Studie Mittelmeer-Diät schützt vor Gefäßkrankheiten

Viel Gemüse, Fisch, Olivenöl und Nüsse: Die mediterrane Kost entpuppt sich zunehmend als Ernährung der Wahl, um Volksleiden vorzubeugen. Eine neue Studie zeigt jetzt, dass sie auch vor gefährlichen Gefäßerkrankungen schützt.

Von Mareile Jenß

Mediterrane Kost: Viel Gemüse, Fisch und Olivenöl haben einen positiven Gesundheitseffekt
AP/ California Walnut Commission

Mediterrane Kost: Viel Gemüse, Fisch und Olivenöl haben einen positiven Gesundheitseffekt


Es beginnt mit leichten Beschwerden in Waden, Gesäß und Oberschenkeln, gefolgt von Schmerzen in Füßen und Zehen, die selbst das Liegen zur Qual machen. Im Endstadium ist das Gewebe bereits so stark geschädigt, dass sogar eine Amputation droht: Periphere arterielle Verschlusskrankheiten, kurz pAVK, sind Durchblutungsstörungen meistens der unteren Extremitäten wie den Beinen.

Ursache für die Gefäßerkrankung ist oftmals eine Arteriosklerose, die im schlimmsten Fall mit einem Herzinfarkt oder Schlaganfall einhergeht. Allein in Deutschland sterben jährlich rund 300.000 Menschen an einem Infarkt.

Fakt ist: Ein gesunder Lebensstil kann das Fortschreiten der Gefäßerkrankung verhindern und die Folgeschäden minimieren. Dass auch die Ernährung eine entscheidende Rolle dabei spielen kann, hat jetzt eine Gruppe spanischer Forscher um Miguel Martínez-González von der Universidad de Navarra in Pamplona gezeigt.

Bereits zuvor hatten Studien Hinweise darauf geliefert, dass eine mediterrane Ernährung einen positiven Einfluss auf das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko hat. Ob dieser Effekt auch für pAVK zutrifft, war jedoch bisher unklar.

Im Zuge einer großen Interventionsstudie erforschten Martínez-González und sein Team den Zusammenhang zwischen einer Mittelmeer-Diät und dem Auftreten von Verschlusskrankheiten: Wie im "Journal of The American Medical Association" nachzulesen ist, untersuchten die Forscher dazu über einen durchschnittlichen Erhebungszeitraum von fast fünf Jahren insgesamt 7477 Männer und Frauen im Alter von 55 bis 80 Jahren.

Frisches Gemüse, Fisch, Olivenöl und Nüsse

Zu Studienbeginn litten die Probanden an keinerlei Gefäßkrankheiten wie pAKV oder Koronare Herzerkrankungen, wiesen jedoch ein erhöhtes Risiko dafür auf oder waren Typ-2-Diabetiker. Die Ärzte ordneten die Teilnehmer in drei Interventionsgruppen ein, die sich allesamt mediterran, also mit viel frischem Gemüse, Fisch und Meeresfrüchten, Nudeln und Reis sowie Olivenöl ernährten. Eine Gruppe bekam zudem zusätzlich Nüsse, die zweite Olivenöl, die dritte sollte sich bewusst fettarm ernähren.

Das Ergebnis: Im Studienverlauf entwickelten insgesamt 89 Probanden periphere arterielle Verschlusskrankheiten. Tatsächlich war das Risiko für pAVK sowohl in der Olivenöl- (18 Fälle) als auch in der Nuss-Gruppe (26 Fälle) niedriger.

Die Resultate der Studie sind Teil einer großangelegten Kohortenstudie namens PREDIMED (Prevención con Dieta Mediterránea), die seit Oktober 2003 durchgeführt wird und nach und nach immer neue Ergebnisse hervorbringt.

Bereits im Februar 2013 präsentierten die Autoren im "New England Journal of Medicine" eine Studie, die darlegt, dass die mediterrane Kost das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall senkt. Zudem veröffentlichte das Team um Martínez-González im Januar einen weiteren Artikel in den "Annals of Internal Medicine", wonach die Mittelmeer-Diät auch im Hinblick auf das Risiko für Typ-2-Diabetes positive Auswirkungen hat.

