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Fastfood: Nestlé, Kraft und Co. schaden Ernährung in Entwicklungsländern

Limonadennachschub in Indien: Lebensmittelkonzerne erschließen zunehmend ärmere Länder Zur Großansicht
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Limonadennachschub in Indien: Lebensmittelkonzerne erschließen zunehmend ärmere Länder

Softdrinks, Fertiggerichte und Alkohol: Der ungesunde Lebensstil westlicher Gesellschaften erreicht zunehmend die Entwicklungsländer. Ursache dafür ist nicht nur der steigende Wohlstand. Eine Studie beschuldigt jetzt die Lebensmittelkonzerne.

Zum Frühstück eine Cola, mittags eine Fertigpizza und abends Chips: Viele Menschen verbinden mit einer derartigen Ernährungsweise vor allem die USA und andere Industrienationen. Doch der ungesunde Ernährungsstil entwickelt sich einer aktuellen Studie zufolge auch immer mehr zum Problem für die Bewohner in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Während bisher weitgehend der Wohlstand der Bevölkerung für das Ernährungsdilemma verantwortlich gemacht wurde, machen Forscher aus Großbritannien, Indien und den USA eine ganz andere Ursache dafür aus: Der Konsum von gesüßten Erfrischungsgetränken und verarbeiteten Lebensmitteln nimmt in armen Ländern rapide zu, heißt es in der im Fachjournal "PLoS Medicine" veröffentlichten Studie. Dadurch steige auch das Risiko für Fettleibigkeit, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes stark an. Grund dafür sei vor allem die Ausbreitung großer Lebensmittelkonzerne.

Neben Tabak und Alkohol zählen verarbeitete Lebensmittel und Erfrischungsgetränke wegen ihres hohen Gehalts an Zucker, Salz oder Fett zu den Risikofaktoren für Übergewicht und viele damit einhergehende chronische Krankheiten.

Softdrink-Konsum: Rasanter Anstieg in Vietnam und Indien

Das Team um den Soziologen David Stuckler von der englischen University of Cambridge hatte für die Untersuchung offizielle Verkaufszahlen ausgewertet. Die Wissenschaftler analysierten für bis zu 80 Länder, wie sich der Verkauf von Softdrinks, Snacks und anderen Fertigprodukten seit 1997 gewandelt hat - und bis 2016 voraussichtlich noch wandeln wird.

Dabei zeigte sich, dass der Konsum von verarbeiteten Lebensmitteln und Erfrischungsgetränken in manchen Teilen von Entwicklungs- und Schwellenländern sogar schneller anwächst als früher in den Industrienationen. Ursache dieses Trends ist laut den Zahlen vor allem die verstärkte Präsenz internationaler Lebensmittelkonzerne wie Nestlé, Kraft, Pepsi oder Danone.

Die Unternehmen seien in vielen Schwellenländern inzwischen ähnlich stark vertreten wie in den Industriestaaten, schreiben die Forscher. So steige etwa der Konsum von gesüßten Erfrischungsgetränken wie Cola oder Limonade besonders rapide in Vietnam und Indien, gefolgt von Ägypten, China, Tunesien, Kamerun und Marokko. Begünstigt werde dies durch die Liberalisierung der Wirtschaft oder Freihandelsabkommen: Diese erleichtern den Lebensmittelkonzernen, in die regionalen Märkte einzusteigen. Berichte lassen darauf schließen, dass einheimische Produzenten dadurch zunehmend verdrängt werden.

Dass der steigende Konsum nicht, wie bisher häufig angenommen, eine zwangsläufige Folge von Wohlstand sei, beschreiben die Forscher an den Beispielen von Mexiko und Venezuela. In Mexiko stieg der Konsum von Erfrischungsgetränken seit den neunziger Jahren nach einem Freihandelsabkommen mit den USA auf internationale Rekordwerte an: Mexikaner trinken pro Kopf durchschnittlich mehr als 300 Liter Softdrinks pro Jahr. Gleichzeitig hat Mexiko von allen Entwicklungsländern den höchsten Anteil übergewichtiger Kinder. In Venezuela dagegen, das kein Freihandelsabkommen mit den USA hat, blieb der Konsum der gesüßten Getränke seit den neunziger Jahren weitgehend konstant - trotz steigenden Wirtschaftswachstums.

Lösungsmöglichkeiten: Steuern aufs Ungesunde

Um den Verzehr ungesunder Produkte zu bremsen, könnten Länder Steuern auf ungesunde Lebensmittel erheben, raten die Forscher. Gleichzeitig betonen sie, dass viele Konzerne in Industrieländern angekündigt haben, in ihren Produkten den Gehalt von Salz, Zucker oder ungesunden Fetten zu senken. Solche Schritte würden jedoch in Entwicklungs- und Schwellenländern meist nicht angewendet.

