Mythos oder Medizin Ist es sinnvoll, Omega-3-Kapseln zu schlucken?

Die einen schwören darauf, die anderen halten es für pure Geldmacherei der Industrie: Ist es wirklich sinnvoll, regelmäßig Fischölkapseln zu schlucken?

Von Mareile Jenß

Fischölkapseln: Die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren ist umstritten
Corbis

Fischölkapseln: Die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren ist umstritten


Ob in Supermärkten oder Drogerien - beim Streifzug durch die Regale begegnen einem immer öfter Omega-3-Kapseln oder vergleichbare Fischölkonzentrate. Sie sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Entzündungen helfen sollen.

Außerdem werden ihnen positive Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung und den Intelligenzquotienten bei Kindern nachgesagt. In der Hoffnung, dass sich ihr Nachwuchs zu einem kleinen Einstein entwickelt, greifen viele Frauen daher schon während der Schwangerschaft zu den goldenen Dragees. Doch lohnt sich der Griff ins Regal tatsächlich?

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Körper kann Omega-3-Fettsäuren nicht selbst produzieren

Omega-3-Fettsäuren zählen zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Die drei wichtigsten Vertreter sind: Alpha-Linolensäure (ALA), die ausschließlich in pflanzlichen Fettquellen wie Soja-, Walnuss-, Raps- oder Leinöl vorkommt, sowie Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) aus fettreichen Fischsorten wie Hering, Makrele oder Lachs.

Sie erfüllen eine Vielzahl wichtiger Funktionen, können vom Körper jedoch nicht selbst aufgebaut werden. Ihr Bedarf muss daher über die Ernährung gedeckt werden. Frei nach der Devise "Viel hilft viel" preisen deshalb viele Hersteller die Nahrungsergänzungsmittel insbesondere den Fisch-Verschmähern als Alternative an.

Forscher konnten bereits eine Reihe positiver Eigenschaften der Omega-3-Fettsäuren auf die Gesundheit ausmachen. Die Fettbestandteile verbessern die Fließeigenschaften des Blutes, ihre Abbauprodukte wirken entzündungshemmend. Daneben senken sie den Triglycerid- und LDL-Cholesterinspiegel im Blut, was wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Bluthochdruck senkt.

Tatsächlich konnten diese positiven Effekte der Säuren in mehreren großen Studien nachgewiesen werden. So belegt der "Gissi-Prevention-Trial" die schützende Wirkung von Omega-3-Konzentraten bei Patienten, die erste Symptome einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zeigten. Angesichts dieser und ähnlicher Studien kam die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu dem Schluss, dass sich Fisch, Fischöl oder Omega-3-Fettsäuren im Frühstadium von Herz-Kreislauf-Beschwerden günstig auswirken können und empfiehlt daher den Verzehr von ein- bis zweimal wöchentlich Fisch sowie die Aufnahme von DHA und EPA in Höhe von 250 Milligramm pro Tag.

Studienlage ist bisher nicht eindeutig

Auf der anderen Seite konnten südkoreanische Forscher in einer 2012 veröffentlichen Studie mit ähnlichen Patienten keinen Schutz durch die Fischölkapseln nachweisen. Sang Mi Kwak und sein Team fassten 14 Studien zusammen, in denen den Teilnehmern Omega-3-Kapseln verabreicht wurden. Das Ergebnis: Die Nahrungsergänzungsmittel halfen nicht.

"Obwohl bemerkenswert viele Studien zu Omega-3-Fettsäuren publiziert wurden, ist die Datenlage nicht eindeutig", sagt Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (Dife). Viele Studien wurden mit Teilnehmern durchgeführt, die bereits ein hohes Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße aufwiesen. Bei einigen dieser Studien kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Ergebnisse verzerrt sind, weil die Patienten bereits medikamentös behandelt wurden.

Sicher ist laut Schulze aber, dass die Omega-3-Fettsäuren die Konzentrationen von Triglyceriden im Blut und damit einen Risikofaktor für Koronare Herzerkrankungen senken. "Es ist also nicht auszuschließen, dass eine Therapie mit Omega-3-Fettsäuren tatsächlich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt", so Schulze. Derweil wird ein übermäßiger Konsum von Omega-3-Fettsäuren mit Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall oder Übelkeit in Verbindung gebracht.