Ernährungsstudien
Allgemeines
Studien in der Ernährungsforschung können nach unterschiedlichen Kriterien eingeteilt werden: zeitlich, nach Zielen oder der Art der Einflussnahme. Bei retrospektiven Studien untersuchen die Forscher Material, das bereits zu Beginn der Studie vorliegt. Das können zum Beispiel Daten aus Untersuchungsbefunden oder Testergebnissen sein. Demgegenüber entstehen bei prospektiven Studien die Daten erst, nachdem die Studie begonnen hat. Experimentelle Studien sind grundsätzlich prospektiv, während Beobachtungsstudien sowohl prospektiv als auch retrospektiv sein können.
Was sind Beobachtungsstudien?
Beobachtungsstudien wie etwa Kohorten- oder Fall-Kontroll-Studien sind nicht-experimentelle Studiendesigns, bei denen seitens der Forscher keine Intervention in den Behandlungsablauf stattfindet. Das heißt: Die Probanden werden über den Untersuchungszeitraum hinweg unter natürlichen Bedingungen ausschließlich beobachtet. Experimente oder Untersuchungen, bei denen die Teilnehmer einer sogenannten Interventionsgruppe oder Kontrollgruppe zugewiesen werden, finden nicht statt.
Im Fokus der Beobachtung steht dabei ein bestimmtes Merkmal, das von Interesse ist, wie etwa ein bestimmtes Ernähungsverhalten. Die Beobachtung kann prospektiv (Kohortenstudie) oder retrospektiv (Fall-Kontroll-Studie) erfolgen.
Vorteil von Beobachtungsstudien: Sie lassen sich auf den Alltag übertragen, da die Probanden in einer natürlichen Situation beobachtet werden - ohne dass sie ihr Verhalten oder ihre Gewohnheiten bewusst verändern, wie es etwa unter Laborbedingungen der Fall ist.
Nachteil von Beobachtungsstudien: Sie sind in ihrer Aussagekraft stets eingeschränkt, da eben keine Intervention stattgefunden hat und Ergebnisse dadurch verzerrt sein können. Irritierende Einflussgrößen können unbemerkt zu Beziehungen zwischen einem Faktor und dem Ergebnis führen. Stichhaltige Aussagen über Ursache-Wirkung-Beziehungen können somit nicht auf Basis von Beobachtungsstudien getroffen werden. Aufgrund der möglichen Fehlerquellen liefern Beobachtungsstudien daher eine geringere empirische Nachweisbarkeit (Evidenz) als experimentelle Studien.
Notwendig sind diese Studien dennoch, da sie einen vorläufigen Nachweis liefern, der als Grundlage für weitere Hypothesen dient. Diese können anschließend in experimentellen Studien überprüft werden.
Was sind Interventionsstudien?
Bei Interventionsstudien handelt es sich immer um prospektive Studien: Ähnlich einer prospektiven Kohortenstudie werden die Probanden im Laufe einer bestimmten Zeitspanne untersucht, um die Auswirkungen einer bestimmten Intervention zu messen - zum Beispiel den Einfluss von einer olivenölreichen Ernährung auf das Risiko einer bestimmten Volkskrankheit wie Diabetes.
Die Probanden werden dafür zu Beginn der Studie in verschiedene Interventionsgruppen sowie eine Kontrollgruppe eingeteilt. Bei einer oder mehreren Gruppen wird im Studienverlauf aktiv interveniert (die Probanden müssen beispielsweise täglich eine bestimmte Menge Olivenöl zu sich nehmen), während eine Kontrollgruppe von der Intervention ausgeklammert wird.
Die Einteilung in die verschiedenen Interventionsgruppen erfolgt in der Regel zufällig. Es ist daher auch von randomisierten, kontrollierten Studien die Rede. Oft werden experimentelle Studiendesigns dann herangezogen, wenn eine Hypothese als Ergebnis einer Beobachtungsstudie überprüft werden soll.
Interessenkonflikte
Interessenkonflikte bezeichnen Situationen, in denen das professionelle Urteilsvermögen oder Handeln von Wissenschaftlern durch sogenannte sekundäre Interessen beeinflusst sein könnte. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Mediziner Honorare von einer Pharmafirma erhält (sekundäres Interesse) und anschließend in einer Studie die Qualität eines Medikaments der Firma bewerten soll (primäres Interesse).
Ein Interessenkonflikt besteht nicht erst im Falle eines Fehlverhaltens der Forscher, sondern liegt vor, sobald primäre und sekundäre Interessen miteinander konkurrieren. Dies bedeutet noch nicht, dass sich die Situation per se negativ auf sein Urteilsvermögen oder seine Integrität auswirkt, sondern stellte lediglich das Risiko dafür dar.
Wissenschaftlern ist nicht jede Beziehung zu Industrie und Wirtschaft grundsätzlich vorzuwerfen. In vielen Bereichen, etwa bei der Entwicklung neuer Medikamente, ist ein Austausch zwischen Forschern und Unternehmen sogar erstrebenswert und erforderlich, damit Studien zustande kommen und unter bestmöglichen Bedingungen stattfinden können.
Problematisch sind finanzielle Beziehungen zwischen Forschung und Wirtschaft immer dann, wenn Wissenschaftler Zuwendungen entgegennehmen, ohne eine fachliche Gegenleistung zu erbringen. Dazu gehört zum Beispiel die Übernahme von Reisekosten zu Kongressen. Entscheidend ist auch, wie die Wissenschaftler selbst mit Interessenkonflikten umgehen und ob sie diese offenlegen. Die Offenlegung von Interessenkonflikten ist bisher nicht einheitlich geregelt, wird aber von vielen renommierten Fachmagazinen gefordert.
Obschon ein Gros der spanischen Forschergruppe aufgrund ihrer Verbindungen zur Industrie einen Interessenkonflikt angibt, handelt es sich bei der PREDIMED-Studie um eine der interessantesten Untersuchungen der Ernährungsforschung in den letzten Jahren. Den Grund dafür liefert das Studiendesign.

