Lagree-Fitness Mach mir einen Hollywood-Sixpack!

Bei Promis in den USA ist der Sport bereits ein Trend, nun hat das erste Lagree-Studio in Deutschland eröffnet. Anna Achilles war dort. Taugt das Work-out für den Normalo?

Lagree-Studio in München
Studio Lagree München/ Christian Behnke

Lagree-Studio in München


Alle schwören sie drauf: die Engel von Victoria's Secret, Jennifer Aniston, Michelle Obama. Lagree-Fitness ist der derzeit heißeste Sporttrend aus Los Angeles: Das Workout verspricht einen Traumbody. Keine dicken Arnold-Schwarzenegger-Muckis, sondern ausdauernde Muskeln, bewegliche Gelenke, ein besseres Körpergefühl, bla. Alles schon gehört. Ich bin bei sowas ja skeptisch.

In München gibt es jetzt das erste Lagree-Studio deutschlandweit. Zur Eröffnung ist Erfinder Sebastien Lagree höchstpersönlich angereist. Also nix wie hin zu einer Probestunde mit ihm. Los, mach mir einen Hollywood-Sixpack!

Mein erster Eindruck, als ich vor dem Fitnessgerät stehe: Was ist das für ein Monster? "Megaformer" nennen Lagree und seine beiden durchtrainierten Assistentinnen das Teil. Megaformer deshalb, weil es meinen Körper mega umformen soll. Also vom schluffigen Läuferkörper zum stählernen Megabody. Vielleicht aber auch, weil das Gerät mega riesig und mega gefährlich aussieht. Für jemanden wie mich, koordinativ unterentwickelt, droht hier akute Selbstgefährdung.

Der Megaformer hat die Länge eines Laufbandes. An beiden Enden befinden sich Platten und Griffe für die Hände, die fest und unbeweglich sind. Dazwischen liegt eine quadratische Platte, die sich nach links und rechts schieben lässt. In die eine Richtung gibt es einen Widerstand, deshalb muss man fest drücken. In die andere rollt sie - nein - schnellt sie von allein zurück. Ich sehe mich schon, hilflos eingeklemmt, zwischen den Platten liegen.

"Let's go", ruft Lagree. Zwei Köpfe größer als ich, breite Schultern, ein Mann der aussieht, als könnte er ordentlich zupacken. Lagree ist in Frankreich aufgewachsen, lebt aber seit er 17 ist in den USA. Sein gebräunter Teint und die blonden Haare entsprechen dem Klischee eines amerikanischen Fitnesstrainers. Ich bin gespannt. Kim Kardashian soll sich nach der Geburt ihres Kindes mit seinem Workout fit gemacht haben. Aber was kann es wirklich?

"Oh yeah, I like that"

Zögerlich besteigt jeder Kursteilnehmer sein Sportgerät. Man muss sehr aufpassen, dass einem die Platte nicht unter den Füßen wegrutscht. Ich stehe seitlich, sodass ein Bein auf einer der festen Platten steht, das andere auf der beweglichen. Ich drücke die Platte mit dem Bein von mir. Dabei muss ich gegen Widerstand ankämpfen. Die Innenseite meines Oberschenkels spannt ziemlich. Wenn mein Bein fast ausgestreckt ist, lasse ich die Platte langsam zu mir zurück kommen. Das erfordert Kraft, aber auch Kontrolle. Sie soll nicht zurückschnellen.

Nach ein paar Wiederholungen fangen meine Muskeln an zu zittern. Aber das soll so sein. "Oh yeah, I like that", kommentiert Lagree meine Wackelbeine.

So geht es die nächsten 50 Minuten. Hinknien, Platte von sich schieben, auf Armen abstützen, Platte von sich schieben, Beine Überkreuz, Rücken gerade, atmen - und durchhalten.

Im Gegensatz zum CrossFit, wo man Übungen sehr schnell ausführt und der Puls in die Höhe schießt, geht es hier um Langsamkeit, um Kontrolle. Deshalb sind die Übungen nicht weniger anstrengend. Der Schweiß sucht sich seinen Weg auf meiner Haut. Ich spüre jeden Muskel in meinem Körper. Vor allem habe ich das Gefühl, dass die Kraft ganz tief in jeden einzelnen Muskel dringt. Und das fühlt sich gut an. Befriedigend.

Zwei bis drei Workouts sollte man die Woche machen, empfiehlt Lagree. Dann würde man schon nach ein paar Wochen den Effekt spüren: ein paar Kilo weniger, ein strafferer Körper - und überhaupt zufriedener sein. Das glaube ich sofort. Schon nach einem Workout fühle ich mich leichter und gleichzeitig stärker.

Bloß, hat man dieses Gefühl nicht immer nach Sport? Der Haken am Lagree-Workout ist vor allem der Preis. Für den Traumbody zahlt man, wenn man ein Abo abschließt, 26 Euro pro Stunde. Bei drei Mal Training in der Woche kommt man im Monat auf 312 Euro. Sich quälen geht auch billiger.

Zum Vergleich: Eine Mitgliedschaft in einem Münchner CrossFit-Studio kostet ungefähr 90 Euro monatlich, in einem Fitnessstudio 70 Euro. Oder man trainiert mit dem eigenen Körpergewicht zu Hause. Das kostet gar nichts.

Tatsächlich hat mich das Workout positiv überrascht. Die Zeit verging wie im Flug. Und zuhause allein würde ich wohl nie so intensiv trainieren. Aber am Ende bleibt Sport einfach nur Sport. Und das heißt, sich zu quälen - egal in welcher Form.



insgesamt 32 Beiträge
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conocedor 17.02.2017
1. alle Jahre wieder...
Erinnert sich noch jemand an Rope-skipping, Core, Bootcamp, Zumba, Bokwa oder Tabata? Nein? Eben. Also auf zum neuen "ultimativen Fitnesstrend", Lagree-Fitness. So ungefähr bis Januar 2018.
wortmacht 17.02.2017
2.
Auch diese maßlos überteuerte Modeerscheinung bringt keinen Erfolg für die die bisher erfolglos waren. Die beiden hübschen Wörter Umfang und Intensität machen den Erfolg. .... und der Umfang besteht nun mal aus Tagespensum und Häufigkeit pro Woche.
ThBl 17.02.2017
3.
Kann mich an keinen Artikel der guten Anna erinnern, bei dem sie nach anfänglicher Skepsis ('Ich bin bei sowas ja Skeptisch') schon nach einer Trainingseinheit von den Werbeversprechen der Anbieter überzeugt war ('Das glaube ich sofort').
Rahvin 17.02.2017
4.
312 Euro im Monat. McFit, FitInn, blablabla... bieten teilweise Mitgliedschaften für 19,90 im Monat. Irgendwie habe ich da meines Erachtens einen besseren Deal und nicht diesen Pseudohype, der nach ein paarmal Training ohnehin nicht mehr motiviert. Das einzige, was interessant wäre, ist dieses Crossfit, wenn man sich gegenseitig im Team motivieren kann. Das ist eben das Zauberwort: Motivation.
Business Ethics 17.02.2017
5.
26 Euro die Stunde?! Das Geld liegt echt auf der Straße... Während die eine Hälfte der Bevölkerung nicht weiß, wie sie über die Runden kommen soll, geben einige im Monat soviel für diesen, natürlich aus den USA stammenden, Muskelmurks aus, wie ein Teil der zweiten Hälfte im halben oder ganzen Jahr für ein Fitnessstudio. Herr lass Hirn vom Himmel regnen...
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