Diät-Studie Low Carb oder Low Fat - Hauptsache, man ändert etwas

Fett oder Kohlenhydrate reduzieren: Forscher haben untersucht, welche Diät besser funktioniert und ob bestimmte Erbgut-Varianten deren Erfolg beeinflussen. Ihr Fazit fällt sehr bestimmt aus.

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Abnehmen wollen viele Menschen. Aber mit welcher Methode? Auf alles verzichten, was reich an Kohlenhydraten ist, also Nudeln, Reis und Brot vom Speiseplan streichen? Oder lieber Fett reduzieren und auf Käse, fettreichere Fleischprodukte und Nüsse verzichten? Oder einfach die gleichen Lebensmittel essen wie zuvor - nur von allem weniger? Allen Diätmethoden gemein ist, dass sie Erfolg versprechen, doch in der Realität viele Menschen an den Konzepten scheitern.

"Wir alle kennen Geschichten von dem Bekannten, der eine spezielle Diät machte, die richtig gut funktionierte. Und dann hat ein anderer Bekannter die Methode probiert und es brachte überhaupt nichts", sagt Christopher Gardner von der Stanford University Medical School. "Das liegt daran, dass wir alle verschieden sind."

Diäterfolg durch Erbguttest?

Zusammen mit seinen Kollegen hat Gardner untersucht, ob Menschen mit bestimmten Erbgut-Varianten, die den Stoffwechsel beeinflussen, besser mit Low Fat oder Low Carb abnehmen. Außerdem ermittelten sie bei allen Studienteilnehmern, wie gut ihr Körper den Blutzuckerwert regulieren konnte - und ob das die Wirkung von Kohlenhydrat- oder Fettverzicht beeinflusste.

609 Menschen mit Übergewicht nahmen an der Studie teil. Sie wurden zufällig in die Gruppe mit Low Carb oder Low Fat eingeteilt, unabhängig vom ermittelten Erbgut-Profil. 40 Prozent der Teilnehmer trugen Gen-Varianten, die mutmaßlich eine fettarme Diät begünstigten, bei 30 Prozent ging es Richtung Low Carb und bei den restlichen 30 Prozent gab es kein klares Erbgut-Muster. Wer eine Stoffwechselkrankheit oder Krebs hatte oder Medikamente einnahm, die das Gewicht beeinflussen, durfte nicht mitmachen. Die Teilnehmer waren zwischen 18 und 50 Jahre alt und hatten einen Body-Mass-Index zwischen 28 und 40, berichten die Forscher im Fachblatt "Jama".

Binnen einem Jahr erhielten die Teilnehmer zwölf Schulungen zur jeweiligen Ernährungsform. In den ersten acht Wochen sollen sie entweder Fett oder Kohlenhydrate extrem reduzieren, auf nur 20 Gramm pro Tag. Anschließend durften sie die tägliche Menge wieder erhöhen. Die Faustregel dabei: Sie sollten ein Maß wählen, das sie für den Rest ihres Lebens einhalten könnten.

"Limonade ist zwar fettarm, aber nicht gesund"

Gardner betont, dass allen Teilnehmern eine gesunde Ernährung empfohlen wurde. "Limonade ist zwar fettarm, aber nicht gesund." Es galt der Rat, frische Lebensmittel zu kaufen und keine Fertigprodukte. "Wir empfohlen ihnen außerdem, die Diät so zu gestalten, dass sie nicht hungern oder unter dem Verzicht leiden. Das macht es nämlich schwierig, eine Ernährungsform länger beizubehalten."

Nach einem Jahr, zum Ende der Studie, hatten die Teilnehmer in beiden Gruppen ähnlich viel abgenommen - im Schnitt waren es 5,3 Kilogramm bei einer fettarmen Diät und knapp sechs Kilogramm bei Low Carb. Der Unterschied war zu gering, um zu sagen, dass die eine Methode der anderen überlegen war. In beiden Gruppen brach etwa jeder Fünfte das Programm vorzeitig ab.

So gering der Unterschied zwischen den Gruppen, so groß war die Bandbreite zwischen einzelnen Teilnehmern. Die Extreme: Manche Teilnehmer nahmen bis zu 30 Kilogramm ab. Andere dagegen wurden in dem Jahr sogar dicker und nahmen bis zu zehn Kilo zu.

Hatten die Erbgut-Varianten und die Blutzuckerregulierung den Abnehm-Erfolg beeinflusst? Konnten manche dank ihres Erbgut-Profils, wie vermutet, besser mit Low Carb abnehmen und andere mit Low Fat?

Kurz gesagt: Nein.

Die schöne Vorstellung, Menschen aufgrund ihres Erbgut-Profils die für sie perfekte Diät zu empfehlen, ist also mit dem heutigen Wissen nicht umsetzbar. Auch wenn das Team um Gardner hofft, mithilfe der Daten noch etwas zu finden, das eine personalisierte Diät ermöglicht.

Mehr darauf achten, wie man isst

Gardner zieht bisweilen ein anderes Fazit aus der Untersuchung. Unabhängig von Fett- oder Kohlenhydratverzicht empfiehlt er: "Iss weniger Zucker, iss weniger Weißmehl, iss so viel Gemüse wie möglich. Wähle wenig verarbeitete Lebensmittel - egal ob das nun ein Weizensalat ist oder Fleisch vom Weiderind."

