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Neue Studie: Wer mit Bus und Bahn pendelt, ist schlanker

Pendler hasten durch den Frankfurter Hauptbahnhof: Öffentliche Verkehrsmittel bringen Bewegung in den Alltag Zur Großansicht
DPA

Pendler hasten durch den Frankfurter Hauptbahnhof: Öffentliche Verkehrsmittel bringen Bewegung in den Alltag

Ein Spaß ist das nicht, die Pendelei zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber: Wer Bus und Bahn fährt, bringt Bewegung in seinen Alltag - und senkt wahrscheinlich das Risiko für Übergewicht.

Pendler kennen das: Die Anschlussbahn steht schon auf dem Gleis gegenüber, die Tür piept. Also hechtet man aus dem Zug, macht zwei Sprünge über die Plattform, einen dritten in die Bahn - geschafft. Der unfreiwillige Sprint am Morgen hat einen erfrischenden Nebeneffekt: Er treibt den Puls in die Höhe - und das ist gesund. Das meinen auch die Autoren einer aktuellen Studie im "British Medical Journal".

Laut der Untersuchung sind Menschen, die morgens mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit pendeln, schlanker als Menschen, die sich einfach ins Auto setzen und vor die Tür der Arbeit fahren. Dabei unterscheiden sich die Bus- und Bahnfahrer laut den Ergebnissen figürlich nicht von denjenigen, die morgens mit Rad oder zu Fuß zur Arbeit kommen.

Um den Zusammenhang zwischen der Art zu pendeln und den Kilos auf der Hüfte zu ergründen, analysierten die Forscher um Ellen Flint von der London School of Hygiene and Tropical Medicine die Daten von mehr als 7500 Briten. Bei allen hatte eine Krankenschwester den Body-Mass-Index (BMI) oder den Körperfettanteil erfasst, in den meisten Fällen auch beides. Die zwei Werte gelten als gute Maßeinheiten, um Übergewicht zu bestimmen.

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Männer etwa drei Kilo leichter, Frauen etwa 2,5

Erreichten Männer mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder zu Fuß die Arbeit, war ihr BMI im Schnitt etwa einen Punkt niedriger als der von Männern, die das Auto als Transportmittel nutzten. Dies entsprach für den Durchschnittsmann der Studie (43 Jahre alt, 1,76 Meter groß und 86 Kilo schwer) einem geringeren Gewicht von ungefähr drei Kilogramm. "Das Ausmaß der Effekte, das wir in unserer Studie beobachtet haben, war klinisch bedeutend", schreiben die Forscher.

Bei den Teilnehmerinnen kamen ihre statistischen Analysen zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach haben Frauen, die sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder aktiv zur Arbeit bewegen, einen durchschnittlich 0,7 Punkte geringeren BMI als Autofahrerinnen. Bei der Durchschnittsfrau unter den Teilnehmerinnen (43 Jahre alt, 1,63 Meter groß, 72,8 Kilogramm schwer) machte dies einem Unterschied von etwa 2,5 Kilogramm.

Auch bei der Untersuchung zum Körperfettanteil waren Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel im Schnitt schlanker als die Autofahrer. Die Ergebnisse beider Analysen blieben bestehen, als die Forscher den Einfluss weiterer Faktoren wie Alter, Ernährung und sportliche Aktivitäten auf das Gewicht herausrechneten.

Fünf Millionen Tote jährlich durch mangelnde Bewegung

Die Studie könne zwar nicht mit absoluter Sicherheit nachweisen, dass die Art der Fortbewegung zur besseren Figur geführt hatte und nicht etwas anders, räumen die Forscher ein. Trotzdem, so ihr Rat: Das Umsteigen vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel könnte eine Möglichkeit sein, den Kampf gegen Übergewicht anzugehen.

In Deutschland nutzten laut Statistischem Bundesamt 2012 nur 14 Prozent der Erwerbstätigen ein öffentliches Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit, 66 Prozent fuhren mit dem Auto. Nur 18 Prozent nahmen das Rad oder gingen zu Fuß und gehörten damit zu den aktiven Pendlern.

