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Sport und Menstruation: Kann ich laufen, wenn ich meine Tage habe?

Keine Ausrede für Sport: Joggen trotz Periode Zur Großansicht
Corbis

Keine Ausrede für Sport: Joggen trotz Periode

Die weiblichen Hormone spielen beim Sporttreiben eine entscheidende Rolle. Aber niemand redet gern über den Menstruationszyklus. Anna Achilles über ein unbeliebtes Thema.

Frau sein ist anstrengend. Einmal im Monat müssen wir uns mit etwas beschäftigen, von dem Männer lieber nichts hören wollen. Seine Tage zu bekommen, nervt. Erst recht, wenn wir Sport machen. Oder schlimmer: einen Wettkampf haben. Dennoch ist die Periode kein Grund, auf Bewegung zu verzichten. Die wichtigsten Fakten.

Sollte man während der Periode Sport treiben?

Jede Frau nimmt die Beschwerden während der Regel anders wahr. Manche leiden unter so starken Bauchkrämpfen, dass sie nur im Bett liegen können. Im Allgemeinen gilt aber: Die Periode ist keine Ausrede für Sport. Im Gegenteil: "Bewegung hilft gegen das unangenehme Ziehen im Unterleib", sagt Petra Platen, Sportmedizinerin der Ruhr-Universität Bochum. Außerdem wirke sich Sport positiv auf die Psyche aus. Die meisten Frauen würden sich danach besser fühlen, so Platen.

Warum fühlt man sich so schlapp, kurz bevor die Periode einsetzt?

Über zickige Frauen heißt es oft: "Die hat wohl ihre Tage". Diese Floskel nervt nicht nur, sie stimmt auch nicht. Besser müsste es heißen: "Die bekommt wohl bald ihre Tage." Schuld ist das Hormon Progesteron. Es arbeitet vor Einsetzen der Periode auf Hochtouren und bereitet den Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor: Wasser wird eingelagert, die Brüste spannen. Während das sogenannte prämenstruelle Syndrom (PMS) für viele Gynäkologen ein gängiges Phänomen ist, stellen einige Wissenschaftler es mit der Begründung infrage, es gebe keine hinreichenden Beweise, dass Stimmung und Monatszyklus zusammenhängen.

Frauen, die weder Pille noch andere Hormonpräparate nehmen, stecken Platen zufolge zudem kurz vor Einsetzen der Blutung in einem Leistungstief: "In der zweiten Zyklushälfte ist die Körpertemperatur erhöht. Dadurch ist Sporttreiben anstrengender, und die Ausdauer sinkt." Wenn die Progesteronbildung zurückgehe, würden auch die Beschwerden nachlassen, so die Sportmedizinerin.

Interessanter Nebenaspekt: Am leistungsfähigsten sind Frauen kurz vor dem Eisprung. Frauen fühlen sich nicht nur wohler in ihrem Körper, sondern sind auch sportlich fitter.

Was soll man benutzen: Tampons, Binden oder eine Menstruationstasse?

Durch ruckartige Bewegungen kann sich beim Sport mehr Blut auf einmal lösen. Eine gute Alternative zu Tampons und Binden: die Menstruationstasse. Das trichterähnliche Gefäß aus Silikon oder Kunststoff wird in die Scheide eingeführt und fängt dort das Blut auf. Klingt absurd, funktioniert aber erstaunlich gut. Man muss sie seltener leeren, als ein Tampon gewechselt werden muss. Beim Sport ist die Tasse ideal: Sie sitzt gut, und nichts tropft daneben. Ein weiterer Vorteil beim Schwimmen: Es können keine Tamponbändchen aus der Bikinihose hervorlugen.

Wie soll man während der Periode essen?

Grundsätzlich muss man sich während der Periode nicht anders ernähren. Es lohnt sich aber, hin und wieder seine Eisenwerte kontrollieren zu lassen. "Durch die Periode haben Frauen einen höheren Eisenbedarf als Männer. Leiden Sportlerinnen unter Eisenmangel, merken sie das an ihrer Ausdauerleistung", sagt Petra Platen. Eisen ist vor allem in Lebensmitteln wie Hirse, Feldsalat, Mandeln enthalten, aber auch in rotem Fleisch. Die Sportmedizinerin empfiehlt Letzteres, da der Körper das Eisen aus Fleisch besser aufnehmen könne. Reicht das nicht aus, kann der Eisenbedarf mit Tabletten gedeckt werden.

