Tod eines 16-Jährigen Wie gefährlich ist Koffein?

In den USA ist ein gesunder Teenager gestorben, nachdem er in kurzer Zeit große Mengen Koffein trank. Wie gefährlich sind Kaffee und Energydrinks? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Energydrink-Dosen
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Energydrink-Dosen


Er hatte innerhalb von zwei Stunden eine große Flasche stark koffeinhaltige Zitronenlimonade, einen Caffè Latte und einen Energydrink getrunken: Ein 16-Jähriger ist South Carolina in seinem Klassenzimmer kollabiert und anschließend gestorben. Die Obduktion ergab, dass das Koffein bei dem ansonsten gesunden Jugendlichen zu Herz-Rhythmus-Störungen geführt hatte.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Gefahren der Alltagsdroge.

Wie häufig kommt es zu Todesfällen durch Koffein?

Es gibt tatsächlich immer wieder Todesfälle durch Koffein, angesichts des weit verbreiteten Konsums sind sie jedoch extrem selten. Betroffen sind im Unterschied zum aktuellen Fall meist Menschen, die an Vorerkrankungen wie einem unentdeckten Herzfehler leiden. In den meisten Fällen sind außerdem nicht Getränke, sondern konzentrierte Präparate wie Koffeintabletten oder -pulver der Grund.

Im Spätsommer 2010 etwa starb ein 23-jähriger Brite, nachdem er auf einer Party zwei Löffel konzentriertes Koffeinpulver eingenommen und mit einem Energydrink heruntergespült hatte. Im November 2006 starb ein 19 Jahre alter US-Schüler nach dem Schlucken von geschätzt zwei bis drei Gramm Koffein in Form von Wachhaltepillen.

In Deutschland ist kein Todesfall durch Koffein aus Lebensmitteln bekannt, der mit dem aktuellen Fall aus den USA vergleichbar ist. Es existieren jedoch Berichte von Todesfällen, bei denen ein Zusammenhang mit Energydrinks in Kombination mit Alkohol oder anstrengendem Sport vermutet wird.

Wer Sport treibt - darunter kann auch das Tanzen in der Disco fallen -, belastet sein Herz-Kreislauf-System, das kann die Nebenwirkungen des Koffeins verstärken. Im Zusammenhang mit Alkohol ist eher das Problem, dass das Koffein die Wirkung des Alkohols weniger spürbar macht - was zu übermäßigem Trinken verleiten kann.

Welche Dosis Koffein ist tödlich?

Damit sein Herz stehen bleibt, muss ein gesunder Erwachsener theoretisch mehr als 170 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht konsumieren, schreibt die US-Arzneimittelbehörde FDA. Bei einer 60 Kilo wiegenden Frau entspräche das rund 23 Litern Filterkaffee oder 32 Litern Red Bull. Eine Menge, die eigentlich unmöglich zu konsumieren ist.

Dass der Körper des ansonsten gesunden Jugendlichen so drastisch auf das Koffein reagierte, lag vor allem an der kurzen Zeit, in der er den Stoff konsumierte. Nach der großen Flasche koffeinhaltiger Zitronenlimonade und dem Caffè Latte habe der Energydrink schließlich die Herzrhythmusstörungen ausgelöst, erklärte der Gerichtsmediziner.

Wie viel Koffein ist unbedenklich?

Gesunde Erwachsene können über den Tag verteilt bis zu 400 Milligramm Koffein zu sich nehmen, sagt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa. Diese Menge Koffein steckt zum Beispiel

  • in rund fünf Tassen Filterkaffee oder Espresso - wobei der Koffeingehalt jedoch je nach Zubereitung stark schwanken kann,
  • in rund fünf Dosen Red Bull (je 250 ml) oder zweieinhalb Dosen Monster (je 500 ml)
  • oder in neun Tassen schwarzem Tee (je 200 ml).

Wer normalerweise kein Koffein konsumiert, wird schon bei geringeren Mengen Nebenwirkungen spüren.

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Aufputscher: So viel Koffein steckt in Lebensmitteln

Was passiert, wenn jemand diese Menge überschreitet?

Auch Konzentrationen, die weit unter der tödlichen Überdosis liegen, können unangenehme Folgen haben: Das Herz rast und schlägt unregelmäßig, man wird zittrig, nervös und ängstlich, fröstelt oder schwitzt. Manchmal kommen noch Übelkeit, Erbrechen und Schwindel dazu, selten und bei hohen Überdosen Krampfanfälle. Einschlafen ist über Stunden unmöglich.

Wie empfindlich jemand auf Koffein reagiert, ist individuell sehr unterschiedlich. Bei manchen beginnen die Nebenwirkungen schon nach einer Tasse starken Kaffees. In der Regel treten sie spätestens ab einem Gramm Koffein auf.

Kann man koffeinabhängig werden?

Ja, der Körper gewöhnt sich bei regelmäßigem Konsum an die Substanz. Trinken Betroffene weniger Kaffee und Cola, reagiert der Körper mit Entzugskopfschmerzen. Das Gute: Wer vom Kaffee loskommen will, muss sich nicht endlos plagen. Nach ein paar Tagen hat sich der Körper an die fehlende Droge gewöhnt und rebelliert nicht mehr.

Wer sollte seinen Koffeinkonsum einschränken oder sogar verzichten?

Schwangere sollten am Tag nicht mehr als 200 Milligramm Koffein konsumieren. In zu großer Menge bremst die Substanz das Wachstum des Ungeborenen. Auch Menschen mit Herzproblemen müssen beim Koffein vorsichtiger sein: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät Betroffenen, ganz auf Energydrinks zu verzichten. Auch bei Lebererkrankungen ist Vorsicht geboten. Ebenfalls als besonders empfindlich gelten ältere Menschen, Epileptiker und Kinder.

irb/pat/wbr



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