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30. Dezember 2012, 09:06 Uhr

Kraulen statt Brust

Achim schwimmt den Entenfuß

Sportlich ins neue Jahr: Schwimmen ist eine prima Gelegenheit, den guten Vorsatz in die Tat umzusetzen. Doch die meisten Sportwilligen entscheiden sich für Brustschwimmen. Dabei gehört die Technik zu den schwierigsten - und birgt Risiken für Nacken und Rücken. Probieren Sie es lieber mal mit Kraulen!

Was ist Schwimmen?

Schwimmen bezeichnet zunächst einmal ganz banal das Fortbewegen im Wasser. Leider sieht es bei den meisten genauso aus. Hauptsache der Kopf ist über Wasser und man geht nicht unter. Leider kommen so viele auch nicht vorwärts.

Die gängigen Schwimmlagen kennen die meisten - noch aus dem Grundschul-Schwimmunterricht oder von den TV-Übertragungen der Olympischen Spiele: Delphin, Rücken, Brust und Kraul. Interessanterweise schwimmen die meisten Deutschen unbewusst die Schwimmart, die am schwersten korrekt umzusetzen ist: Brust. Viele wissen gar nicht, dass sie das Brustschwimmen nicht wirklich beherrschen.

Warum sollte ich das machen?

Schwimmen, das weiß jedes Kind, ist gesund. Es schont die Gelenke, stärkt Muskeln, Immun-, Herz-Kreislaufsystem und dient der Prophylaxe. Zudem tut es der Seele gut. Sich im Wasser auspowern, mal den Alltag vergessen, sich treiben lassen. Statt sitzen, stehen und laufen, darf man sich mal im Wasser gehen lassen. Im Sommer ist das Schwimmen Teil des täglichen Badeausflugs, im Winter ist das Schwimmbecken wohliger Zufluchtsort vor dem nasskalten Matschepampewetter.

Kann das jeder?

Die meisten Menschen würden von sich behaupten, dass sie schwimmen können. Tatsächlich können es die Wenigsten wirklich. Erik Thormann, Triathlon- und Schwimmtrainer bei Triathlon Potsdam e.V., hat schon unzählige Menschen gesehen, die beim Kraulen den Kopf links und rechts hin- und herwirbeln und die Arme in hohem Tempo auf das Wasser peitschen. "Das ist Hollywood-Schauspielkraulen", sagt er und lacht. Seit Johnny Weissmuller als Tarzan vor rund 80 Jahren über die schwarz-weiße Mattscheibe flimmerte, habe sich das Kraulen stark weiterentwickelt.

"Das Wasser ist dein Freund nicht dein Feind", sagt Thormann. Man müsse erstmal ein Gefühl für Wasser gewinnen, sich an das Element gewöhnen und nach und nach greifen lernen. Abstoßen, gleiten, strampeln - das gehöre alles dazu, sagt der Schwimm- und Triathlontrainer. Viele würden aber nur darauf schauen, möglichst viele Bahnen zurückzulegen. Die Gefahr bei so viel Monotonie: Es kommt schnell Langeweile auf und die Verletzungsgefahr ist größer. Der Spaß beginnt dann, wenn man merkt, dass man nach und nach schneller, eleganter und müheloser durchs Wasser kommt.

Risiken und Nebenwirkungen?

Geschätzte 80 Prozent der Gelegenheitsschwimmer wählen Brust als ihre Fortbewegungstechnik. Doch gerade diese Art des Schwimmens birgt viele gesundheitliche Risiken. Denn Brust geht auf den Rücken - wenn man die Technik nicht beherrscht. Der Nacken und die Knie werden unnötig belastet; Dysbalancen und Verletzungen sind programmiert. Weiteres Problem neben der falschen Technik ist der falsche Ehrgeiz. Viele übertreiben und überschätzen sich maßlos. Schwimmtrainer Thormann empfiehlt: lieber kurze Strecken statt lange Bahnen. Anfänger können in den ersten Wochen mit zwanzig Minuten lockerem Schwimmen anfangen, Thormann schlägt vor: "Vier Minuten ruhig schwimmen, eine Minute Pause und das Ganze viermal wiederholen."

Die schwerste Übung?

Für Einsteiger: Links Reißverschluß, rechts Achselfassen (Kraul-Technikübung über Wasser).

Für Fortgeschrittene: Hündchen und Entchen (Kraulübung zur Zug- und Druckphase unter Wasser).

Für Profis: Fahne mit Kraularme rückwärts (Kraul-Koordinationsübung zur Rumpfstabilität).

Was kostet das?

Schwimmen ist günstig. Badehose, Badeanzug, Badelatschen und den Eintritt ins Schwimmbad. Tipp: Gleich eine Zehnerkarte kaufen. Vorteil: Ist wesentlich günstiger und erhöht den Druck, wirklich regelmäßig ins Becken zu steigen. Zweimal die Woche muss schon sein, um sich entwickeln zu können.

Peinlichkeitsfaktor?

Zugegeben, sich unfit in die knappe Badeklamotten zu zwängen und fast entblößt in Adiletten die Badeanstalt zu betreten, gehört nicht zu den Lieblingsvorstellungen der meisten Couchkartoffeln. Da kann man sich nicht mal das XXL-Shirt überstreifen wie am Strand ("Die Sonne!"). Und trotzdem: Wen interessiert's? Peinlich sind vor allem die Möchtegern-Phelps, die ungelenk durchs Wasser peitschen, als gäbe es kein Morgen mehr, aber von Schwimmtechnik keinen Schimmer haben.

In den nächsten Tagen stellt Achim Achilles weitere Sportarten vor:

Dienstag, 1. Januar: Berglaufgeht auch in Berlin

Mittwoch, 2. Januar: Die unendliche Crossfit-Minute

Donnerstag, 3. Januar: Kraft tanken und entspannen mit Qi Gong

Bereits erschienen:

Cyclocross:Wenn Biker sich im Dreck suhlen

Boxen:Das perfekte Ganzkörpertraining

Kondition und Koordination: Der harte Rocky-Zirkel

Text von Frank Joung

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