werden verursacht vom Acetaldehyd, einem Abbauprodukt des Alkohols. Dagegen hilft nur: maßvoll trinken. Allerdings gibt es weitere Stoffe, die Kopfschmerzen auslösen können, zum Beispiel biogene Amine. Sie entstehen, wenn bestimmte Milchsäurebakterien im Wein aktiv waren. In Weißweinen generell, insbesondere in solchen aus Rebsorten mit mehr Säure wie dem Riesling - können sie nicht leben.

  • Deshalb ist es besser, für die Bowle einen Riesling als etwa einen Müller-Thurgau oder einem spanischen Weißwein zu verwenden. Säurebetonte Weine enthalten auch weniger Fuselöle, ebenfalls Verursacher von Kopfschmerzen. Um Süße in die Bowle zu bekommen, empfehle ich etwas Himbeer- oder Kirschlikör und Obst, für die Spritzigkeit einen alkoholfreien Sekt. Auch der moderate Alkoholgehhalt zwischen sechs und acht Prozent wirkt dem Kopfweh entgegen. Von Spirituosen in der Bowle rate ich grundsätzlich ab, weil sie die Gefahr von Kopfschmerzen am nächsten Tag erhöhen. Wer sich gar nicht davon abhalten lässt, sollte einen guten Wodka nehmen. Der enthält keine Fuselöle oder Amine.

Der Autor: Ulrich Fischer ist Professor für Oenologie (Weinwissenschaft) am Weincampus in Neustadt an der Weinstraße und am Fachbereich Chemie der Universität Kaiserslautern.

insgesamt 34 Beiträge
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fatherted98 30.12.2014
1. hmm...
...vielleicht ist es noch auf Molekularer Ebene nicht ganz geklärt. Was man gegen den Kater tun kann...einfach nicht so viel oder gar nichts trinken (Alkohol)....ist doch auch an Sylvester nicht so schwer...oder?
Butenkieler 30.12.2014
2. Kater?
Kenne ich nicht. Habe noch nie einen gehabt. Bin jetzt 64 und habe gesündigt. Aber noch ohne Folgen. toi toi toi
doomsdaydevice 30.12.2014
3. Tjaja, das Volk straft sich selbst
für seine Unfähigkeit, Drogen anhand rationaler Kriterien zu bewerten. Anstatt mit überschaubarem Risiko richtig Spass zu haben, vergiftet man sich sich flächendeckend mit einer der übelsten Substanzen! Vater Staat dankt für die Steuern & die angenehmen Nebeneffekte! Denn wer sich sediert, der denkt nicht. Das hilft beim Machterhalt ^_^
ronmartin 30.12.2014
4. Öffentliche Drogenbratung?
Super, wie hier in aller Öffentlichkeit Drogen verharmlost und institutionalisiert werden. "Seit Jahrtausenden gehört Alkohol zur menschlichen Kultur" Keine Rede davon, daß es auch seit jahrtausenden Menschen gibt, die eben keinen Alkohol trinken und daß Alkohol einfach Mist ist!!! Mit Kultur hat das rein gar nichts zu tun! Alkoholkonsum ist ein Akt der Dummheit!
stauss4 30.12.2014
5. Quatsch
Es gibt auch noch Menschen in Deutschland, die sich nicht die Birne jeden Tag wegsaufen. Induktive Schlussfolgerungen aus den Reaktionsbüros sind nicht die gesellschaftliche Wirklichkeit.
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