Micha Klotzbier Erst fett, dann fit, dann wieder fett?

Vom 160-Kilo-Mann zum Marathonläufer: Micha Klotzbier hatte es geschafft. Doch dann kam der Winter - und mit ihm kehrten die Kilos zurück.

Micha Klotzbier
Micha Klotzbier

Micha Klotzbier


Wenn Bären Winterschlaf halten, atmen sie in der Minute ein- bis zweimal, ihr Herz schlägt alle 14 Sekunden. Nun, ganz so runtergefahren habe ich mich nicht in den vergangenen Monaten. Aber ich muss gestehen, dass ich nach dem Berlin-Marathon im September schon den Blues hatte. Wovor mich viele Leute gewarnt hatten, war eingetreten: dass eine Leere entstehen würde und die Suche nach neuen Zielen schwer werden könnte.

Bewegt habe ich mich über den Winter schon. Ich bin hin und wieder gejoggt, aber - zugegeben - nicht ansatzweise so viel wie in den Monaten zuvor. Bewegt hat sich auch mein Gewicht - leider gehörig nach oben, auf aktuell 119 Kilo. Gut fühle ich mich nicht mit den zehn Kilos, die ich wieder drauf habe.

Ich habe viel überlegt, was meine nächsten Ziele sein sollen. Schneller werden? Triathlon? Alpenüberquerung? Kampfschwimmen? Ich war ehrlich gesagt etwas unsortiert und planlos.

Ich bin noch nicht da, wo ich hinwill

Dabei liegt auf der Hand, was zu tun ist. Das ist mir nach einem Gespräch mit meinem Coach Piet wieder klar geworden. Ich bin noch nicht da, wo ich hinwill. Sport hat noch nicht seinen selbstverständlichen Platz in meinem Alltag, mit dem Rad zur Arbeit fahren ist noch kein Automatismus. Einfache, aber wichtige Übungen für mehr Beweglichkeit und Kraft brauchen noch immer Überwindung, statt dass ich sie flugs mal mache - im Büro oder zu Hause.

Von meinem Ziel, unter 100 Kilo zu kommen und Sport in meinen Alltag zu integrieren, bin ich noch einen großen Schritt entfernt. Und vor allem von guter Ernährung. Das tatsächlich hinzukriegen, wäre riesig für mich. Das ist er: mein big step, mein großer Schritt. Mein Plan nicht nur für 2017, sondern für mein ganzes Leben.

Das Schöne ist, dass ich nicht bei null anfange. Ich habe meinen Trainer, ich habe meine Lauffreunde, ich habe meine samstägliche Laufgruppe. Und ich habe ganz konkrete Läufe, bei denen ich am Start sein will: Lauf um den Müggelturm, Halbmarathon Berlin, Wings for Life World Run, Schlösserlauf in Potsdam, Berlin Marathon.

Das gestiegene Gewicht wirkt sich aber auch verstärkt auf meine Gelenke aus. Neben dem Laufen will ich deshalb Schwimmen und Radfahren als gelenkschonende Alternativsportarten in den Alltag integrieren.

Micha Klotzbier (rechts): Schwimmen für die Gelenke
Chris Koch

Micha Klotzbier (rechts): Schwimmen für die Gelenke

Und dann ist da noch die Sache mit dem Tattoo-Triathlon. Ich konnte es nicht lassen und habe mich wieder auf eine Sportwette eingelassen.

Ich werde gegen den alten Achim Achilles bei einem Triathlon antreten - wer verliert, muss sich tätowieren lassen. So ein Einsatz motiviert natürlich zum Training. Dennoch will ich dadurch mein ureigenes Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Seit vier Wochen bin ich samstags wieder beim Lauftraining. Einerseits merke ich, dass ich durch die schlechte Ernährung und das gestiegene Gewicht deutlich an Fitness und Schnelligkeit eingebüßt habe. Bei Läufen, die über zehn Kilometer hinausgehen, spüre ich teilweise auch die Belastungen in beiden Knien. Andererseits motiviert es mich, weiter dranzubleiben und mir die Fitness über den Frühling und Sommer bis hin zum Herbst wieder zu erarbeiten.

SPIEGEL TV Magazin

Wir müssen herausfinden, was mich wirklich nährt

Hier trösten mich meine Kollegen, die schon mehrere Laufjahre auf dem Buckel haben. Es sei ganz normal, dass man über den Winter etwas aus der Form gerät. Vielleicht plane ich 2018 gleich ein Laufevent im Frühjahr ein, damit ich nicht wieder komplett aus dem Leim gehe.

ANZEIGE
Achim Achilles:
Sehnen lügen nicht

Neues vom Läufer der Herzen

Heyne Verlag; 240 Seiten; 9,99 Euro

Der wohl schwierigste Schritt wird die Ernährungsumstellung. Ich habe ja einiges probiert im letzten Jahr: vegetarisch, vegan. Aber das ist nichts für mich. Mein Coach Piet sagt immer, wir müssen herausfinden, was mich wirklich nährt. Wenn ich dann Haxe sage, schüttelt er den Kopf: "Ich glaube, das ist es nicht." Ich esse gern und will das auch weiterhin tun. Aber in Zukunft will ich gern und richtig essen.

Deshalb drücke ich jetzt auch die Reset-Taste: Ich faste! Ich bin gespannt, wie es mir damit geht und was passiert. Ob sich die Geschmackssinne tatsächlich neu justieren lassen und ob mir danach der Einstieg gelingt, mich bewusster zu ernähren.

