Massagen: Nach dem Sport mit dem Durchkneten lieber warten

Mann bei der Massage: Nach dem Sport sollte man eine Weile mit der Massage warten Zur Großansicht
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Mann bei der Massage: Nach dem Sport sollte man eine Weile mit der Massage warten

Nach dem Marathon ab ins Massagezelt: Viele Hobbysportler begeben sich sofort nach den sportlichen Strapazen gerne in die Hände von Masseuren. Experten raten aber davon ab und empfehlen stattdessen, mindestens eine Stunde zu warten. Nur so können die Muskeln davon wirklich profitieren.

Die Saison für Laufwettbewerbe hat begonnen. In knapp zwei Wochen etwa werden Tausende Marathonläufer in Berlin an den Start gehen - und 42 Kilometer später mit geschundenen Muskeln ins Ziel einlaufen. Viele Finisher legen sich gerne sofort danach in eines der zahlreichen Massagezelte, in denen Physiotherapeuten ihre Dienste anbieten. Dann lassen sie sich fachkundig durchkneten, um die steife Muskulatur wieder zu lockern.

Doch davon rät Ingo Froböse ab. Strapazierte Muskeln sollten frühestens eine Stunde später massiert werden, sagt der Leiter des Zentrums für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln. "Sie erholen sich dann besser."

Der Sportwissenschaftler beruft sich dabei auf englische Forscher, die herausgefunden haben, dass Abwarten besser ist, damit die Massage wirklich etwas bringt. Der Grund: "Massagen, die unmittelbar nach der sportlichen Leistung verabreicht werden, durchbluten weniger die Muskeln, sondern vor allem die Haut", sagt Froböse. "Die erholsame Durchblutung erreicht die angespannten Muskeln daher zu wenig."

Die Durchblutung bleibe nach der Körperbelastung ohnehin noch mindestens 30 Minuten erhöht. "Da kann eine Massage keine Veränderung bewirken." Aber wenn man damit eine oder zwei Stunden warte, setze ein deutlicher Erholungseffekt für die Muskeln ein.

Während Massagen zur Lockerung der Muskulatur grundsätzlich hilfreich sind, glauben Experten, dass der Einsatz von Massagen als Therapieform nicht immer geeignet ist. Am Dienstag hatte die Barmer GEK den Heil- und Hilfsmittelreport 2012 vorgestellt, aus dem hervorgeht, dass das Geschäft mit den Massagen boomt. Für 280.000 Versicherte der Krankenkasse wurden letztes Jahr rund 400.000 Verordnungen ausgestellt.

Demnach entfallen 85 Prozent der Massagen etwa je zur Hälfte auf akute und chronische Wirbelsäulenerkrankungen wie Blockaden, Arthrosen oder Bandscheibenvorfälle. Bei chronischen Beschwerden reichten allerdings Massagen als alleinige Therapie nicht aus, heißt es in dem Bericht. Die Autoren des Reports halten die massiven Verordnungen daher für problematisch.

cib/dpa

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1. Warum wohl werden so viele Massagen verordnet
spon-facebook-10000307035 19.09.2012
Es gibt nicht wenige Ärzte, die nur ein Massagerezept anstelle eines Krankengymnastikrezeptes verschreiben. Darauf sollen dann die Patienten Bewegungsübungen absolvieren. Statt etwa 15.- € erhält der Physiotherapeut hierfür aber nur 10.- €, schont also das Budget des Arztes. Und viele Physiotherapeuten sind blöd genug sich darauf einzulassen. Eine Untersuchung zu diesem Thema ist so (undifferenziert) wenig aussagekräftig.
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