Wichtig sei zudem, dass Sportlerinnen, die sehr viel trainieren und einen geringen Körperfettanteil haben, oft an Amenorrhoe leiden, dem Ausbleiben der Regelblutung. In Kombination mit schlechtem Essverhalten könne das zu Osteoporose führen. "Gerade deshalb sollte man vermehrt darauf achten, Eisen und auch Kalzium zu sich zu nehmen", so Platen.

Was machen Profisportlerinnen, wenn sie ihre Tage haben?

Meine persönliche Horrorvorstellung: Es ist Wettkampftag - und ich habe meine Tage. Bislang bin ich immer verschont geblieben. Zum Glück. Aber wie machen das die Profisportlerinnen? Wenn es wirklich um etwas geht? Natürlich überlassen sie nichts dem Zufall: "Viele Sportlerinnen nehmen die Pille oder einen Hormonring. So kann man zum einen den Zyklus kontrollieren und Menstruationsbeschwerden lindern. Zum andern kann man die Regel verschieben, wenn die Periode gerade auf einen Wettkampftag fallen würde", sagt Ingalena Heuck, ehemalige deutsche Meisterin im Halbmarathon.

Bevor man die Pille nimmt, sollte man sich gut über die möglichen Nebenwirkungen informieren. Mein Vorschlag: Wettkämpfe so planen, dass sie in die erste Zyklushälfte nach der Periode fallen. Wenn das nicht geht, auch nicht schlimm: Sollte es im Wettkampf schlecht laufen, hat man wenigstens eine Ausrede. Waren halt die Hormone schuld.

Annas Lieblingsübungen

Norwegischer Sonnengruß

Ort: In der Nähe von Sogn, auf dem Weg zum Jostedalsbreen, dem größten Gletscher auf europäischem Festland: 40 Kilometer lang, 15 Kilometer breit.

Übung: Auf dem Bauch liegen und den Oberkörper nach oben strecken. Die Übung stammt aus dem Yoga. Die Position ist Teil des Sonnengrußes.

Gletscher-Kniebeuge

Ort: Am Fuße der Gletscherzunge Nigardsbreen

Übung: Schulterbreit positionieren und die Knie beugen. Wichtig dabei ist: den Rückenstrecker bewusst anspannen und das Gesäß weit nach hinten schieben. Die Arme helfen dabei, das Gleichgewicht zu halten. Wer die Übung korrekt ausführt, hält seinen Unterkörper in Schuss.

See-Waage

Ort: Irgendwo in der norwegischen Pampa zwischen Grong und Mo i Rana

Übung: Linken Arm und rechtes Bein ausstrecken und wieder zum Körper ziehen. Zehn Wiederholungen und die Seiten wechseln. Gut für Bauch, Beine und Po.

Schnee-Hund

Ort: Auf dem Sognefjellsveien, der höchstgelegenen Passstraße Nordeuropas

Übung: Beine strecken und Hände schulterbreit vor sich auf den Boden legen. Der Kopf hängt entspannt nach unten. Die Fersen sollten im Idealfall den Boden berühren. Wer wie ich mit eher kurzen Bändern ausgestattet ist, schiebt seine Fersen in Richtung Boden, so weit es eben geht.

Wasserfall-Schwimmer

Ort: Oberhalb des Polarkreises im Saltfjellet-Svartisen-Nationalpark

Übung: Auf dem Bauch liegend Füße und Oberkörper anheben. Die Arme sind angewinkelt und ebenfalls angehoben. Jetzt die Arme abwechselnd vor- und zurückschieben. Die Schultern dabei in Richtung der Wirbelsäule ziehen. Stärkt den Rücken.

Eis-Sit-Ups

Ort: Im Saltfjellet-Svartisen-Nationalpark, kurz vor einem der Gletscherarme des Svartisen-Gletschers

Übung: Auf dem Rücken liegen, die Beine sind angewinkelt in der Luft. Die Arme liegen neben dem Körper oder werden hinter dem Kopf verschränkt. Den Oberkörper anheben und wieder absenken. Wichtig dabei: den Bauch anspannen.

Strand-Seitstütz

Ort: Eggum auf den Lofoten

Übung: Auf Unterarm und Füßen abstützen, Becken und Oberkörper anheben. 30 Sekunden lang halten, dann die Seiten wechseln. Stärkt die Körpermitte.

