Kraulen statt Brust: Achim schwimmt den Entenfuß

Sportlich ins neue Jahr: Schwimmen ist eine prima Gelegenheit, den guten Vorsatz in die Tat umzusetzen. Doch die meisten Sportwilligen entscheiden sich für Brustschwimmen. Dabei gehört die Technik zu den schwierigsten - und birgt Risiken für Nacken und Rücken. Probieren Sie es lieber mal mit Kraulen!

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Was ist Schwimmen?

Schwimmen bezeichnet zunächst einmal ganz banal das Fortbewegen im Wasser. Leider sieht es bei den meisten genauso aus. Hauptsache der Kopf ist über Wasser und man geht nicht unter. Leider kommen so viele auch nicht vorwärts.

Die gängigen Schwimmlagen kennen die meisten - noch aus dem Grundschul-Schwimmunterricht oder von den TV-Übertragungen der Olympischen Spiele: Delphin, Rücken, Brust und Kraul. Interessanterweise schwimmen die meisten Deutschen unbewusst die Schwimmart, die am schwersten korrekt umzusetzen ist: Brust. Viele wissen gar nicht, dass sie das Brustschwimmen nicht wirklich beherrschen.

Warum sollte ich das machen?

Schwimmen, das weiß jedes Kind, ist gesund. Es schont die Gelenke, stärkt Muskeln, Immun-, Herz-Kreislaufsystem und dient der Prophylaxe. Zudem tut es der Seele gut. Sich im Wasser auspowern, mal den Alltag vergessen, sich treiben lassen. Statt sitzen, stehen und laufen, darf man sich mal im Wasser gehen lassen. Im Sommer ist das Schwimmen Teil des täglichen Badeausflugs, im Winter ist das Schwimmbecken wohliger Zufluchtsort vor dem nasskalten Matschepampewetter.

Kann das jeder?

Die meisten Menschen würden von sich behaupten, dass sie schwimmen können. Tatsächlich können es die Wenigsten wirklich. Erik Thormann, Triathlon- und Schwimmtrainer bei Triathlon Potsdam e.V., hat schon unzählige Menschen gesehen, die beim Kraulen den Kopf links und rechts hin- und herwirbeln und die Arme in hohem Tempo auf das Wasser peitschen. "Das ist Hollywood-Schauspielkraulen", sagt er und lacht. Seit Johnny Weissmuller als Tarzan vor rund 80 Jahren über die schwarz-weiße Mattscheibe flimmerte, habe sich das Kraulen stark weiterentwickelt.

"Das Wasser ist dein Freund nicht dein Feind", sagt Thormann. Man müsse erstmal ein Gefühl für Wasser gewinnen, sich an das Element gewöhnen und nach und nach greifen lernen. Abstoßen, gleiten, strampeln - das gehöre alles dazu, sagt der Schwimm- und Triathlontrainer. Viele würden aber nur darauf schauen, möglichst viele Bahnen zurückzulegen. Die Gefahr bei so viel Monotonie: Es kommt schnell Langeweile auf und die Verletzungsgefahr ist größer. Der Spaß beginnt dann, wenn man merkt, dass man nach und nach schneller, eleganter und müheloser durchs Wasser kommt.

Risiken und Nebenwirkungen?

Geschätzte 80 Prozent der Gelegenheitsschwimmer wählen Brust als ihre Fortbewegungstechnik. Doch gerade diese Art des Schwimmens birgt viele gesundheitliche Risiken. Denn Brust geht auf den Rücken - wenn man die Technik nicht beherrscht. Der Nacken und die Knie werden unnötig belastet; Dysbalancen und Verletzungen sind programmiert. Weiteres Problem neben der falschen Technik ist der falsche Ehrgeiz. Viele übertreiben und überschätzen sich maßlos. Schwimmtrainer Thormann empfiehlt: lieber kurze Strecken statt lange Bahnen. Anfänger können in den ersten Wochen mit zwanzig Minuten lockerem Schwimmen anfangen, Thormann schlägt vor: "Vier Minuten ruhig schwimmen, eine Minute Pause und das Ganze viermal wiederholen."

Die schwerste Übung?

Für Einsteiger: Links Reißverschluß, rechts Achselfassen (Kraul-Technikübung über Wasser).

Für Fortgeschrittene: Hündchen und Entchen (Kraulübung zur Zug- und Druckphase unter Wasser).

Für Profis: Fahne mit Kraularme rückwärts (Kraul-Koordinationsübung zur Rumpfstabilität).

Was kostet das?