Die Wissenschaftler beobachteten nicht nur die Probanden, wie in der Ernährungsforschung häufig üblich ist, sondern intervenierten in den drei Gruppen mit verschiedenen Ernährungsmustern. Durch diese Art von Studie erzielten sie weitaus aussagekräftigere Ergebnisse gegenüber vergleichbaren Studien.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
eckbusch 21.01.2014
1. Das war doch klar
das hätte ich auch ohne Untersuchung von tausenden Probanden sagen können, dass Fisch, Olivenöl und frisches Germüse Gefäßerkrankungen reduzieren. Statistisch ist das aber im Süden Europas nicht erkennbar, wenn man über Friedhöfe spazieren geht. Die Menschen sind trotzdem t.T. relativ jung gestorben. Der Ernährungsvorteil wird statistisch negativ kompensiert durch das Rauchen. Je weiter man nach Süden kommt, desto mehr wird gequalmt. Allen voran die Griechen.
na!!! 22.01.2014
2. und die fetten sagen wieder ... alles was schmeckt ...
... darf oder soll man nicht ..... das eine ernährung mit Gemüse , obst , Nüsse , Fisch , Fleisch als natürliche und gesund gilt sollte bekannt sein ! es sind die Kohlenhydrahte die heute in Nudeln, kartoffeln , ZUCKER sind die zu übergewicht führen und damit zu den problemen . wir nehmen zu viele kohlenhydrahte zu uns im vergleich zu eiweiß usw.
pfzt 22.01.2014
3.
Zitat von eckbuschdas hätte ich auch ohne Untersuchung von tausenden Probanden sagen können, dass Fisch, Olivenöl und frisches Germüse Gefäßerkrankungen reduzieren. Statistisch ist das aber im Süden Europas nicht erkennbar, wenn man über Friedhöfe spazieren geht. Die Menschen sind trotzdem t.T. relativ jung gestorben. Der Ernährungsvorteil wird statistisch negativ kompensiert durch das Rauchen. Je weiter man nach Süden kommt, desto mehr wird gequalmt. Allen voran die Griechen.
So so, statistisch nicht erkennbar wenn man über Friedhöfe spazieren geht und dann auch noch das gute alte rauchen und natürlich Griechen. Jetzt fehlen nur noch Laberfächer und EU Sozialismus und wir haben alles beisammen was den SPON Kommentarbereich auszeichnet ;)
andjessi 22.01.2014
4. Mann, Mann, Mann
Kann mans sich nicht wenigstens etwa Mühe geben, die konkreten Erkenntnisse der Studie nachvollziehbar zu zitieren: "Das Ergebnis: Im Studienverlauf entwickelten insgesamt 89 Probanden periphere arterielle Verschlusskrankheiten. Tatsächlich war das Risiko für pAVK sowohl in der Olivenöl- (18 Fälle) als auch in der Nuss-Gruppe (26 Fälle) niedriger." Wer jetzt was? 18/26 von 89 oder 18 von 1/3 von 89 ???
berndasbrot 22.01.2014
5. Die mediterrane Lebensweise......
......bedeutet auch, daß man nicht 50-60 Stunden in der Woche gestresst im Großraumbüro sitzt, um danach seine wenige Freizeit mit Mülltrennen und Steuererklärung zu verbringen. Vielleicht hat das ja einen ungleich grösseren Einfluß auf die Gesundheit, als die Ernährung?!? Man weiß es nicht...
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