Ein Sprecher von Nestlé etwa erklärte, das Unternehmen trage weltweit dazu bei, die Ernährung und die Gesundheit der Menschen zu verbessern. Dazu würden Nahrungsmitteln etwa mit gesundheitsfördernden Nährstoffen wie Eisen, Vitaminen oder Mineralstoffen angereichert. Gleichzeitig habe Nestlé in den vergangenen Jahren in seinen Produkten die Konzentrationen von Salz, Zucker und Fett gesenkt.

irb/dpa

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1. Immer sind es die anderen....
nero1989 27.06.2012
Neinnnnn man ist nicht selber Schuld wenn man das Zeug von denen kauft und verzehrt. Ich kenne die Preise fuer Wasser in den gennanten regionen nicht, aber das wird wahrscheinlich billiger sein als Sofdrinks. Statt gesunde Ernaehrung zu foerdern lieber eine Steuer draufklatschen. Bringt wenigstens nebenher noch Geld in die Kasse. Jeder kann sich den Zuckergehalt von Cola auf der Flasche angucken wer es dann noch trinkt sollte sich wohl eher nicht ueber die ungesunden Lebensmittel aufregen. Boese boese Lebensmittelkonzerne!
2. Schon
charlybird 27.06.2012
Zitat von nero1989Neinnnnn man ist nicht selber Schuld wenn man das Zeug von denen kauft und verzehrt. Ich kenne die Preise fuer Wasser in den gennanten regionen nicht, aber das wird wahrscheinlich billiger sein als Sofdrinks. Statt gesunde Ernaehrung zu foerdern lieber eine Steuer draufklatschen. Bringt wenigstens nebenher noch Geld in die Kasse. Jeder kann sich den Zuckergehalt von Cola auf der Flasche angucken wer es dann noch trinkt sollte sich wohl eher nicht ueber die ungesunden Lebensmittel aufregen. Boese boese Lebensmittelkonzerne!
mal was von Werbung gehört?
3.
man_vs_ape 27.06.2012
Zitat von nero1989Neinnnnn man ist nicht selber Schuld wenn man das Zeug von denen kauft und verzehrt. Ich kenne die Preise fuer Wasser in den gennanten regionen nicht, aber das wird wahrscheinlich billiger sein als Sofdrinks. Statt gesunde Ernaehrung zu foerdern lieber eine Steuer draufklatschen. Bringt wenigstens nebenher noch Geld in die Kasse. Jeder kann sich den Zuckergehalt von Cola auf der Flasche angucken wer es dann noch trinkt sollte sich wohl eher nicht ueber die ungesunden Lebensmittel aufregen. Boese boese Lebensmittelkonzerne!
Eben nicht, Cola ist oftmals billiger als Wasser! Viele ärmere Länder nehmen ausserdem unseren westlichen Lebenstil als Vorbild, sehr zum Schaden ihrer eigenen Essenskultur und auch der allgemeinen Kultur
4. Ich habe...
manzanillo 27.06.2012
10 Jahre in Costa Rica gelebt und in dieser Zeit bemerkt, dass Kinder und Jugendliche immer dicker wurden...kein Wunder, wenn die Mama statt Milch o.ä. Cola, Fanta etc. ins Fläschchen füllt...es waren Kleinstkinder darunter, die bereits faulende (Milch)zähne hatten. Auch galt ein "Abendessen" mit der gesamten Familie bei Mc & Co. als der letzte Schrei. Alles ist massiv mit Werbung für die gesamte Schrottpallette zugepflastert; die Unwissenheit der meist ländlichen Bevölkerung wird gnadenlos ausgenutzt. Die ambulanten Strassenhändler mit traditionellen Gerichten wurden z. T. von den Konzernen von den Strassen geklagt...
5. Naiv
götzvonberlichingen_2 27.06.2012
Zitat von nero1989Neinnnnn man ist nicht selber Schuld wenn man das Zeug von denen kauft und verzehrt. Ich kenne die Preise fuer Wasser in den gennanten regionen nicht, aber das wird wahrscheinlich billiger sein als Sofdrinks. Statt gesunde Ernaehrung zu foerdern lieber eine Steuer draufklatschen. Bringt wenigstens nebenher noch Geld in die Kasse. Jeder kann sich den Zuckergehalt von Cola auf der Flasche angucken wer es dann noch trinkt sollte sich wohl eher nicht ueber die ungesunden Lebensmittel aufregen. Boese boese Lebensmittelkonzerne!
Wasser ist womöglich teurer und vor allem nicht wirklich Trinkwassertauglich. Und seit wann steht denn der genaue Zuckergehalt auf diesen Getränken? Der ist doch so verschlüsselt aufgeführt das es an Täuschung grenzt - wobei nicht einmal gesagt ist, dass diese Angabe in diesen Ländern aufgeführt werden muss. Es hat zudem nicht jeder Mensch auf diesem Planeten so eine tolle Bildung erhalten wie Sie. Gut möglich das man dort nicht wirklich die Gefahren von Cola & Co kennt.
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