Sind Leihradsysteme gesund? Forscher bewerten Londoner Stadträder

Leihfahrräder in Metropolen bringen Menschen zum Radeln. Das ist gesund, birgt aber auch Risiken wie Unfälle und eine erhöhte Feinstaubbelastung. Was bringen Stadtrad-Programme also wirklich? Für London haben Forscher jetzt ein Urteil gefällt.

Mit dem Stadtrad in London unterwegs (Archivbild): Alternative zu Bus, Bahn, Auto und Fußmarsch
REUTERS

Mit dem Stadtrad in London unterwegs (Archivbild): Alternative zu Bus, Bahn, Auto und Fußmarsch


Fahrrad statt Bus und Bahn: In 686 Städten weltweit gibt es Stadtrad-Programme. Das zeigt eine Weltkarte, die diese Angebote zusammenfasst. Vor allem in Innenstädten bieten Leihräder eine Alternative zum öffentlichen Nahverkehr, zu allzu langen Fußmärschen oder zum Auto. Ob diese Angebote unterm Strich die Gesundheit fördern oder ihr eventuell sogar schaden, wurde bisher wenig untersucht. Jetzt spricht eine Studie dem Rad-Angebot eine positive Bilanz zu.

Es ist die zweite Untersuchung dieser Art: 2011 berichtete ein Forscherteam, dass das Leihradsystem in Barcelona definitiv einen positiven Effekt habe: Pro Jahr würden statistisch rund 12 Todesfälle vermieden, weil mehr Menschen Strecken auf dem Rad zurücklegen.

Eine Gruppe britischer Forscher hat jetzt nachgelegt. James Woodcock von der University of Cambridge und seine Kollegen analysierten den Einfluss des Londoner Stadtradprogramms, das seit 2010 existiert. Rund 578.000 Menschen über 14 Jahre nutzen das Angebot, schreiben die Forscher im "British Medical Journal". Demnach leihen sich in London Männer häufiger Stadträder als Frauen. Zwischen April 2011 und Mai 2012 wurden rund 7,5 Millionen Mal Räder für eine Tour geliehen, die Radler fuhren insgesamt circa 2,1 Millionen Stunden durch London. Stadtrad-Touren machten rund zwölf Prozent des Fahrradverkehrs in der Londoner Innenstadt aus.

Die Forscher wogen folgendes gegeneinander ab:

Auf dem Leihrad vorsichtiger unterwegs?

Trotz Unfallrisiko und Feinstaub sei der Effekt des Radfahrens positiv, berichten die Forscher. Wobei Ältere laut der Statistik stärker davon profitieren als Jüngere und Männer mehr als Frauen. Letzteres hängt damit zusammen, dass in den vergangenen Jahren deutlich mehr Radfahrerinnen nach Unfällen mit LKW starben als Radfahrer (woran das liegt, weiß man nicht).

Interessanterweise deuten die bisherigen Zahlen darauf hin, dass Nutzer von Stadträdern in London insgesamt seltener in Unfälle verwickelt sind als Radler, die auf ihrem eigenen Rad fahren. Die Daten dazu sind jedoch statistisch noch mit einiger Unsicherheit belastet. Erklären ließe sich das geringere Unfallrisiko damit, dass die Stadträder weniger auf Geschwindigkeit ausgelegt sind und immer eine funktionierende Beleuchtung haben, schreiben die Forscher. Möglicherweise fahren jene, die sich ein Rad ausleihen, auch vorsichtiger. Oder sie sind häufiger in Parks unterwegs und so weniger gefährdet als die Pedalisten auf vielbefahrenen Straßen. Helme gehören jedenfalls nicht zum Leih-Angebot.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der positive Effekt des Radfahrens in Londons Innenstadt noch deutlich gesteigert werden könnte, wenn mehr ältere Menschen das Angebot nutzen und wenn das Unfallrisiko gesenkt wird", so das Fazit der Autoren.

