Kerosindämpfe durch Anzünder Wie Grillen auf der Landebahn

Grillen im Hamburger Stadtpark könnte so herrlich sein - wenn einem die Kerosindämpfe nicht den Appetit verderben würden. Gefährlich sind sie obendrein.

Freunde beim Grillen in Hamburg: Im Sommer ziehen häufig Nebelschwaden über Deutschlands Grillwiesen
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Freunde beim Grillen in Hamburg: Im Sommer ziehen häufig Nebelschwaden über Deutschlands Grillwiesen


Manchmal weiß ich in Hamburg nicht so recht, wo ich mich gerade befinde: auf der großen Stadtparkwiese oder auf dem Flughafen Fuhlsbüttel?

Am Anfang war das Feuer und am Ende der Rauch. Pünktlich zum Start der Grillsaison legt sich Grillnebel über Deutschlands Wiesen - vom Görlitzer Park in Kreuzberg, über den Hamburger Stadtpark bis hin zu den Isarauen Münchens. Überall dort riecht es nicht nur nach Kotelett und Kohlen, sondern vor allem nach Kerosin. Und das nur, weil Homo sapiens noch immer nicht gelernt hat, ein anständiges Feuer zu machen.

Meine Theorie: Grillen ist vor allem deswegen so beliebt, weil Männer dann endlich mal ungehemmt das tun dürfen, was ihnen Mama immer verboten hat: Kokeln. Ob das Grillfleisch am Ende nach Flugzeugturbine schmeckt, ist völlig nachrangig. Da stehen sie also, die 16- bis 46-Jährigen, vor ihren wackeligen 10-Euro-Grills von der Tanke, die sie bis obenhin mit Kohlen vollgekippt haben, und wundern sich, dass die einfach nicht angehen wollen - obwohl sie doch mindestens eine halbe Flasche Grillanzünder über den Haufen geschüttet haben.

Die Beherrschung des Feuers war es, die den Urmenschen endgültig zum Herrscher über den Planeten gemacht hat. Aber die Steinzeit ist lange her. Und so müssen geruchsempfindliche Menschen wie ich sich immer wieder darüber wundern, warum den Neo-Neandertalern bei dem Grillanzündergeruch nicht wie mir der Appetit vergeht.

Mal ganz abgesehen davon, dass bei den Verbrennungsprozessen ohnehin schon jede Menge krebserregender Stoffe entstehen. Kerosin-Rauch macht das Fleisch nicht unbedingt weniger krebserregend. Dabei wäre es doch eigentlich ganz einfach: Man könnte feste Holzanzünder nehmen. Aber Homo sapiens scheint eher der Einspritzer-Typ zu sein. Jedenfalls seine männliche Version.

Das Amateur-Gekokele ist obendrein gefährlich: Jeden Sommer treiben Grillunfälle die Unfallstatistiken in die Höhe, wie Bernd Hartmann vom Unfallkrankenhaus Berlin im SPIEGEL-ONLINE-Interview berichtet. Weil die Leute oft noch nicht mal vernünftige Grillanzünder-Flüssigkeit benutzen, sondern flüchtige Substanzen wie Benzin und Spiritus. Das verdampft so schön. Und wenn man dann das Streichholz dranhält, sind im besten Fall nur die Augenbrauen weg.

Am schlimmsten sind die Einmalgrills - bevorzugt gekauft von Student(inn)en. Dabei simulieren die den Grillprozess nur: Am Ende schlingt man ein halbrohes, halbverkohltes Stück kerosinmariniertes Fleisch herunter, womöglich noch mit unbekannten Viren drin.

Aber das ist nicht so schlimm, denn es ist doch so praktisch: Man macht sich die Hände nicht mehr schmutzig, man muss keine Kohlentüte schleppen und wenn man fertig ist, lässt man einfach alles stehen. Zum Glück sind die Einmalgriller in Hamburg mittlerweile verboten. Aber nicht aus Geruchsgründen, sondern weil sie so unschöne Brandflecken in den Rasen machen. Man will ja nicht, dass der Stadtpark irgendwann auch noch so aussieht wie die Landebahn in Fuhlsbüttel.