Ich habe gelesen, dass Bären einen recht unruhigen Winterschlaf haben. Sie sind ständig wachsam, um im Notfall reagieren zu können. 119 Kilo waren mein Notfall und alarmierend genug. Mein Winterschlaf ist beendet. Ich bin wach - und laufe in kleinen Schritten zum großen Ganzen.



insgesamt 78 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Sibylle1969 21.03.2017
1.
Das Gewicht zu halten, ist viel schwieriger als abzunehmen. Die langfristige Erfolgsquote von Leuten, die von starkem Übergewicht stark abgenommen haben, ist leider nicht besonders hoch. D.h. viele nehmen irgendwann wieder zu. Den mächtigen Drang des Körpers, wieder auf das vorherige Niveau zurückzukehren, kann man kaum austricksen. Auch ist es schwer, eine Lebensstiländerung (bessere Ernährung, mehr Sport) dauerhaft beizubehalten. Die Lebensjahre tun ihr übriges. Ich habe vor 12 Jahren mal 10% meines Körpergewichts abgenommen durch etwas mehr Sport und Ernährungsumstellung. Beides habe ich rigoros beibehalten und konnte so mein Gewicht einigermaßen halten, wobei es im Winter immer 3-4 kg nach oben ging, im Sommer wieder runter. Seit ein paar Jahren funktioniert das aber nicht mehr. Obwohl ich verschiedene Ernährungsstile ausprobiert habe (Low Carb, Montignac) und mein Sportpensum fast verdoppelt habe im Vergleich zu vor 12 Jahren, bin ich mittlerweile 3-4 kg schwerer als vor 12 Jahren. Abnehmen funktioniert fast überhaupt nicht mehr, wenn es gut läuft, nehme ich im Sommer gerade mal 2 magere Kilööchen ab, und das obwohl ich fast täglich Sport mache und am Wochenende auch Rennradtouren bis zu 6 Stunden Fahrzeit. Mein Arzt meint, das seien die beginnenden Wechseljahre, der Östrogenüberschuss sorge dafür, dass Abnehmen schwierig bis unmöglich sei.
gluonball 21.03.2017
2. Blödsinn
@Sibylle1969 Das ist die denke, die die Diät-Industrie nährt. Wie sie uns schön Produkte usw. verkaufen kann mit irgendwelchen Versprechen. Es ist aber ganz einfach: Wenn sie 1800 kcal als Tagesumsatz verbrennen dürfen sie eben nicht mehr zu sich nehmen. Was passiert? Sie nehmen ab. Wenn sie mehr essen, was passiert sie nehmen zu. So einfach ist das. Das Fett kommt nicht aus der Luft, sondern weil sie zu viel essen. Wenn man Sport treibt, treibt man den Tagesumsatz hoch. Wenn man nicht mehr isst, nimmt man ab. Keine Magie.
tweitzel 21.03.2017
3. Wie Gewichtsreduktion funktionieren kann
Sicher weißt du es, aber um langfristig Erfolg zu haben musst du deine Ernährung dauerhaft umstellen. Über Sport steigerst du deine Fitness, aber das Gewicht lässt sich davon kaum beeindrucken. Zumal ich bei einem Sportler nicht empfehlen würde, aufs Gewicht zu achten, sondern z.B. auf den Hüftumfang und das Viszeralfett. Fasten hilft dem Immunsystem, ist aber stark zeitlich begrenzt - und damit auch im Effekt aufs Gewicht. Bei Süßem kann ich einfach nicht widerstehen, wenn ich mal angefangen habe. Also darf ich nicht anfangen. Verarbeitete Lebensmittel lasse ich weg, trinke nur Wasser (Tee, Kaffee). Das funktioniert jetzt seit Jahren, mir fehlt nichts. Es hilft nichts: mit Allem, bei dem dir die Kontrolle schwer fällt oder du sie verlierst, musst du damit aufhören. Sorry! Wenn du wissen willst, wie deine Insulinantwort auf verschiedene kohlenhydrathaltige Lebensmittel ist, dann musst du systematisch messen: nimm eine definierte Menge effektive Kohlenhydrate (z.B. 50 g) zu dir und messe dann nach 1 h und 2 h deine Insulinwerte. Mache das mit den verschiedenen Lebensmitteln, auf die du nicht glaubst verzichten zu können. Dann weißt du wenigstens, was dir gut bzw. schlecht bekommt. @gluonball: diese Theorie mit der „Kalorienzählerei“ stimmt leider nicht (siehe z.B. http://www.vox.com/2016/4/28/11518804/weight-loss-exercise-myth-burn-calories).
gluonball 21.03.2017
4.
@tweitzel Da steht genau das Gleiche drin. 100% der Energie die wir beziehen kommt aus der Nahrung. Das ist auch keine Theorie das ist Wissenschaft. Der Tag an dem ich Strom in einem Kohlekraftwerk ohne Kohle erzeugen kann, ist der Tag an dem das oben Geschriebene nicht stimmt. Lesen sie sich über Energiebilanzen usw. ein und sie werden erkennen. Im Text steht ja nur, dass Sport nur ca. 30% der Verbrennung ausmacht. Also der Ruheverbrauch 70%. Das macht die Aussage aber nicht falsch. Wo soll das Fett denn herkommen wenn nicht aus der Nahrung? Aus Luft und Liebe? Ich nehme an sie haben mit Naturwissenschaften nichts am Hut.
t_mcmillan 21.03.2017
5. Haxe ist okay
Es ist nicht die Haxe das Problem. Und @2: Das ist die Denke "Wer dick ist, ist blöd und faul." Da haben Sie ein paar Forschungsergebnisse der letzten Jahre einfach ignoriert. Ansonsten: Laufen und Radfahren sind gut für's Herz. Gut für's Abnehmen ist Krafttraining.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.