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Achilles' Verse: Renn um dein Leben!

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Teilnehmer beim Life Run 2012: Das Laufen kommt mitten im Leben an Zur Großansicht
Kalle Henkel

Teilnehmer beim Life Run 2012: Das Laufen kommt mitten im Leben an

Beim Life Run laufen Menschen mit, denen kaum jemand körperliche Höchstleistungen zugetraut hätte. HIV-positive Sportler rennen bei der Spendengala rund ums Flugfeld in Tempelhof. Der Infektion trotzend bereiten einige von ihnen sich gar auf den Berlin-Marathon vor.

Ralph hat bis spät in den Abend telefoniert, um wenigstens einen Sponsor für das Crew-Wasser zu finden. Unterstützer zu finden für einen kleinen Lauf, bei dem HIV-Positive mitmachen, das ist nicht so einfach. Kurz vor 22 Uhr war es endlich soweit: Kaisers spendierte Buddeln für die Helfer. Wieder was geschafft.

Ralph Ehrlich, 49, ist ein angenehm unprofessioneller Laufveranstalter, der sogar höflich beim Platzhirschen, den Marathon-Veranstaltern vom SCC Berlin anfragt, ob es denn auch wirklich okay sei, dass er seinen Life Run in Tempelhof veranstalte. Ralph will keinem in die Quere kommen, sondern einfach nur seinen kleinen Spendenlauf für die Berliner Aidshilfe durchziehen, knapp 300 Starter, doppelt soviel wie im vergangenen Jahr.

Man könnte den Life Run für eine gespenstische Veranstaltung halten. HIV-Positive und alle anderen wetzen ein oder zweimal die Fünf-Kilometer-Runde ums Flugfeld. Können die das? Dürfen die das? Wie war das noch mit der Übertragung? Ist da nicht was im Schweiß? Man liest doch soviel. Und was ist mit dem schwer Keuchenden da vorn? Macht der noch lange? Ach nee, das war nur Achilles.

Der Life Run bringt das Laufen dorthin, wo es hingehört - ins Leben. Kein manisches Stoppuhr-Gegeiere, viel Lachen und den schmackigsten Applaus für die Allerletzten. Weg mit dem Tunnelblick. So muss das sein. Laufen ist eben nicht nur Sekundenjagd, sondern Rundum-Therapeutikum, soziales Ereignis, Ego-Streicheln und, ja, manchmal auch gute Laune. Wer läuft, der hat eben noch was vor, der will leben.

Ralph Ehrlich hat in den Neunzigern erfahren, dass er positiv ist. Laufen bedeutete Bewältigen für ihn. Da waren die Depressionsschübe, die tückischen Nebenwirkungen der Medikamente, die verbreitete Annahme, dass HIV-Positive sowieso nicht viel auf die Kette bekämen. Als Ralph begann, für den Berlin-Marathon zu trainieren, hat der Arzt skeptisch geguckt.

2008 hat Ralph gefinisht. Er hat die Laufgruppe "B42" gegründet, die sich dieses Jahr durch den Berlin-Marathon kämpft. Keine Angst, liebe Phobiker, das macht auch gar nichts. HIV ist ansteckend, aber nicht beim Sport, sofern sich zwei Athleten nicht ausdauernd anbluten. Klatscht lieber, wenn die Jungs und Mädels vorbeirennen. Die haben noch was vor.


Wer für den Life Run spenden möchte, kann das hier tun. Achim Achilles sucht eure besten Lauf-Fotos für einen Foto-Kalender. Macht mit. Sendet uns Eure Bilder und stimmt ab für eure Lieblingsfotos.

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insgesamt 5 Beiträge
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1. optional
Altesocke 21.08.2012
"HIV ist ansteckend, aber nicht beim Sport, sofern sich zwei Athleten nicht ausdauernd anbluten." Leider scheinen so drastische Vergleiche notwendig zu sein!
2.
mm71 21.08.2012
Man sollte ausserdem bedenken: HIV-Positiv ist nicht notwendigerweise gleich AIDS-krank. Und AIDS-krank ist nicht gleich AIDS-krank vom Krankheitsverlauf her.
3. optional
Rahvin 21.08.2012
Extrembelastungen bei geschwächtem Immunsystem sind laut Lehrbüchern eher zu vermeiden. Es ist dennoch ermutigend zu sehen, wie lebensbejahend HIV-positive Menschen reagieren. Solange sie der Gesundheit nicht abträglich ist, sollte man solche Veranstaltungen unterstützen, wo es nur geht.
4. Hut ab
meinzwerg 21.08.2012
Ich laufe ja nur langsam, weil ich es nicht besser kann. Hier ist aber laufen und ankommen in jedem Fall ein ganz großer Sieg. ich werde mich über jeden freuen, der an mir vorbeiläuft selbstverständlich auch über jeden der nach mir ins Ziel läuft Und denken : Hut ab!
5.
kjartan75 21.08.2012
Zitat von RahvinExtrembelastungen bei geschwächtem Immunsystem sind laut Lehrbüchern eher zu vermeiden. Es ist dennoch ermutigend zu sehen, wie lebensbejahend HIV-positive Menschen reagieren. Solange sie der Gesundheit nicht abträglich ist, sollte man solche Veranstaltungen unterstützen, wo es nur geht.
Dazu muss man sagen, dass die heutige Therapie mit verschiedenen Medikamenten in optimalen Fällen dazu führt, dass das HI-Virus unter der Nachweisbarkeitsgrenze gehalten werden kann. Das Immunsystem muss nicht derartig geschwächt sein, dass man Laufen vermeiden muss.
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Zur Person
  • Frank Johannes
    Achim Achilles

    Jahrgang 1964. Lebt verheiratet mit einer verständnisvollen Frau in Berlin, läuft aber überall, wo es wehtut. Motto des Wunderathleten und Kolumnisten: "Qualität kommt von Qual." Dabei ist es dem Vater eines lauffaulen Jungen egal, dass er trotz intensiven Trainings kaum von der Stelle kommt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Seine Lieblingsfeinde auf dem Weg zum Ziel sind Walker und andere Pseudosportler.
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