Zu wenig Bewegung gilt als die vierthäufigste Ursache für einen frühzeitigen Tod. Jährlich sterben mehr als fünf Millionen Menschen weltweit, weil sie in ihrem Alltag kaum einen Fuß vor den anderen setzen, errechneten Forscher der Harvard University 2012. Auf der anderen Seite belegt eine Reihe an Studien die positiven Effekte von Sport auf Psyche, Diabetes, Cholesterinspiegel und Bluthochdruck.

Wer aktiver werden und seinem Körper etwas Gutes tun möchte, muss auch nicht gleich alle Freizeitbeschäftigungen durch Sport ersetzen. Kürzlich hatte eine Studie gezeigt, dass schon fünf Minuten Joggen pro Tag das Herz schützen können - vielleicht gerade die fünf Minuten, die Pendler morgens zur Haltestelle rennen.

irb

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insgesamt 139 Beiträge
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    Seite 1    
1. xxx
kielerin78@icqmail.com 20.08.2014
warum lassen wir die leute Vollzeit stundenlang in einseitiger Körperhaltung im Büro sitzen wie einen Schleifaffen, wenn das so tödlich ist? Vollzeitarbeit in einseitiger Haltung ist Mord! Und Pendler, v.a. die mit Bus und Bahn haben oft umständlicherer und stressigere Reisewege - eine andere Studie kam mal zu dem Schluss, dass sie häufiger Infekte haben und psychische Krankheiten wie Burnout und Stresssymptome.
2. Nervt
Markenbox 20.08.2014
Dauernd wollen alle länger leben und abnehmen und sonst was. Wer pflegt uns denn, wenn wir zwar lebend, aber sabbernd im Pflegeheim sitzen? So viele Pflegekräfte gibt es doch gar nicht, geschweige denn, wer soll das denn bezahlen?
3.
Zaunsfeld 20.08.2014
Die meisten Menschen (inklusive mir) würden wohl gern zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit gelangen. Nur für viele geht das nicht. In größeren Städten mag das aufgrund gut ausgebauten Nahverkehrs und kurzer Wege möglich sein, aber schon in Kleinstädten oder gar in ländlicheren Regionen ist das so gut wie unmöglich, vor allem wenn man keine Beamtenarbeitszeiten hat (9 - 17 Uhr), sondern auch mal früher los muss oder später nach Hause kommt. Bei uns fährt abends der letzte Bus 18:30 Uhr. Meine Arbeitsstätte ist aufgrund familiärer Gegebenheiten fast 30km von meinem Wohnort entfernt. Ohne Auto hat man da keine Chance. Und tatsächlich. Ich merke es auch am Gewicht. Während ich als Student noch jeden Tag mit der Bahn gependelt bin und dann in meiner Studienstadt auch noch morgen 1,5 km vom bahnhof bis zur Uni und abends wieder zurückgelaufen bin, steige ich jetzt quasi vor der Haustür ins Auto und auf dem Parkplatz an der Arbeit wieder aus. Hab aufgrunddessen etwa 6 bis 7 kg zugenommen in den letzten 9 Monaten ...
4. Beobachtungsstudien...
mythreecents 20.08.2014
finde ich gut, weil ich meine eigenen Thesen zum Zusammenhang aufstellen kann. Ich denken, die armen Schweine haben einfach keine Zeit für ein ordentliches Frühstück. Oder sie haben einfach kein Geld, sich eines leisten zu können. Sehr wahrscheinlich sind Öffi-Benutzer einfach nur viel leidensfähiger. Wer mit Bus und Bahn fährt, muss einen eisernen Willen besitzen und hart gegen sich selbst sein. So einer steht auch vier Wochen Kohlsuppendiät mit Hot Yoga durch.
5. Och nicht schon...
Überfünfzig 20.08.2014
...wieder so eine Sinnlosstudie, wo dem gemeinen Couchpotato ökologisches Bewußtsein in Kombination mit einem längeren Leben verkauft werden soll. Sicherlich resultieren viele koronare Erkankungen aus einem Zuviel an Nahrung und ein Zuwenig an Bewegung, aber als Sportler und Nichtraucher hat es mich dieses Jahr per Infarkt trotzdem von den Füßen gehauen.
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