Unterschiede zwischen den Fettsäuren aus Lebensmitteln und denen aus Kapseln gibt es laut Schulze wahrscheinlich keine, "zumal viele Kapseln direkt Fischöl enthalten". Die Empfehlungen der DGE zum Fisch, DHA- und EPA-Konsum hält der Experte für durchaus vertretbar.

Der regelmäßige Fischverzehr empfiehlt sich jedoch auch aufgrund anderer Inhaltsstoffe wie Eiweiß, Vitamin D und A sowie wichtiger Mineralstoffe wie Iod. "Wer mehr Fisch isst, isst zudem weniger andere proteinreiche Lebensmittel, die ungünstig sein können, wie rotes Fleisch", so Schulze.

Omega-3-Fettsäuren senken Risiko einer Demenz

In der jüngsten Vergangenheit wurde außerdem der Zusammenhang zwischen Omega-3-Fettsäuren und demenziellen Erkrankungen wie Alzheimer diskutiert. Ein hoher EPA- und DHA-Spiegel senkt demnach möglicherweise das Risiko einer Demenz. Eine aktuelle Studie im Fachmagazin "Neurology" hat diese Annahme jetzt untermauert.

Dafür untersuchten US-Forscher 1.111 Frauen im Alter von 65 bis 80 Jahren über einen Zeitraum von acht Jahren. Die Ergebnisse legen nahe, dass höhere EPA- und DHA-Konzentrationen mit einem größeren Gehirnvolumen korrelieren. Ein reduziertes Gehirnvolumen ist ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung von Alzheimer. Bis zu einer sicheren Aussage müssen allerdings noch die Ergebnisse weiterer Studien abgewartet werden.

Fazit: Vieles spricht für den schützenden Effekt von Omega-3-Fettsäuren bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Experten empfehlen, möglichst zweimal pro Woche Fisch zu essen oder auf pflanzliche Lieferanten wie Walnussöl zurückzugreifen. Stichhaltige Belege für den Nutzen von Fischöl-Kapseln fehlen bisher jedoch.

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insgesamt 81 Beiträge
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Seite 1
Boandlgramer 24.01.2014
1. Muss Werbung nicht eindeutig gekennzeichnet werden?
k.T.
Fletsch 24.01.2014
2. Ihr Fazit ist falsch
In dem Artikel steht klar "Unterschiede zwischen den Fettsäuren aus Lebensmitteln und denen aus Kapseln gibt es laut Schulze wahrscheinlich keine, "zumal viele Kapseln direkt Fischöl enthalten"" Daher ist der Konsum von Kapseln fuer Menschen, die wenig Fisch essen, sehr wohl zu empfehlen.
observerlbg 24.01.2014
3.
Also, Omega 3 Kapseln helfen oder auch nicht. Watt 'ne Erkenntnis. Nun ja, solange sie nicht derart schaden, dass Jemand zu Tode kommt, nur zu.
rst2010 24.01.2014
4. gestern
wuzrde berichtet, dass mittelmeer'diät' nachweislich erfolge zeitigt und khk errankungen vermeiden helfen kann. da beruht die hauptwirkung auf den ungesättigten fetten im olivenöl. heute ist die datenlage bez. ungesättigter fettsäuren wieder unbestimmt ... andererseits: vitamine ergänzend futtern scheint kontraproduktiv zu sein. mit anderen worten 100 studien, 100 forscher, 100 unterschiedliche ergebnisse und schlussfolgerungen, ohne eindeutige tendenz. (bzw. eindeutige tendenz immer hin zum wunschergebnis des studienfinanziereres).
Alphabeta 24.01.2014
5. Das Natürlichste
ist immer auch das Gesündeste. Deshalb ist Öl schonmal sowieso nicht das Gesündeste und sollte nur tröpfchenweise aufgenommen werden, wenn überhaupt. Ich als Veganerin esse z.B. die meiste Zeit des Jahres(vom Herbst bis zum Sommer)jeden Tag Walnüsse und sonst jeden Tag ein paar Tröpfchen Leinöl. Ich würde mich vor Fischölkapseln auch als Omnivorin genauso ekeln, wie ich mich als Kind vor dem obligatorischen Löffel Lebertran ekeln mußte. Und ich denke, das mit den Fischölkapseln ist heute genauso Geldmacherei, wie das damals mit dem Lebertran, als die Amis die größte Walfangflotte der Welt hatten. Ich möchte lieber gar nicht erst wissen, woher das Fischöl in den Kapseln heute kommt! Gibt es überhaupt noch gesunde Fische in diesen verseuchten Meeren? Oder in den Zuchten?
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