Schwimmen ist günstig. Badehose, Badeanzug, Badelatschen und den Eintritt ins Schwimmbad. Tipp: Gleich eine Zehnerkarte kaufen. Vorteil: Ist wesentlich günstiger und erhöht den Druck, wirklich regelmäßig ins Becken zu steigen. Zweimal die Woche muss schon sein, um sich entwickeln zu können.

Peinlichkeitsfaktor?

Zugegeben, sich unfit in die knappe Badeklamotten zu zwängen und fast entblößt in Adiletten die Badeanstalt zu betreten, gehört nicht zu den Lieblingsvorstellungen der meisten Couchkartoffeln. Da kann man sich nicht mal das XXL-Shirt überstreifen wie am Strand ("Die Sonne!"). Und trotzdem: Wen interessiert's? Peinlich sind vor allem die Möchtegern-Phelps, die ungelenk durchs Wasser peitschen, als gäbe es kein Morgen mehr, aber von Schwimmtechnik keinen Schimmer haben.

In den nächsten Tagen stellt Achim Achilles weitere Sportarten vor:

Dienstag, 1. Januar: Berglaufgeht auch in Berlin

Mittwoch, 2. Januar: Die unendliche Crossfit-Minute

Donnerstag, 3. Januar: Kraft tanken und entspannen mit Qi Gong

Bereits erschienen:

Cyclocross:Wenn Biker sich im Dreck suhlen

Boxen:Das perfekte Ganzkörpertraining

Kondition und Koordination: Der harte Rocky-Zirkel

Text von Frank Joung

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insgesamt 28 Beiträge
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1.
radikalerkapitalist 31.12.2012
Tja bedauerlicherweise ist Schwimmen in meiner Umgebung jedenfalls recht teuer geworden. Eine 10er-Karte (4 Stunden) kostet hier 150 € und 1 1/2 h € 6,00 € . 2€ für 1-2 Stunden, die Zeiten sind vorbei. Seitdem Städtische Frei- und Hallenbäder dank klammer Kommunen privatisiert oder geschlossen wurden, gibt es dafür Wellness-Tempel mit überflüssiger überteuerter aufwendiger Massage, Sauna und Gastronomie etc. Dort zählt eher das Badevergnügen. Zwar hatten die öffentlichen Badeanstalten den Charme von Kasernen, doch konnte man wenigstens ruhig seine Bahnen ziehen, im Gegensatz zu den heutigen Spaßbädern. Zudem ist das Angebot von Schwimmhallen stark gesunken.
2.
Dromedar 31.12.2012
Hmm, also mal Stück für Stück: Wahl der Schwimmart: - Rücken ist ziemlich assozial in einem öffentlichen Schwimmbad, da mannur sieht, wohin man steuert. Jeder normale Schwimmer ist im Prinzip nur damit beschäftigt, den Renter-Omas im Rückengang auszuweichen. - Kraulen bringt das ganze Becken in Unruhe, spritzt alle voll und soll gesünder als Brustschwimmer sein? - Delphin bzw. in meiner Größenlage eher Wal ist ziemlich cool, aber, wenn man gerade top-fit ist, hält man das doch keine 2 Minuten aus. Ausserdem gehört da einiges an Technik dazu. ---Zitat--- Die Gefahr bei so viel Monotonie: Es kommt schnell Langeweile auf und die Verletzungsgefahr ist größer ---Zitatende--- Also, ich empfinde im Schwimmbad nie lange weile, erstens macht Schwimmen Spass, zweitens ist meistens die Aussicht nett, drittens, wie in aller Welt will man sich beim Schwimmen ernsthaft verletzen? Klar, man kann sich was zerren, also ich höre auf, wenn irgendwas ziept oder zwickt. ---Zitat--- Denn Brust geht auf den Rücken - wenn man die Technik nicht beherrscht. ---Zitatende--- Inwieweit? Also, klar beansprucht man den Rücken, aber der geht davon nicht kaputt. Beim Kraulen ist ja schon atmen schwierig, wir reden ja nicht von Leistungssportlern. Besser man schwimmt, als das man es läßt. Brustschwimmen hat halt den riesigen Vorteil, das es (nach dem extrem anspruchsvollen Delphin) die meiste Kraft fordert und insgesamt den Körper am besten belastet, ohne ihn zu überfordern. Aber klar, besser ist es auf dem Sofa zu überwintern. ---Zitat--- Schwimmen ist günstig. Badehose, Badeanzug, Badelatschen und den Eintritt ins Schwimmbad. ---Zitatende--- Ich kanns mir leisten, aber grundsätzlich kostet zmdt. ein Hallenbad meist ~10€, will man da regelmäßig hingehen ist im Prinzip eine kleine Miete weg. Es gibt auch einzelne Sportbäder(-Eintrittspreise von vielleicht 3,50), aber die sind eher rar und der Motivation tut es auch gut, wenn man sich vielleicht ein Whirlpool oder eine Sauna danach gönnt. Also, von meinen arbeitenden Freunden könnte sich kaum einer leisten, täglich ins Schwimmbad zu gehen. Wenn man sich günstig fit halten will, empfiehlt sich eher joggen oder fahrad fahren (z.B. zur Arbeit :-)).
3.
Dromedar 31.12.2012
Und in Ergänzung: ---Zitat--- Zugegeben, sich unfit in die knappe Badeklamotten zu zwängen und fast entblößt in Adiletten die Badeanstalt zu betreten, gehört nicht zu den Lieblingsvorstellungen der meisten Couchkartoffeln. Da kann man sich nicht mal das XXL-Shirt überstreifen wie am Strand ("Die Sonne!"). ---Zitatende--- Also, zumindestens bei mir mit >30 und einigem Übergewicht entfallen sich Schamgefühle. Wozu auch? Die meisten Frauen interessieren sich an 30+jährigen eh nicht sonderlich am Aussehen, und wenn ich ehrlich gesagt mir die anderen Badegäste anschaue (Rentner, Kinder, Schwangere) wüßte ich nicht, wofür ich mich schämen sollte. Und gleichaltrige Frauen sehen ja noch schlimmer aus, also ehrlich, was soll's. Am meisten beeindruckt hat mich mal eine ~40jährige, die vom 10Meter-Turm alle Figuren abgesprungen ist, trotz deutlichem Übergewicht, ihr
4. frage der richtigen technik
mephisto1997 31.12.2012
stimmt schon, brustschwimmen birgt gesundheitliche risiken...aber die alternativen sind alle nur was für wenige minuten, denn: kraul und schmetterling gehen wahnsinnig auf die pumpe...das kann kaum einer länger durchhalten... rücken ist nur was für privatschwimmbecken, denn im öffentlichen schwimmbad, zumal im gut gefüllten, ist es unmöglich, andere nicht anzurempeln dabei...schade, ist ne feine sache, geht aber eben nicht ... wer keine besonderen nacken- oder rückenschäden hat, soll einfach die richtige brusttechnik lernen, d. h. man muss auch mit dem gesicht ins wasser beim vorpreschen, wer den hals und den kopf nicht zwanghaft hoch aus dem wasser zu halten versucht, kann ohne beschwerden ewig lange brustschwimmen praktizieren, es ist einfach die beste methode im öffentlichen schwimmbad, wie gesagt, die richtige technik plus eine gute brille (für blindfische wie mich gibt's auch welche mit passender dioptrienzahl) braucht man dafür. wenn es mir dann langweilig wird, drehe ich ein paar runden in den anderen schwimmstilen, kraul mag ich rasend gern...auch sollte man nicht immer nur bahnen ziehen, das wird jedem irgendwann langweilig...nach der ausdauer kommt für mich meistens, wenn es die zeit zulässt, noch ausgiebiges dehnen im sehr großen nichtschwimmerbecken, massagedüsen...unter wasser alles eine wohltat...aaaaahhhhh!...:-))
5. Schwimmbad
itchybod 31.12.2012
Leider wird das Schwimmbad von ca. 80% der Leute zum Baden und nicht zum Schwimmen benutzt. Als Kraulschwimmer ist oft einfach kein Durchkommen. Da treiben Leute in 3er oder 4er Grüppchen durchs Wasser. Wenn mal ein paar Kraulschwimmer zusammen kommen, dann schwimmen 50% stur auf "ihrer" Bahn anstatt im Kreis zu schwimmen. Dann blockiert noch irgendein Verein mit 2 Schwimmern genauso viele Bahnen. Echte Geschichte: Ich war mal zu einer eher unatraktiven Zeit im Schwimmbad und auf einer abgesperrten Bahn schwam ein Schwimmer. Ich hab es dann auch gewagt auf dieser Bahn zu schwimmen und wurde mit Hinweis auf Vereinstraining weg gescheucht.
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ZUR PERSON
  • Beatrice Behrens
    Achim Achilles

    Jahrgang 1964. Lebt verheiratet mit einer verständnisvollen Frau in Berlin, läuft aber überall, wo es wehtut. Motto des Wunderathleten und Kolumnisten: "Qualität kommt von Qual." Dabei ist es dem Vater eines lauffaulen Jungen egal, dass er trotz intensiven Trainings kaum von der Stelle kommt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Seine Lieblingsfeinde auf dem Weg zum Ziel sind Walker und andere Pseudosportler.