Mission Marathon 40 Kilo sind geschafft

Vor wenigen Monaten reichte ein normales Maßband kaum aus, um Michael Klotzbiers Bauchumfang zu messen. Mittlerweile hat der Ex-160-Kilo-Mann immerhin 40 Kilo abgespeckt. Sein großes Ziel: der Berlin-Marathon.

Michael Klotzbier: Ernährung umgestellt und Bewegung in den Alltag integriert
Achim-Achilles.de

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Rückblick: Wer ist Michael Klotzbier, und was hat er vor?

Stand im Januar 2015: Michael Klotzbier, 35 Jahre alt, 1,83 Meter groß, 160 Kilo schwer, will Marathon laufen. Jahrelang hat er sich schlecht ernährt und kaum bewegt. Sein Gesundheitszustand: desaströs. Klotzbier startet das Projekt "Unter 100". Er will innerhalb eines Jahres 60 Kilo abnehmen.

Video: Michael Klotzbier speckt ab (SPIEGEL TV 11. Mai 2015)

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Stand Juli 2015: Wie geht es Michael Klotzbier?

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Heft 32/2015
Hirnforschung: Wie Bewegung das Denken verbessert

Sechs Monate nach Beginn seines Abnehmvorhabens kann Michael Klotzbier stolz auf sich sein. Er hat 40 Kilo abgespeckt. Aber nicht nur sein Gewicht hat sich verändert. Auch seine Gesundheitswerte haben sich verbessert. Sein Körperfettanteil ist von 47 auf 33 Prozent gesunken.

Sehr deutlich wird der Gewichtsverlust am Bauch: Anfangs reichte ein normales Maßband kaum aus, um den Umfang zu messen. Jetzt ist dieser von mehr als 150 auf 123 Zentimeter geschrumpft. Auch sein BMI hat sich von 48 auf 35 verbessert.

Doktor Fernando Dimeo ist trotzdem noch nicht zufrieden: "Das Risiko, an Diabetes zu erkranken, ist zwar niedriger, liegt aber immer noch bei 75 Prozent. Erst wenn er 83 Kilo wiegt, hat er Normalgewicht", so der Arzt.

Wie hat sich Michael Klotzbier verändert?

Die 40 Kilo weniger stehen Michael Klotzbier gut. Er fühlt sich wohl in seinem Körper. In der U-Bahn braucht er nur noch einen Sitz statt eineinhalb. In Restaurants muss er nicht mehr fürchten, dass der Stuhl unter ihm zusammenbrechen könnte. Auch in die Badewanne passt er wieder ohne Probleme.

Außerdem ist Klotzbier beweglicher geworden. Früher konnte er seine Schuhe nur mit Mühe zubinden. Auch Treppensteigen war vor einem halben Jahr noch eine große Herausforderung. Selbst in den ersten Stock fuhr er mit dem Fahrstuhl. Jetzt ist es für ihn selbstverständlich, zu Fuß zu gehen.

Das Übergewicht schwindet: Klotzbier im Februar, April und Juli
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Wie hat Klotzbier so viel abgenommen?

Michael Klotzbier folgt keinem strikten Diätplan, dennoch hat er sich einige Regeln auferlegt. Süße Getränke und Alkohol lässt er weitestgehend weg. Abends verzichtet er auf Kohlenhydrate. Mittags gibt es Obst und Gemüse. Zwischendurch gönnt er sich mal einen Smoothie oder ein Stück Kuchen. "Ab und zu sündigen ist erlaubt", findet der 35-Jährige.

Er fährt jeden Tag mit dem Rad ins Büro. Anfangs fiel ihm das schwer, jetzt ist es zur Routine geworden. "Fühlt sich gar nicht mehr wie Sport an", findet Klotzbier. 100 Kilometer legt er in der Woche mit dem Rad zurück. Für seine tägliche Zehn-Kilometer-Strecke benötigte er im Februar noch 50 Minuten, jetzt braucht er nur noch 35.

Auch Nordic Walking hat Klotzbier für sich entdeckt. In der Woche legt er durchschnittlich 40 Kilometer zurück. Zwischendurch baut er den "Bouncing Walk" in sein Training ein, eine Zwischenstufe zwischen Gehen und Laufen, bei der immer ein Fuß auf dem Boden bleibt. Diese Art der Fortbewegung ist gelenkschonender als Joggen, aber anstrengender als normales Gehen.

Bauchvergleich: Doktor Dimeo (rechts) fordert intensiveres Training
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Was sagt der Arzt?

40 Kilo in sechs Monaten zu verlieren - ist das nicht unglaublich viel? Nein, findet Fernando Dimeo. Das sei nicht ungewöhnlich. "Wenn jemand ein absurd hohes Gewicht hat und anfängt, normal zu essen, sich normal zu bewegen - dann nimmt er natürlich schnell ab", so der Arzt.

