Laufschuhe: "Ihre Schuhe sehen ziemlich fertig aus"

Er trägt uralte Jogging-Schuhe mit dicken Specksohlen. Kolumnist Frederik Jötten ist nicht auf der Höhe der Zeit. Doch eine Laufanalyse im Sportgeschäft macht ihn zum Lauf-Papst.

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Schuhe beim Wettkampf: Sechs Wochen testen und dann zurückgeben

Das Alter meiner Laufschuhe lässt sich nur noch mit der Kaugummi-Käsefuß-Methode bestimmen. Die Datierung habe ich so vorgenommen: Ich weiß, dass ich mit den Schuhen in einen Fluss gefallen bin - danach stanken sie unerträglich muffig. Ich musste sie mindestens fünf Jahre vollschwitzen, bis sie wieder nach mir rochen. Außerdem befinden sich an der Sohle Reste von 25 Kaugummis. Deren Anzahl ist proportional zur Anzahl der gelaufenen Kilometer.

Daraus habe ich errechnet, dass ich sieben Jahre mit ihnen gelaufen sein muss. Bis auf diese minimalen optischen und olfaktorischen Beeinträchtigungen fand ich die Dinger gerade noch tipp-topp. Vorne hat sich letztes Jahr mal ein Stück Sohle abgelöst, aber der Schuster konnte es kleben, für zwei Euro und seitdem hält es.

Aber jetzt habe ich mit einem führenden Fuß- und Sportschuh-Experten geredet, Markus Walther, Professor für Fußchirurgie in München und Vorsitzender der Gesellschaft für Fußchirurgie. "Ihre Schuhe sehen ziemlich fertig aus", sagte er zu mir. "Sie sollten sich neue zulegen." Sie seien nicht nur abgenutzt, sondern entsprächen auch nicht dem neusten Stand der Fußforschung . Besonders die dicken Specksohlen sind wohl nicht mehr Up-to-date.

Höchste Zeit für etwas Neues

Ein paar Tage später stehe ich in der Filiale einer großen Sportgeschäftekette. Zwischen den Laufkappen und den Shirts mit dem Aufdruck für den nächsten Marathon - von BMW und dem Sportgeschäft gesponsert - steht ein Laufband, darauf ein Aufsteller: "Nur unter Aufsicht benutzen." Hört sich nach Schulhof an. Egal. Ich finde die Aufsicht vor dem Laufschuhregal. "Ich würde gerne eine Laufanalyse machen", sage ich. - "Welche Schuhe hatten Sie bisher?", fragt er. Ich habe sie im Rucksack und zeige sie ihm. Er lächelt süffisant. "Na, da wird es wirklich Zeit für etwas Neues."

Der Verkäufer bittet mich barfuß aufs Laufband, eine Kamera filmt von hinten meine Haxen. "Ich stelle es relativ langsam ein, für den Anfang, sechs Kilometer pro Stunde." Mir wird also der Boden unter den Füßen weggezogen, ich habe das Gefühl, mich gleich auf die Schnauze zu legen. Ich stand noch nie auf einem Laufband, das ist überhaupt nicht mein Tempo, viel zu schnell!

Vielleicht sind alle Schuhe hier zu professionell für mich. Ich gebe aber alles und schaffe es tatsächlich, nicht hinzufallen. Vor mir auf dem Monitor sehe ich meine Füße aufstampfen. "Sie kommen senkrecht auf dem Boden auf, sie brauchen einen normalen Schuh", sagt der Experte. Ich greife im Regal zu dem neutralen Schuh mit dem dünnsten Absatz, nochmal Laufband, passt, fühlt sich gut an. Sieht aber unmöglich aus. Ein grelles rotorange, ein Katastrophenschutzschuh!

Es geht nicht ums Aussehen

Ich hadere mit mir. "Ich sage es mal vorsichtig: Wenn man nach sieben Jahren einen neuen Schuh versucht, dann fühlt sich jeder Schuh ungewohnt an", sagt der Experte. "Wenn Sie eine Kundenkarte haben, können Sie ihn sechs Wochen testen und danach auch noch zurück geben." - "Sie meinen, auch dann, wenn man im Park Steine nach mir wirft, weil die Menschen beim Anblick der Schuhe seltene Augenkrankheiten bekommen?" Er lächelt. "Ja, auch dann."

Direkt nachdem ich die Schuhe gekauft habe, bin ich zum Mittagessen mit meiner Mutter verabredet. Ich greife in die Tasche, um sie ihr zu zeigen. "Sie sehen ein wenig gewöhnungsbedürftig aus", bereite ich sie vor. Die Einkaufstasche leuchtet innen rot, als ich den Schuhkarton öffne. Meine Mutter lacht, als ich ihr die Laufschuhe entgegen halte. "Wie die Schuhe vom Papst!", sagt sie. Darauf war ich noch nicht gekommen. Aber ja, ab heute predige ich unendlich langsames Laufen! Ich bin der neue Laufpapst.