Auf andere Städte lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres übertragen. Aber sie geben einen Hinweis, dass der Effekt auch anderswo positiv sein könnte.

wbr



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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
rotfink 14.02.2014
1. Wirkung von Fahrrradhelmen
Fahrer von Leihrädern ohne Helm sind weniger gefährdet als Radfahrer mit eigenen Rad, die zumindest telweise Helm tragen. Schon wieder ein Indiz dafür, dass die Wirkung von Styropormützen grotesk überschätzt wird.
ky3 14.02.2014
2. Radfahren statt Abhören!
Für Barcelona gilt also: "Pro Jahr würden statistisch rund 12 Todesfälle vermieden" Das ist mehr als NSA und CIA mit ihrem teuren Unrechtssystem an Terroropfern einzusparen vorgeben.
les2005 14.02.2014
3. Wer lesen kann ist klar im Vorteil
Zitat von rotfinkFahrer von Leihrädern ohne Helm sind weniger gefährdet als Radfahrer mit eigenen Rad, die zumindest telweise Helm tragen. Schon wieder ein Indiz dafür, dass die Wirkung von Styropormützen grotesk überschätzt wird.
Im Artikel steht, daß Leihräder in weniger Unfälle verwickelt waren als Radler mit eigenen Rädern. Es hat glaube ich noch niemand behauptet, daß Helme Unfälle verhindern. Es geht um die Unfallfolgen. Und wenn Sie meinen, daß Helme nichts bringen, dann schlage ich vor Sie stoßen mit Helm mal kräftig den Kopf an die Wand, und probieren es in gleicher Stärke dann nochmal ohne. Das könnte einen gewissen Aha (und Aua-)Effekt bewirken. Ansonsten ist der Artikel voller Platitüden. Erkenntnisgewinn gleich Null. Was die Unfallhäufigkeit angeht, ist es doch offensichtlich daß die riskantesten Radler die sind, die sich für Profis/unsterblich halten und natürlich viel und auf eigenem Rad fahren.
saschad 14.02.2014
4.
Zitat von les2005Im Artikel steht, daß Leihräder in weniger Unfälle verwickelt waren als Radler mit eigenen Rädern. Es hat glaube ich noch niemand behauptet, daß Helme Unfälle verhindern. Es geht um die Unfallfolgen. Und wenn Sie meinen, daß Helme nichts bringen, dann schlage ich vor Sie stoßen mit Helm mal kräftig den Kopf an die Wand, und probieren es in gleicher Stärke dann nochmal ohne. Das könnte einen gewissen Aha (und Aua-)Effekt bewirken. Ansonsten ist der Artikel voller Platitüden. Erkenntnisgewinn gleich Null. Was die Unfallhäufigkeit angeht, ist es doch offensichtlich daß die riskantesten Radler die sind, die sich für Profis/unsterblich halten und natürlich viel und auf eigenem Rad fahren.
Richtig. Und da die beobachtbaren Effekte des Radhelmtragens eher sehr überschaubar sind, steht zu vermuten, dass sie sogar eher Unfälle (mit)verursachen (Risikokompenation).
ajf00 14.02.2014
5.
Zitat von les2005Im Artikel steht, daß Leihräder in weniger Unfälle verwickelt waren als Radler mit eigenen Rädern. Es hat glaube ich noch niemand behauptet, daß Helme Unfälle verhindern. Es geht um die Unfallfolgen. Und wenn Sie meinen, daß Helme nichts bringen, dann schlage ich vor Sie stoßen mit Helm mal kräftig den Kopf an die Wand, und probieren es in gleicher Stärke dann nochmal ohne. Das könnte einen gewissen Aha (und Aua-)Effekt bewirken. Ansonsten ist der Artikel voller Platitüden. Erkenntnisgewinn gleich Null. Was die Unfallhäufigkeit angeht, ist es doch offensichtlich daß die riskantesten Radler die sind, die sich für Profis/unsterblich halten und natürlich viel und auf eigenem Rad fahren.
Das Helme unfaelle verhindern hat in der Tat noch niemand behauptet. Es gibt allerdings Studien die das Gegenteil nahelegen. Wer einen Helm traegt wird im Durchschnitt mit weniger Abstand von Autofahrern ueberholt, hat also ein erhoehtes Unfallrisiko. Ob Helme unterm Strich mehr bringen oder mehr Schaden weiss man schlicht nicht, ist sehr schwierig zu untersuchen. Aber eins ist sicher, eine Helmpflicht wuerde zu weniger Radfahrern und damit mehr Toten fuehren. Ob Radfahren mit oder ohne Helm sicherer ist ist unbekannt, aber das Radfahren egal ob mit oder ohne Helm sicherer ist als nicht Radfahren ist absolut belegt.
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