Gipfel-Liegestütz

Ort: Auf dem Gipfel des Festvagtinden in der Nähe von Henningsvaer (Lofoten)

Übung: Ausgangsposition wie auf dem Bild: auf Händen und Füßen abstützen. Jetzt langsam den Oberkörper absenken, bis man mit der Nasenspitze fast den Boden berührt. Wichtig dabei: eine gerade Linie bilden. Wer es härter mag, legt sich für die Ausgangsposition auf den Boden und drückt sich von dort nach oben.

Wiesen-Planking

Ort: Eggum auf den Lofoten

Übung: Auf Unterarmen und Füßen abstützen und sich dabei hart wie ein Brett machen. Der Körper sollte eine gerade Linie bilden. Stärkt die Körpermitte.

Berg-Schneidersitz

Ort: Jostedalsbreen

Übung: Die Beine übereinanderschlagen für einen Schneidersitz. Den Rücken gerade halten, die Augen schließen und entspannen. Tut auch mal gut.

ZUR PERSON
  • Christine Scholz
    Jahrgang 1987 und Nichte von Achim Achilles. Für den Wunderläufer stellt sie aber keine Konkurrenz dar: Anna ist notorisch trainingsfaul und mindestens so untalentiert wie ihr Onkel. Ihr Motto: Bewegung soll Spaß machen und muss nicht wehtun. Anna lebt in München und macht zurzeit ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk.
  • Anna auf Facebook

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 60 Beiträge
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1.
Rainer Helmbrecht 14.07.2015
Ich kannte meine Frau seit Kindertagen und von daher weiss ich, sie war ein medizinisches Wunder, sie hatte immer, wenn in der Schule Sport angesagt war, ihre Tage, das fiel sogar ihren Lehrern auf, aber die konnten sich gegen dieses Naturgesetz nicht Wehren. MfG. Rainer
2. Voll meine Zustimmung
nika 14.07.2015
Ich selbst hatte schon immer Beschwerden während der Tage, die sich seit meiner Jugend verstärkt hatten. Medikamente wollte ich nicht nehmen. Mein Arzt hat mir daraufhin geraten, doch Ausdauersport zu treiben, also Laufen, Walken, Radfahren, Gymnastik oder so. Diesen Rat hatte ich beherzigt und fahre seitdem regelmäßig mit dem "Radl" hin und her und muss zugeben, dass sich die Beschwerden seitdem im Rahmen halten. Auch prämenstruale Depressionen, die ich vorher recht häufig hatte, sind seitdem abgeklungen. Also ich kann daher nur Jedem raten in diese Richtung was zu unternehmen. Sich nur zu Hause verkriechen und jammern, dass der Bauch weh tut, hilft nichts und macht es nur noch schlimmer.
3. Da
bafibo 14.07.2015
habe ich andere Erfahrungen: Am Tag vor dem Einsetzen der Periode hatte ich immer das Gefühl, Bäume ausreißen zu können, und ich war an diesen Tagen auch häufig aktiver als sonst (aber Leistungssport habe ich nie betrieben). Zudem hätte ich Probleme bekommen, Wettkämpfe zu planen, denn mein Zyklus war immer unregelmäßig und schwankte zwischen 30 und 35 Tagen (von wegen 28 Tage, das scheint mir ein statistisches Artefakt zu sein). Wie ich mal zu einer Freundin sagte, die behauptete, ihre Periode wäre regelmäßig wie ein Uhrwerk: "wenn meine Periode eine Uhr wäre, hätte ich sie schon längst weggeschmissen". Ich bzweifle, daß ich mit diesem Regelmäßigkeitsproblem alleine bin - aber natürlich läßt sich der Zyklus mit Hilfe der Pille zur Regelmäßigkeit zwingen.
4. Zyklus
christiana.springer 14.07.2015
Mit der Pille hat man ja auch keinen Zyklus mehr und hormonell wird man dauerhaft in einen zustand versetzt, die der zeit vor der Menstruation ähnelt. Daher leiden ja sehr viele Frauen,die die Pille nehmen an den typjschen PMS Problemen. Auch hier hat man dauerhaft eine erhöhte Körpertemperatur daher erschliesst mir der Vorteil nicht den Profi Sportlerinnen haben könnten. Votallem wenn der Muskelaufbau unter der Pille leidet ist dies ja kontraproduktiv.
5. Dieser Artikel...
joco0708 14.07.2015
ist einer der dümmsten Berichte die ich jemals gelesen habe.
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