Kombucha zum Selbermachen: Ein Pilz, bitte!

Er soll bei der Entgiftung helfen und das Immunsystem stärken: Kombucha ist hip. Was kaum einer weiß: Das Modegetränk kann man auch selbst brauen. Dafür muss man nur ein außerirdisches Quallenwesen aufnehmen und es mit Tee und Zucker füttern. Jens Lubbadeh hat es ausprobiert.

Gegorener Pilz: Das Kombucha-Experiment Fotos
Corbis

Der blaue Planet gefiel ihm. Soooo viel Wasser. Herrlich. Und der ganze Zucker! Ja, hier gefiel es dem kleinen Pilz. Hier war es viel schöner als in seiner Heimat, dem Planeten Kombucha, weit weit entfernt im Sternbild Qualle.

Sie sind längst unter uns. Und wir verbreiten sie auch noch freiwillig weiter. Der Kombucha-Pilz ist nicht der einzige Außerirdische. Erinnern Sie sich noch an Hermann, den Teig? Er landete in den siebziger Jahren auf unserem Planeten und machte Frauen mit einem einfachen Trick zu seinen Wirten: Er gestattete ihnen, Teile von ihm zu einem Kuchen zu backen. Bereitwillig trugen sie ihn dafür von Kommune zu Kommune und verschickten ihn per Kettenbrief. Im linken Milieu fühlte Hermann sich wohl. Trotz der Erfolge der Linkspartei ist er heute ein wenig in Vergessenheit geraten. Irgendwo in kleinen Tupperdosen in Freiburg-Vauban oder im Französischen Viertel Tübingens schlummert er bestimmt vor sich hin und wartet auf sein Comeback.

Der Kombucha ist nicht ganz so altbacken wie Hermann. Er pflanzt sich über Ebay fort. Und diesmal sind es nicht nur die Weibchen von Homo sapiens, die sich dem quallenförmigen Geschöpf andienen. Ganz dem grünen Lifestyle entsprechend, hat sich Kombucha ein Image aufgebaut, besonders gesund zu sein. Wissenschaftlich ist das nicht belegt, trotzdem ist der Quallenpilz bei jungen gesundheitsbewussten Menschen mit grünem Gemüt beliebt: den Lohas (Lifestyle of Health and Sustainabilty).

So einer bin ich auch. Drei, zwei, eins und der Kombucha ist meins. Ein paar Tage später flattert ein braunes Päckchen ins Haus. Darin schwimmt, gut eingeschweißt in ein wenig Flüssigkeit, eine kleine Qualle.

Sieben Tage warten

Sorgsam lese ich die beiliegende Anleitung: Der Quallenpilz ist wählerisch. Er braucht Zucker, viel Zucker. Gut, das war bei den Außerirdischen in "Men in Black" ja ähnlich. Aber was mich erstaunt: Er schwimmt am liebsten in schwarzem Tee. Starkem schwarzen Tee, mindestens 15 Minuten lang gezogen. Und er braucht Platz. Gar nicht so einfach, für ihn einen passenden Bioreaktor zu finden.

Ich schubse die Qualle in die süße, schwarze Plörre und decke das Glas mit einem Küchentuch ab. Dann stelle ich den Reaktor an einen dunklen, ruhigen Ort. Jetzt heißt es Warten. Sieben Tage mindestens muss der Quallenpilz vor sich hin brauen, um den begehrten Kombucha zu produzieren.

Eine Woche ist vorbei. O'zapft is! Ich schalte das Licht in meinem kleinen Hofbräukeller an. Doch der Anblick verschlägt mir die Sprache: Der Bioreaktor ist verkrustet, auf seiner Oberfläche schwimmt eine dunkle, heterogene Masse. Überall ziehen schwarzbraune Fäden aus dem Pilz durch den Reaktor. Das Ganze erinnert stark an "Alien II", als Ripley in die Bruthöhle der Alien-Königin eindrang.

Das soll ich trinken? Vor meinem geistigen Auge entstehen Bilder, wie langsam schwarze Fäden aus meinem Körper wachsen und mich nach und nach einhüllen. Eine Woche später bricht mein Kokon auf und ich springe als zuckergierige Qualle hinaus, die nur noch schwarzen Tee will und den geliebten Kaffee verschmäht.

Bloß kein Metall

Es hilft nichts, ich kann in der Kolumne unmöglich schreiben, dass ich gekniffen habe. Ich öffne den Reaktor. Ich werde die Brühe filtrieren müssen. Weitere Schwierigkeit: Der Pilz scheut Metall so sehr wie Superman Kryptonit. Wahrscheinlich kennt die Kombucha-Zivilisation dieses Element nicht. Was nun? Mein Teefilter ist natürlich aus Metall und das Nudelsieb will ich nicht kontaminieren. Da muss der Kombucha jetzt halt mal durch. Superman ist auch nicht gleich wegen ein bisschen Kryptonit abgenippelt. Weil ich keinen großen Glasbehälter habe, mache ich alle Trinkgläser, die ich besitze, voll. Auf ihnen bildet sich eine Schaumkrone wie auf vielen kleinen, leckeren Weizenbieren. Was jedoch im Sieb hängenbleibt, sieht aus wie Nachgeburt.

Schließlich ist nur noch die Qualle im Glas. Sie ist kaum wiederzuerkennen, umgeben von schwarzem, haarigem Glibber. Laut Anleitung soll das ganz normal sein. Wenn man möchte, kann man den Pilz putzen. Ich möchte nicht, aber ich fürchte, ich muss. Ich nehme die Alien-Qualle in die Hand und spüle sie unter dem Wasserstrahl ab. Ihre Hülle bricht auf und darunter kommt wieder eine weißdurchsichtige Qualle zum Vorschein.

Ich atme tief durch, nehme mir eins der Gläser und setze es an. Ich schließe die Augen und trinke einen kleinen Schluck. Es schmeckt vorzüglich, geschmacklich irgendwo zwischen Bionade, Cidre und Malzbier. Ja, es hat sich gelohnt, ein Alien ins Haus zu holen. Warum nur habe ich plötzlich so große Lust auf ein Stück Würfelzucker?

So macht man Kombucha
Hier erfahren Sie mehr über Kombucha, wie man ihn selbst herstellt und welche Risiken es dabei gibt.

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