Leichtathletik-Hoffnung Klosterhalfen  "Ich wertschätze das Laufen heute noch mehr"

Mit erst 21 Jahren gilt Langstreckenläuferin Konstanze Klosterhalfen als das größte Leichtathletikversprechen Deutschlands. Ein Gespräch über Ballett, verpasste Geburtstagsfeiern und ihre erste Verletzung als Profi.

Konstanze Klosterhalfen bei den Deutsche Meisterschaften (Juli 2017)
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Konstanze Klosterhalfen bei den Deutsche Meisterschaften (Juli 2017)

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Zur Person
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    Konstanze Klosterhalfen, Jahrgang 1997, vom Verein TSV Bayer 04 Leverkusen zählt zu den größten Lauftalenten Europas. Sie ist amtierende Deutsche Meisterin und U-23-Europameisterin über 1500 Meter, außerdem hält sie den Deutschen Rekord über 3000 Meter. Nachdem ihr eine hartnäckige Knieverletzung einen Strich durch die erste Saisonhälfte machte, tritt sie am Sonntag bei den Leichtathletik Europameisterschaften in Berlin über 5000 Meter an.

SPIEGEL ONLINE: Frau Klosterhalfen, Sie laufen nicht nur über 1500, 3000 und 5000 Meter, Sie machen auch noch Ballett, spielen Klavier und Querflöte. Wann sind Sie das letzte Mal einfach ziellos aus dem Haus gegangen?

Klosterhalfen: Meine Tage sind schon sehr voll und durchgeplant. Mir machen diese verschiedenen Sachen einfach Spaß. Aber ist ja auch gut, dass es nie langweilig wird. Vor der EM liegt mein Fokus natürlich auf dem Lauftraining.

SPIEGEL ONLINE: Machen Sie manches davon auch, um mal Abstand vom Laufen zu gewinnen?

Klosterhalfen: All diese Dinge sind für mich auf mentaler Ebene sehr wichtig. Als Ausgleich, damit ich mich auch mal mit anderen Dingen beschäftige als mit dem Laufen. Ballett hab ich mit vier Jahren angefangen, jetzt nehme ich nur noch eine Stunde pro Woche Unterricht in einer Tanzschule. Die Dehn- und Kräftigungsübungen, die ich da mache, sind auch förderlich fürs Laufen.

SPIEGEL ONLINE: Mit sechs Jahren haben Sie Ihr erstes Rennen absolviert und anschließend vieles im Leben dem Laufen untergeordnet: Vermissen Sie etwas, das Ihre Altersgenossen machen können, aber Sie nicht?

Klosterhalfen: Klar, ich konnte nicht auf jeder Geburtstagsfeier dabei sein. Aber ich habe gute Freunde - aus dem Laufbereich und von außerhalb -, die gut finden, was ich mache und die sich mit mir treffen, wenn ich Zuhause bin. Ich habe meine Karriere nie bereut, sondern bin dankbar dafür.

SPIEGEL ONLINE: Sie gelten als "größtes Versprechen der deutschen Leichtathletik". Wie gehen Sie mit den hohen Erwartungen um?

Klosterhalfen: Ich freue mich natürlich, sowas über mich zu hören. Ich versuche aber, das so gut es geht von mir fernzuhalten und mich einfach aufs Laufen zu konzentrieren.

SPIEGEL ONLINE: Aber kann man den Druck und die Konkurrenz einfach so ausblenden?

Klosterhalfen: Ich schaue nicht so sehr auf die Ergebnisse meiner Konkurrentinnen, sondern achte lieber auf meine eigenen Zeiten. Aber klar, wenn ich höre, dass Sifan Hassan 5000 Meter in 14,22 Minuten gelaufen ist, dann motiviert mich das auf jeden Fall. Es zeigt auch, was noch möglich ist und dass ich noch schneller laufen kann.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Knieverletzung Anfang des Jahres war Ihre erste ernsthafte Verletzung als Profi: Was hat das mit Ihnen gemacht?

Klosterhalfen: In der Verletzungspause musste ich mehrere Monate ganz still halten, das war nicht einfach. Ich hab mich jeden Tag gefragt: Wann kann ich wieder laufen? Habe mir jeden Tag gewünscht, endlich wieder trainieren zu können. Das gibt mir jetzt eine noch größere Motivation, ich wertschätze das Laufen heute noch mehr. Meinem Knie geht es jetzt wieder ganz gut und vielleicht bin ich bei der Europameisterschaft in Berlin auch etwas frischer als die Konkurrenz. Meine Saison hat ja quasi erst angefangen.

SPIEGEL ONLINE: Woran denken Sie, wenn Sie schlafen gehen?

Klosterhalfen: Ich denke schon mal an Tempoeinheiten, an die Trainingseinheiten am nächsten Tag oder daran, dass ich bei einem Wettkampf auf den letzten Metern alles geben muss. Aber es ist auch mal ganz angenehm, einfach ins Bett zu gehen und zu schlafen.

SPIEGEL ONLINE: Schmerzen Niederlagen mehr, als sich Siege gut anfühlen?

Klosterhalfen: Mein Ausscheiden bei der WM 2017 im Halbfinale über 1500 war anfangs schon hart, ich war sehr enttäuscht. Ein wenig nagt das immer noch an mir, im Training denke ich mir manchmal: Lauf die erste Runde lieber langsamer und die zweite schneller. Im Großen und Ganzen habe ich die Niederlage aber abgehakt.

Wenn ich verliere oder nicht zufrieden bin mit meinem Rennen, dann möchte ich mehr trainieren, um es beim nächsten Mal besser machen zu können. Um die Gegner, die schneller waren als ich, schlagen zu können. So habe ich probiert, auch aus der Niederlage bei der WM etwas Positives rauszuziehen. Um zu zeigen, dass ich es besser kann.

SPIEGEL ONLINE: Wieso haben Sie sich entschieden, zur Europameisterschaft in Berlin von Ihrer Paradedisziplin 1500 Meter auf 5000 Meter umzusatteln?

Klosterhalfen: Ich bin die 5000 Meter noch nie bei einem großen Turnier gelaufen. Aufgrund der Knieverletzung und von der Vorbereitung her hat es besser mit der längeren Strecke gepasst. Es gibt bei 5000 Metern keine Vorläufe, das kommt mir gelegen.

Ich sehe daher auf dieser Distanz bei der EM auch größere Chancen für mich, auch wenn die Konkurrenz natürlich stark ist. Aber ich weiß nach der Verletzung noch nicht genau, was ich kann und wo ich stehe. Deshalb gehe ich ganz ohne Erwartungen in mein Rennen.



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Actionscript 12.08.2018
1. Als Super Senior Läufer bin ich...
..durch einige Verletzungen beim Laufen gegangen. Ich mache seitdem seit vielen Jahren mehrmals pro Woche Yoga, was meine Performance verbessert hat und erhält und mich auch beim Laufen besser fokussieren lässt und meine Haltung verbessert hat. Balletttanzen als Crosstraining ist sicherlich ebenso gut und wichtig. Viel Glück wünsche ich Frau Klosterhalfen für die nächsten Meisterschaften!
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