Jene Teilnehmer, die am meisten abgenommen hatten, erzählten, dass sie ihre Einstellung zum Essen geändert hatten und dass sie jetzt mehr darauf achten, wie sie essen, sagt Gardner.


Wer hat's bezahlt?

Die Studie wurde von verschiedenen staatlichen Stellen der USA, einer Stiftung (Nutrition Science Initiative) und einem Förderprogramm der Stanford University finanziert.



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tempus fugit 20.02.2018
1. Ein enger Verwandter von mir...
...hat einen grauen Star und vor eines Eingriffes verschrieb ihm der Arzt einen komplexen Blut- und Urintest... Alarm! Blutzucker HBA1c 9,2 - Glukose fast 130, Urin 500 mg Glukose, bei 170 cm Gewicht 79 kg. Alter 72... Während der ersten 3 Monate alle 3 Wochen Blutzucker messen, nüchtern, vor- und nach Mittagessen, dto Abendessen. Na ja, der Schreck war gross... 1. Regel: FdH - friss die Hälfte 2. Kohlenhydrate runterschrauben, statt Zucker Süssstoff, Alkohol reduziert (so 70 ml. Wein mittags, dto abends...) oder 1/2 Glas Bier. Kuchen stark reduziert aber nicht aufgegeben, hätte er nicht durchgehalten, hat er auch dem Arzt gesagt... Viel Gemüse, roh u/o gekocht, wenig Brot, wenig Fleisch, regelmässig Fisch - aber eben: F.d.H. Er macht übrigens jetzt Frühstück, was er vorher mit einer grossen Tasse Kaffee erledigte. Heute: 1/2 mittlere Schale 'Müsli' mit Milch und aus der Tiefkühltüte eine Handvoll 'gemischte rote Beeren'.... Und den bisherigen, ungesüssten Kaffee. Und vor allem: J eden Tag 1 h. gehen, plus 15 Min. um das Viertel nach den Mahlzeiten. Insgesamt so 12-15.000 Schritte! Ach so - er nimmt zum Mittag- und Abendessen je eine Pille 500 mg Metformina. Jemand hat ihm dazu noch empfohlen, fein geschnittenen und ein 1/4 Kaffeelöffel eines pulvrigen Gemisches aus Cumin, Muskatnuss und Koriander zu sich zu nehmen. Ergebnis: nach 3 Monaten (letzte Blutanalyse...): Gewicht: 72 kg - praktisch Idealgewicht. Blutzucker-Langzeitwert: 6,2 Nebenbei ist sein (behandelter...) Blutdruck auch signifikativ gesunken. Und das Cholesterin auch - nicht 'ideal' aber weit weniger. Aber zu Cholesterin gibt's recht widersprechende Meinungen - sein Arzt meint: für ds. Alter akzeptabel. Demnächst steht der Linseneingriff bevor, die Werte sind ok! Das nur mal so aus einer sehr persönlichen, aber doch recht positiven Erfahrung. Und freuen uns zusammen beim täglichen Spaziergang über den Erfolg - und das stabile Gewicht.... -
günterjoachim 20.02.2018
2. Bewährtes Rezept...
FdH (Ess' die Hälfte) hilft immer, egal was irgendwelche Studien einem weismachen wollen. Und vor allem auf ganz einfache Weise.
Mach999 20.02.2018
3.
Sie essen bewusster, dadurch auch automatisch weniger und nehmen daher auch weniger Kalorien zu sich. So einfach ist das. Mit welchem Trick man weniger isst, ist völlig egal. Ob Low-Carb, Kalorienzählen oder nach 18 Uhr nichts mehr essen - letztlich hat das alles den gleichen Effekt. Oder keinen.
dasfred 20.02.2018
4. Eines wird immer unterschlagen
Ich gehöre zu den Menschen, die bis Mitte dreißig alles essen konnten ohne zuzunehmen. Danach ging die Figur bei geringerer Nahrungsaufnahme stetig aus dem Leim. Der Stoffwechsel ändert sich im Laufe der Jahre. Ich esse heute nichteinmal halb soviel wie früher, lege aber jedes Jahr ein bis zwei Kilo zu. Das es nicht mehr werden, verdanke ich der Sorgfalt bei der Auswahl meiner Lebensmittel. Bewusster Verzicht führt nur zu Heißhunger.
laka77 20.02.2018
5. Re: Bewährtes Rezept...
Zitat von günterjoachimFdH (Ess' die Hälfte) hilft immer, egal was irgendwelche Studien einem weismachen wollen. Und vor allem auf ganz einfache Weise.
Wenn man sich ungesund ernährt, welcher Vorteil liegt dann darin, nur die Hälfte des Ungesunden zu essen? Entscheidender als die Menge ist die Frage, was man isst! Warum wird im Artikel nicht zumindest darauf hingewiesen, dass Menschen, die sich vollwertig vegan ernähren, als einzige Ernährungsgruppe durchschnittlich im gesunden BMI-Bereich liegen?
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