Körperliche Bewegung: Warum Sport so gesund ist

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Jogger auf einem Pier: "Sport ist oft die beste Medizin"

5. Teil: Stress lass nach - warum Bewegung das Gemüt aufhellt

Freizeitsportlerinnen: Auch chronisch Kranke profitieren von dem psychischen Effekt Zur Großansicht
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Freizeitsportlerinnen: Auch chronisch Kranke profitieren von dem psychischen Effekt

Von regelmäßigem Training profitieren selbst chronisch Kranke. Wurden Patienten noch vor kurzem gnadenlos stillgelegt, lässt man heutzutage sogar Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz regelmäßig, aber moderat Sport treiben. Neben einer verbesserten Belastbarkeit hellt sich bei den meisten Betroffenen auch das Gemüt spürbar auf.

Die stressabbauende Wirkung von Sport bei Krebserkrankungen zeigen gleich mehrere Studien der Kölner Sporthochschule an Patientinnen mit Brusttumoren sowie Lymphom- und Leukämiepatienten. Diese litten, bedingt durch die Chemotherapie oder Stammzelltransplantation, unter extremer Erschöpfung. Die Probanden mussten sich mehrere Wochen einem regelmäßigen Trainingsprogramm unterziehen. "Durch das Training besserte sich nicht nur der Allgemeinzustand erheblich", sagt Bloch. "Die Patienten wurden auch psychisch deutlich robuster."

Mit den neurobiologischen Zusammenhängen von Training, Stress und Spiritualität befasst sich der Neurowissenschaftler Stefan Schneider von der DSHS Köln. Die Stresswahrnehmung entsteht im vordersten Hirnareal, dem präfrontalen Kortex. Als entwicklungsgeschichtlich jüngster Teil des Gehirns verarbeitet der Vorderlappen permanent Milliarden von Informationen und filtert die relevanten Daten aus. Erst das ermöglicht rationales Handeln.

Das Problem: Wenn die Reize überhand nehmen, verstopfen sie den Vorderlappen - wie den Prozessor eines Rechners, auf dem zu viele Programme geöffnet sind. "Wir fühlen uns überfordert, geraten in Stress", erklärt Schneider. "Das archaische Reaktionsmuster ist Bewegung: Wir wollen weglaufen oder werden aggressiv - stattdessen kanalisieren wir den Stress nicht mehr, sondern fressen ihn in uns rein."

Im EEG konnte Schneider zeigen, dass sich die elektrische Aktivität im Frontalkortex durch Sport deutlich herabsetzen lässt. "Bei höheren Belastungen dominiert dagegen der Motorkortex, der die Bewegungen steuert", sagt Schneider. "Dem Vorderlappen stehen dadurch weniger Ressourcen zur Verfügung, und die Aktivität wird heruntergefahren. Der Stress verfliegt."

Auch die Bildung von Testosteron springt bei anstrengendem Training an. Das Sexualhormon wirkt sich direkt auf die Psyche aus: Männer etwa, deren Testosteronproduktion nach einer Krebserkrankung der Prostata geblockt werden muss, droht eine Depression. Leicht erhöhte Testosteronspiegel können dagegen zu einer eher forschen und zuversichtlichen Lebenseinstellung führen.

Schneider sieht einen klaren Zusammenhang zwischen dem zunehmenden Mangel an Bewegung und der steigenden Zahl psychischer Störungen. Knapp bringt es der Neurowissenschaftler auf den Punkt: "Nur wer sich körperlich verausgabt, der kann sich hinterher auch entspannen."

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Der Urmensch konnte fliegen - dank Faulheit?
jj.hansen 06.06.2012
Ist es tatsächlich wahr? "Im kargen Alltag des Urmenschen, der ständig Nahrung suchen, kämpfen oder fliegen musste, wäre Energieverschwendung ein tödlicher Luxus gewesen", sagt Mester.
2. Natürlich konnte der Urmensch fliegen
matthiasn 06.06.2012
Klar, durchs Fliegen sind doch sämtliche Muskeln fit geblieben. Leider hat uns die Evolution diese Fähigkeit wieder genommen ;-).
3.
Konstruktor 06.06.2012
Zitat von jj.hansenIst es tatsächlich wahr? "Im kargen Alltag des Urmenschen, der ständig Nahrung suchen, kämpfen oder fliegen musste, wäre Energieverschwendung ein tödlicher Luxus gewesen", sagt Mester.
Ja, fand ich auch lustig. Man lernt nie aus! ;-)
4. Hochinteressant
cor 06.06.2012
Hochinteressant! Danke für diesen Artikel!
5. sport ist nicht erlaubt.
donkzonk 06.06.2012
Zitat von sysopCorbisOb Schwimmen, Walken, Fahrradfahren oder Joggen: Wer sich bewegt, bleibt körperlich und geistig fit. Sie gähnen schon? Dann wissen Sie mit Sicherheit auch, warum Sport eigentlich so gesund ist. Hm, nicht wirklich? SPIEGEL ONLINE erklärt die wichtigsten Effekte von Sport auf Körper und Psyche. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/0,1518,818987,00.html
sagen sie mal ihrem chef ich bin krank und geh auf den berg. er wird sie an die personalabteilung verweisen. brauchen sie schuhe? dabei ist es hip einen marathon zu laufen. sie entdecken mitarbeiter die sie noch nie gesehen haben und kommen in radler hosen in die arbeit. büros sind voll ausgerüstet. da hängt neben dem kletter besteck auch schon mal eine yoga urkunde.
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