Fit in den Frühling Ran an den Run

Wer wirklich Abenteuer erleben will, sollte bei einem Laufwettbewerb starten. Es muss ja nicht gleich Marathon sein. Im digitalen Lauf-Camp erklärt Achim Achilles die Faszination Wettrennen.

DPA


Achilles-Klassiker
    In der Reihe "Achilles-Klassiker" präsentiert SPIEGEL ONLINE Schätze aus dem Archiv des Wunderathleten Achim, der trotz intensiven Lauftrainings kaum von der Stelle kommt. Dieser Text erschien bei SPIEGEL ONLINE ursprünglich im Jahr 2012.

Dies ist der vierte Teil der Serie "Fit in den Frühling". Im ersten Teil finden Sie Tipps, die auch den hartnäckigsten Sportmuffel vor die Tür treibt. Im zweiten Teil geht es ums Dranbleiben, im dritten Teil ums Weiterentwickeln.

Das Wettlaufen ist in der DNA des Menschen fest verankert. Schon Steinzeitmenschen mussten schnell genug sein, wenn sie sich hungrigen Tieren gegenübersahen. Die Langsamen endeten hingegen als Tierfutter. Heute wird man nicht sofort zur Mahlzeit, dennoch: Auch beim Marathon will niemand Letzter sein.

Kleine Nostalgiestunde: Wie unglaublich befreiend waren die Momente, als wir Kinder einfach nur rannten, immer schneller, immer weiter. Laufen ist anstrengend, ja, aber eben auch das Erfühlen einer Freiheit.

Eines Tages kommt für jeden Anfänger dieser wundervolle Moment, wenn Anstrengung, Schmerz und Keuchen nicht mehr so wichtig sind, wenn der Kopf vielmehr mit Überraschung registriert, dass eigentlich gar nichts wirklich wehtut, sondern alles rund läuft. Prima, die nächste Stufe ist erreicht, das selbstverständliche Laufen. Die Wetzerei ist Bestandteil des Lebens geworden, all die Plackerei, die Experimente, Rückschläge und Entbehrungen haben sich gelohnt.

Der Wettlauf: Die letzte große Prüfung der Menschheit

Wer alles probiert und vieles absolviert hat, wer sich tatsächlich regelmäßig in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett geschält, Partys abgesagt, gar die Ernährung umgestellt hat, für wen Ackerschachtelhalm ein Begriff ist und wer sich beim Kalorienzählen in der Kantine ertappt, der ist bereit für die letzte große Prüfung der Menschheit - den Wettlauf. Mittlerweile findet an nahezu jedem Tag des Jahres irgendwo in Deutschland eine Laufveranstaltung statt, bei der sich Hobbyläufer messen.

Fünf Kilometer sollten fürs erste Mal genügen. Natürlich will man sich beim ersten großen öffentlichen Auftritt nicht blamieren. Deswegen auf gar keinen Fall nagelneue Schuhe anziehen. Im besten Fall enttarnt man den Träger als Anfänger. Im schlimmsten Fall läuft er sich gewaltige Blasen, bricht das Rennen vorzeitig ab und muss Familie, Freunden und Kollegen die abgedroschenste aller Läufer-Ausreden präsentieren: "Die Schuhe waren schuld." So weit soll es nicht kommen. Bitte auch nicht im Überschwang bei Dutzenden Marathons anmelden.

Wenn der große Moment gekommen ist, der Athlet mit Adrenalin vollgepumpt und voller Tatendrang an der Startlinie steht und die gespannten Blicke der Zuschauer nur auf ihn gerichtet sind, dann pulst das Blut im Hirn wie seit Hochzeit, Geburt der Kinder oder letzter Kündigung nicht mehr. "Hurra, Leben", denkt der Läufer.

Klassischer Anfängerfehler: Ganz vorne an der Startlinie

Bitte nicht den klassischen Anfängerfehler begehen und sich ganz vorn an der Startlinie positionieren. Sicher, die Fotografen machen schöne Bilder, man hat eine wunderbar freie Sicht auf die Strecke - aber nebenan stehen nur die Schnellsten. Und die prügeln beim Startschuss los, als gäbe es kein Morgen. Man kann das Tempo zwar mitgehen, aber leider nur 15 Meter. Dann wird man von Dutzenden Ellenbogen nach hinten befördert. Lieber hinten wie ein Hering im Schwarm mitschwimmen, zur Not auch mal ein paar Meter gehen oder im Dixi-Klo ausruhen.

Wer es schließlich bis ins Ziel schafft, hat dieses einzigartige Gefühl, etwas Besonderes geleistet zu haben. Trotz des Muskelkaters strafft sich der Körper die nächsten Tage, das Bewusstsein, ein Athlet zu sein, verändert das ganze Leben. Zumal der Blick in die Ergebnisliste bestätigt, dass es tatsächlich noch langsamere Menschen gibt.

Vier Wochen digitales Lauf-Camp reichen zwar nicht für ein neues Leben aus, sind aber schon mal ein Anfang. Den Rest muss jeder selbst hinkriegen. Und dabei gilt immer und für jeden: Geschenkt gibt's nichts - Qualität kommt von Qual. Viel Spaß dabei!



insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
runabout 29.03.2018
1. Rom, 72
im Visier, 8. April 8:40. Achilles drück mir die Daumen für eine heroische Ankunft. Zeit egal, nur nicht Letzter.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.