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insgesamt 28 Beiträge
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1.
Sleeper_in_Metropolis 14.08.2013
Aber wenn es sich um einen normalen Schuh für einen normalen Fuß handelt, sollte doch in einem Fachgeschäft auch noch ein zweites Paar, das nicht in Signalfarben gehalten ist zu haben sein, oder ?
2. Alter
helianthe 14.08.2013
spielt bei Laufschuhen eine große Rolle! Vor allem auch das,des Besitzers! Je älter der Besitzer umso besser sollte das Schuhwerk sein! Nur die besten Laufschuhe nutzen nichts,wenn sie nur rumstehn! Laufen muss man schon selbst!b;-)
3.
slartibart 14.08.2013
Zitat von sysopAPEr trägt uralte Jogging-Schuhe mit dicken Specksohlen. Kolumnist Frederik Jötten ist nicht auf der Höhe der Zeit. Doch eine Laufanalyse im Sportgeschäft macht ihn zum Lauf-Papst. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/laufschuhe-mit-laufanalyse-zum-joggingschuh-a-916351.html
Ich würde Barfußschuhe empfehlen. Das ist zwar eine Umgewöhnung im Laufstil,aber wohl das gelenkschonendste und effektivste was man seinen Beinen antuen kann. Die supergedämpften gelgefederten wasweisichnochalles verbesserten Laufschuhe sind eine Katastrophe für 200000 Jahre Evolution der aufrechtgehenden Primaten.
4.
mr.ious 14.08.2013
Zitat von Sleeper_in_MetropolisAber wenn es sich um einen normalen Schuh für einen normalen Fuß handelt, sollte doch in einem Fachgeschäft auch noch ein zweites Paar, das nicht in Signalfarben gehalten ist zu haben sein, oder ?
Normaler Fuß, normaler Schuh ? Also es gibt gerade welche, die von dem biblischen König geschnitzt werden und die leuchten auch in der umgekehrten Farbkombination wie beschrieben. Was ist aber mit dem Fehlen der Verknotungsmöglichkeit ? Da hat der Herr Laufpapst wohl was an Neuerung übersehen, auch wenn ich nicht weiß ob wir tatsächlich das selbe Model meinen. Das es sowas früher nicht gab, das bemerkt man aber auch wenn man es nicht so kauft. Soll nach Pilgerwanderung nach Santiago de Compostela angeblich keine Anzeichen von Verschleiß erkennen lassen. Fühlt sich auch gar nicht schlecht an. Aber von wegen "normaler Fuß". Das ist ja nicht unbedingt der Grund für probleme beim Joggen oder Laufen. Kann man ja auch in den verlinkten Antworten im Artikel genauer lesen, auch wenn die alle auf den selben Atrikel verlinkt sind. Ich laufe wegen einer Fehlstellung falsch und habe dadurch auch die beschriebenen beschwerden die der Herr Walther da anspricht un bin über eien Sportgeschäft-Laufbandanalyse auf genau den richtigen Trichter gebracht worden. Das dumme ist nur das laufen nicht gleich laufen sein muß. Wenn ich jogge habe ich wegen der kürzeren Schritte weniger Zeit die benötigte und nur einseitig stattfindende Korrekturbewegung zu machen und bekomme so bei weniger Belastung mehr Beschwerden(alles selber erruierbar nach dem Laufband-Hinwies vor 13 oder 14 Jahren). Do. 50 Fr. 50 Sa. 60 So. 50 Mo. 40/40 in 3h Di. 30/30/30 in 6h Heute noch nicht, aber wie die Laufminuten (Joggen) zeigen, so schlimm ist das nicht, man muß nur wissen was falsch und richtig beim laufen oder joggen ist.
5. Und was empfehlen Sie morgen?
zensorsliebling 14.08.2013
Zitat von slartibartIch würde Barfußschuhe empfehlen. Das ist zwar eine Umgewöhnung im Laufstil,aber wohl das gelenkschonendste und effektivste was man seinen Beinen antuen kann. Die supergedämpften gelgefederten wasweisichnochalles verbesserten Laufschuhe sind eine Katastrophe für 200000 Jahre Evolution der aufrechtgehenden Primaten.
Ich habe hier noch ein Paar Brütting Laufschuhe, so wie wir sie früher von der Bundeswehr kannten. Sind die jetzt überdämpft oder unterdämpft oder up to Date. Ich finde das alberne Gewese was Sportausrüstung gemacht wird super dämlich. Warum brauchen erwachsene Menschen jemanden, der ihnen sagt, was für sie gut ist. Finden Sie das nicht selbst heraus? Oder suchen sie nur nach jemandem, der ihnen sagt, was sie demnächst kaufen sollen? Quasi als Entschuldigung für Mutti? Die meckert doch immer wenn die neuen Schuhe wieder sooo teuer waren und trotzdem nicht vorführbar sind.
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