FEUER UND GRILLANZÜNDER - FRAGEN AN DEN EXPERTEN

insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
schmusel 21.05.2014
1. Tja, Grillen...
Grillen bringt wahrlich das dümmste im Menschen zum Vorschein. Abseits der Spielereien mit brennbaren Flüssigkeiten nervt mich aber vor allem der bestialische, nach ranzigem Gammelfleisch stinkende Geruch des Grillguts weil der Amateur vor dem Grill a) nicht weiss wie man die Ware richtig mariniert und b) glaubt, das Fett müsse Löffelweise ins Feuer (!!!) oder die Glut triefen, damits auch richtig qualmt und stinkt. Natürlich sind auch die Gas- und Elektrogriller in dieser Hinsicht nicht besser. Eher schlimmer, weil sie das Grillen zur täglichen Routine abwerten, statt es bei einem besonderen, maximal einmal die Woche praktizierten Genussritual zu belassen. Ich grille gerne, aber ich hasse gefühlt 99% der anderen die es tun.
Urbayer 21.05.2014
2. Grillen zuhause
Chemiefrei, billig und schnell? Zwei elektrische Geräte helfen. Ein Heimwerker hat meist zu Hause alle notwendigen Geräte. Nämlich eine Kabeltrommel, ein Heißluftgerät und klaut ggf. dem weiblichen Anhang einen Fön (der nur Kaltluft bläst). In fünf bis zehn Minuten hat man damit eine tolle Glut. Das Heißluftgerät bringt die Kohlen zum Glühen und der Fön sorgt für zusätzlichen Sauerstoff. Natürlich bleibt dabei die Romantik des Lagerfeuers auf der Strecke. Seit mehr als zehn Jahre haben bei mir Spiritus, chemische Anzünder oder sonstiges Zeugs Hausverbot. Außerdem schmeckt das Grillgut nicht nach "Chemie".
OskarVernon 21.05.2014
3.
Zitat von schmuselGrillen bringt wahrlich das dümmste im Menschen zum Vorschein. Abseits der Spielereien mit brennbaren Flüssigkeiten nervt mich aber vor allem der bestialische, nach ranzigem Gammelfleisch stinkende Geruch des Grillguts weil der Amateur vor dem Grill a) nicht weiss wie man die Ware richtig mariniert und b) glaubt, das Fett müsse Löffelweise ins Feuer (!!!) oder die Glut triefen, damits auch richtig qualmt und stinkt. Natürlich sind auch die Gas- und Elektrogriller in dieser Hinsicht nicht besser. Eher schlimmer, weil sie das Grillen zur täglichen Routine abwerten, statt es bei einem besonderen, maximal einmal die Woche praktizierten Genussritual zu belassen. Ich grille gerne, aber ich hasse gefühlt 99% der anderen die es tun.
Schrecklich aber auch, dass da tatsächlich Leute zu mögen wagen was Sie nicht abkönnen - hm...?
benmartin70 21.05.2014
4.
Zitat von schmuselGrillen bringt wahrlich das dümmste im Menschen zum Vorschein. Abseits der Spielereien mit brennbaren Flüssigkeiten nervt mich aber vor allem der bestialische, nach ranzigem Gammelfleisch stinkende Geruch des Grillguts weil der Amateur vor dem Grill a) nicht weiss wie man die Ware richtig mariniert und b) glaubt, das Fett müsse Löffelweise ins Feuer (!!!) oder die Glut triefen, damits auch richtig qualmt und stinkt. Natürlich sind auch die Gas- und Elektrogriller in dieser Hinsicht nicht besser. Eher schlimmer, weil sie das Grillen zur täglichen Routine abwerten, statt es bei einem besonderen, maximal einmal die Woche praktizierten Genussritual zu belassen. Ich grille gerne, aber ich hasse gefühlt 99% der anderen die es tun.
Ich dachte das Erstere schafft nur der Fussball? Ich hasse gefühlt 99% der Menschen die anderen den Spaß an etwas absprechen wollen.
angst+money 21.05.2014
5.
Zitat von schmuselGrillen bringt wahrlich das dümmste im Menschen zum Vorschein. Abseits der Spielereien mit brennbaren Flüssigkeiten nervt mich aber vor allem der bestialische, nach ranzigem Gammelfleisch stinkende Geruch des Grillguts weil der Amateur vor dem Grill a) nicht weiss wie man die Ware richtig mariniert und b) glaubt, das Fett müsse Löffelweise ins Feuer (!!!) oder die Glut triefen, damits auch richtig qualmt und stinkt. Natürlich sind auch die Gas- und Elektrogriller in dieser Hinsicht nicht besser. Eher schlimmer, weil sie das Grillen zur täglichen Routine abwerten, statt es bei einem besonderen, maximal einmal die Woche praktizierten Genussritual zu belassen. Ich grille gerne, aber ich hasse gefühlt 99% der anderen die es tun.
genau! wie jeder anständige Griller.
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