Er empfiehlt außerdem, das Trainingsprogramm ein wenig zu verändern. "Wer ohne große Anstrengung zweieinhalb Stunden lang spazieren gehen kann, belastet sein Herz- und Kreislaufsystem nicht ausreichend." Dimeo empfiehlt deshalb, bergauf zu walken, zum Beispiel auf dem Laufband. Dadurch würden die Strukturen, also Bänder und Sehnen um die Knie herum, gestärkt - eine wichtige Grundvorausetzung fürs Laufen.

Wie geht es jetzt weiter?

Seinem Ziel Marathon ist Klotzbier ein kleines Stück näher gekommen. Aber der Weg ist noch weit. Erst wenn er unter 100 Kilo wiegt, darf er mit dem Lauftraining beginnen.

Erst dann wird man absehen können, wie der Körper auf die neue Belastung reagiert. Beim Gesundheitscheck im IFD in Köln diagnostizierten die Ärzte bei Klotzbier Arthrose im linken Knie - eine zusätzliche Hürde auf dem Weg zum Marathon.

Klotzbier aber glaubt nach wie vor an seinen Traum. Das darf er auch. Bislang läuft alles nach Plan.

Wie es mit Michael Klotzbiers Marathon-Vorhaben weitergeht, lesen Sie in regelmäßigen Abständen auf SPIEGEL ONLINE und auf Michas Abnehm-Blog bei achim-achilles.de.

Lesen Sie im aktuellen SPIEGEL, wie Laufen das Denken verbessert.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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Von Julia Schweinberger



insgesamt 150 Beiträge
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siebenh 01.08.2015
1. Klar muss es der Marathon sein
Ich weiß nicht, was die Menschen zwischen 30 und 50 haben. In erster Linie Männer. Irgendwas im Kopf scheint da falsch zu laufen. Plötzlich, nach 30 Jahren nichts machen, muss es der Marathon sein. In dieser Geschichte musste der Körper nicht nur das Nichtstun ertragen, sondern auch noch das Fett in allen Winkeln des Körpers. Aber jetzt muss es alles sein, der Marathon. Früher war es das Cabrio, jetzt das Laufen. Seht her, wie potent ich noch bin. In meinem Bekanntenkreis laufen urplötzlich auch alle wie die Bekloppten. Grundsätzlich schön, dass sie alle Sport machen, aber immer gleich der Marathon. Das heiligste, klar. Leute, das ist eine der größten Anstrengungen, die der Körper ertragen kann. Und zwar der Körper, der trainiert und gewöhnt ist an Belastung. Die anderen, die jetzt eine Krise und Probleme weglaufen wollen, tun sich damit nichts Gutes. Aber das kapieren die meisten nicht. Mein Rat ist, lernt das schöne Laufen. 5-10 Kilometer ganz entspannt. Dann macht man das evtl ein Leben lang und bleibt, bei richtiger Ernährung, gesund. Immer gleich die Keule - warum???
NeuerFitnessFreak 01.08.2015
2. Weiter so!
Weiter so, Michael! Ich habe mich extra im Spiegel-Forum angemeldet, um Dir mein Unterstuetzung auszusprechen. Ich habe selber mein Leben vor ca. einem Jahr umgekrempelt und angefangen meine Gesundheit in den Vordergrund zu stellen. Es war definitiv meine beste Entscheidung seit Ewigkeiten. Viel Erfolg beim Erreichen Deiner Ziele - und lass Dich nicht von den unvermeidbaren folgenden negativen Kommentaren runterziehen! Du bist auf dem richtigen Weg!
klaus meucht 01.08.2015
3. Ziele
Es ist gut Ziele zu setzen, aber muss es gleich ein Marathon sein? Bevor man ein Marathon als Ziel setzt, sollte man doch erst einmal 10 km und später Halbmarathon laufen. Schafft man diesen kann man später immer noch die Ziele höher setzen. Diese Extrembeispiele als Orientierung empfinde ich nicht als motivierend, sie führen eher zum Frust. Wenn andere von 160kg Gewicht in wenigen Jahren zum Marathonläufer werden, wirken kleinere Erfolge wie eine Niederlage.
hschmitter 01.08.2015
4.
Wieso ist alles immer eine Mission ? Ziel täte es auch. Projekt, Challenge, Check....
sandbaum30 01.08.2015
5. Wow!
Da nimmt jemand 40 Kilo in nur 6 Monaten ab und der Arzt ist unzufrieden??? Ich finde das unglaublich stark! Weitermachen und zu einem empathischeren Arzt wechseln, der diese Leistung anerkennt!
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