Sportausreden Heute hab ich keine Lust!

Manchmal fehlt einfach der Antrieb: Wenn der Schweinehund dem Läufer mal wieder ins Gesicht lacht, helfen nur neue Reize und frischer Wind im Training. Aber was machen Sporthasser?

Heute mal Pause: Training sollte abwechslungsreich sein
Corbis

Heute mal Pause: Training sollte abwechslungsreich sein


Wie viele Menschen kennen Sie, die überhaupt keinen Sport treiben? Also sich wirklich gar nicht bewegen? Und zwar nicht wegen einer Verletzung oder anderen gesundheitlichen Gründen, sondern einfach aus Lustlosigkeit. Menschen, die aktiv sagen: "Ich bin passiv. Ich habe keine Lust auf Sport. Nie." Finden Sie mehr als eine Handvoll?

Wer keinen Sport treibt, macht sich zum Außenseiter in einer Welt voller Fitnessgurus, Sixpacks und Dauerläufern. Zumindest, wenn man sich gegen alles Sportive wehrt. Wenn man schlicht und einfach keinen Bock hat auf Schwitzen und Auspowern.

Und selbst wenn viele Menschen so empfinden, geben sie es oft nicht zu und schieben andere Ausreden vor: Keine Zeit... Würde ja gerne, aber die Arbeit… Früher war ich mal joggen, aber seit die Kinder da sind...

Unsportliche Haltung statt Ausrede

Zunächst einmal: Wer keinen Sport treiben möchte, soll keinen machen. Punkt. Wer so gar keinen Spaß daran finden kann, durch den Wald zu joggen, im Fitnessstudio Hanteln zu stemmen oder einem Ball hinterherzulaufen, soll es bleiben lassen. Ohne schlechtes Gewissen. Unlust ist keine Ausrede, wenn es eine Haltung ist.

Aber auch für generell Sportwillige gilt: Disziplin ist eine tolle Sache, wenn man ein Ziel verfolgt, aber manchmal hat selbst der Strebsamste keinen Antrieb. Lassen Sie die Unlust zu. Zudem sind gut gewählte Sportauszeiten tatsächlich auch produktiv.

"Der Körper wird nicht besser im Training, sondern in der Pause", sagt Sportwissenschaftler Joachim Auer. "Wenn ich meinen Körper ständig fordere, kann er das zwar einige Zeit aushalten, aber ich gebe ihm keine Chance, sich anzupassen. Es ist dann so, als würde man ihm jedes Mal mit dem Hammer eins überziehen."

Es geht also um das richtige Maß. Wenn der Sportrhythmus zu routiniert abläuft, meldet sich irgendwann die Spaß- und Spielabteilung im Körper und ruft: "Laaangweilig." Gegen zu viel Leistungstunnelblick hilft nur eins: den Horizont erweitern. Die Routine durchbrechen, neue Reize suchen, eine Herausforderung finden, frischen Wind hereinlassen - nennen Sie es, wie Sie wollen. Das kann eine vollkommen neue Sport- oder Trainingsart sein oder eine künstlerische Tätigkeit wie Comic zeichnen, Schlagzeug lernen oder Theater spielen. Selbst scheinbar sinnlose Bewegungsformen wie Auf-Bäume-Klettern oder Über-Dinge-springen machen glücklicher, als man denkt. Abwechslung macht beweglich.

Guter Grund: Ich habe Spaß

Noch mal zur Erinnerung: Die Wikipedia-Definition von Hobby lautet: "Hobby ist eine Tätigkeit, die der Ausübende freiwillig und regelmäßig betreibt, die dem eigenen Lustgewinn oder der Entspannung dient."

Die Forschung hat herausgefunden: Motivation von außen hilft vor allem bei Dingen, die wir ungern machen, für die wir also keine innere Motivation haben.

Empfinden wir aber echte Freude, Erfüllung und Genugtuung an dem, was wir tun, brauchen wir auch keine äußeren Anreize. Dann tun wir es einfach. Und wir müssen es nicht begründen. Der innere Motor ist immer noch der beste Antrieb. Hören Sie auf Ihren inneren Hedonisten. Haben Sie Spaß an Ihrem Hobby.

Sport nach dem Spaßprinzip: "Laufen und Lust - in zehn Schritten zu mehr Spaß am Leben"

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Von Frank Joung

insgesamt 27 Beiträge
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bonngoldbaer 12.12.2014
1. Danke
Der schönste Tag meiner Schulzeit war der, an dem mich die Amtsärztin vom Sportunterricht befreit hat. Sie haben mir jetzt bestätigt, dass ich mit gutem Gewissen allem, was nach Sport aussieht, fernbleiben darf. Leider geht das nicht immer, weil das Thema in der Tagesschau den Platz vor der Wettervorhersage okkupiert.
rational_bleiben 12.12.2014
2.
Ich mache 4 mal die Woche Sport (netto sind das zusammen gerade mal 4 Stunden). Ich mache es nie gerne, keine Ahnung warum. Eigentlich hasse ich es. Insgesamt aber fühle ich mich besser, wenn ich es tue, der Gesundheit und Figur im Spiegel wegen ist es das Ganze wert. Ich habe gelernt, nach Lust und Laune funktioniert es nicht, sondern nur, wenn man wöchentliche Termine festlegt (z.B. Montag direkt nach der Arbeit u.ä.) (falls man nicht eh im Verein Sport macht). Diese Termine muss man mit eisenharter Disziplin wahrnehmen. Hat man mal keine Lust und möchte daher einen Termin mal ausfallen lassen, so lässt man es ganz. Einfach irgendwann die Woche hingehen, flexibel, wenn man Lust hat, funktioniert sowieso nicht. Solche Leute sagen dann, sie machten 1-2 mal die Woche Sport, würde man es protokollieren, wären es im Schnitt wohl eher so 0,5-1 mal. Das kann man gleich vergessen. Feste Termine, eisenhart einhalten, nur so funktionierts. ;-)
neunzehnnullzwei 12.12.2014
3. schade
bei mir funktioniert sport, vor allem wenn er Spaß macht und auch ohne immer harte Disziplin zu halten (und das nicht nur 0,5-1 mal pro Woche) schade dass es ihnen nicht gelingt
Morrison 12.12.2014
4.
Der Mensch an sich ist faul! Für Sport gilt daher: feste Termine setzen und diese eisern einhalten! Daraus entsteht ein automatismus und der Körper gewöhnt sich mit der Zeit daran. Phasen ohne Sport gibt es zwar immer mal wieder (bsp krankheit) ansonsten meldet der Körper bei fehlzeiten ein Gefühl des unwohlseins! Alles eine Frage der inneren Programmierung. Und die so erlernte und praktizierte disziplin hilft auch im alltags und berufsleben enorm.
Misantroph 13.12.2014
5. Ausreden für schwache Charaktere
Ich gehe vor der Universität um 6 Uhr morgens in die Eisenfabrik. Ausreden sind etwas für schwache Leute, es gibt immer einen Weg.
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