Mythos oder Medizin: Hellen Erdbeeren die Zähne auf?

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Lecker und kalorienarm: Erdbeeren sind das Obst des Sommers Zur Großansicht
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Lecker und kalorienarm: Erdbeeren sind das Obst des Sommers

"Ich habe gelesen, dass Erdbeeren die Zähne weißen. Mir kommt das komisch vor, weil beispielsweise Fruchtsäfte den Zähnen, soweit ich weiß, eher schaden. Ist das bei Erdbeeren anders?", fragt Daniela Späth aus Hamburg.

Kuchen, Milchshake, Quark, Tiramisu, Eis oder einfach nur pur: Erdbeeren sind die Königinnen des Nachtischs. Manch eine Frauenzeitschrift allerdings will eine Wirkung entdeckt haben, die mit Süßigkeiten so gar nichts zu tun hat. Aufgeschnitten und über die Zähne gerubbelt, sollen die süßen Früchte Verfärbungen lösen, heißt es da.

Tatsächlich können Erdbeeren die Zähne verändern, bestätigt Karl-Thomas Wrbas, Zahnmediziner an der Uniklinik Freiburg. Die Wirkung allerdings unterscheidet sich deutlich vom erhofften Effekt. Neben Kalzium, Magnesium, Eisen und Folsäure enthalten die süßen Früchte auch Vitamin C, also Ascorbinsäure. Sie ist es unter anderem, die Erdbeeren so gesund macht - allerdings nur, solange man die Früchte isst. Sonst kann der Zahnschmelz leiden.

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Die äußere Schicht der Zähne besteht hauptsächlich aus Hydroxylapatit, das aus Kalzium und Phosphat gebildet wird. Es ist das härteste Gewebe im Körper. Säuren jedoch können Kalzium und Phosphat aus der Beschichtung herauslösen, die Stabilität nimmt ab. Nach dem gleichen Prinzip entsteht auch Karies: Bakterien wie Streptokokken wandeln Zucker, auch Fruchtzucker, in Säuren um. Gelingt es nicht, den Zahnschmelz nach dem Säureangriff wieder zu stabilisieren, dringt die Karies in das Zahnbein ein, das unter dem Zahnschmelz liegt, und verursacht Schmerzen.

Zahnschmelz ausbleichen: Ähnlich wie Haare blondieren

Bei Menschen, die exzessiv Fruchtsäfte oder andere säurehaltige Getränke zu sich nehmen, seien die Zahnoberflächen häufig erosiv verändert, berichtet Wrbas. "Auch wenn man sich Erdbeeren oder Erdbeerbrei über die Zähne schmiert, schadet das eher und bringt optisch keinerlei Vorteile." Als Nahrungsmittel in den üblichen Mengen bedeuteten Früchte aber keine Gefahr für die Zahngesundheit.

Wer zu Verfärbungen neigt, sollten sich besser eine professionelle Zahnreinigung gönnen, rät Wrbas. Die Behandlung kann die Zähne von Kaffee-, Tee- oder Rotweinflecken befreien. Für die Zahngesundheit ist das aber kein Muss: "Leichte Verfärbungen schaden den Zähnen in der Regel nicht, wenn man sie ansonsten gut pflegt", sagt Wrbas.

Unnatürlich weiße Zähne, mit denen viele Hollywood-Stars in die Kameras grinsen, erreicht man allerdings nur, indem man den Zahnschmelz ausbleicht. "Das ist eine Art Schönheitsoperation für die Zähne und funktioniert ähnlich wie das Blondieren beim Friseur", so Wrbas. "Man braucht für ein effektives Bleichen konzentriertes Wasserstoffperoxid."

Der Stoff oxidiert Farbpigmente, die im Laufe der Zeit in den Zahnschmelz eingedrungen sind und hellt den Zahn auf diese Weise auf. Nach der Behandlung reagieren die Zähne oft ein paar Tage lang empfindlich auf süße, saure oder warme und kalte Lebensmittel. Außerdem macht die Prozedur den Zahnschmelz noch anfälliger für Säuren.

Weißende Zahncremes: Nahezu wirkungslos

Weißende Zahncremes dürfen in der EU maximal 0,1 Prozent Wasserstoffperoxid enthalten. Das ist zwar schonend, aber nahezu wirkungslos. Bleichprodukte für den Hausgebrauch hingegen sind höher konzentriert und wirken eher. Häufig versteckt sich Wasserstoffperoxid darin zu einem Drittel in Carbamidperoxid. Aber Achtung: Zwar sind die Bleichmittel in der Regel in noch geringeren Mengen enthalten als beim Zahnarzt. Dennoch besteht eine größere Gefahr für Anwendungsfehler, die Zahnfleisch oder -schmelz beschädigen können.

Richtig problematisch sind Experimente mit Hausmitteln wie Backpulver oder Salz. "Bloß nicht", sagt Wrbas. "Das ist sinnlos." Die Substanzen schmirgeln den Zahnschmelz ab und schaden neben der Zahngesundheit auch dem Aussehen. Unter dem Zahnschmelz wird Dentin sichtbar, aus dem das Zahnbein besteht. Und das ist gelb.

Fazit: Zucker und Säuren aus Erdbeeren greifen die Zähne an, wenn man sie gezielt darüber reibt. Besser verspeist man die leckeren Früchte. Anschließend Zahnseide nicht vergessen, das wusste schon Pretty Woman.

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1.
inci2 29.07.2013
Zitat von sysopHelfen Salzstangen gegen Durchfall? Lindert Quark Sonnenbrand? SPIEGEL ONLINE hinterfragt in der neuen Serie "Mythos oder Medizin", was Hausmittel wirklich bringen. Stellen auch Sie uns Ihre Fragen. Mythos oder Medizin: Werden Zähne durch Erdbeeren weiß - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/mythos-oder-medizin-werden-zaehne-durch-erdbeeren-weiss-a-910577.html)
Ob Quark bei Sonnenbrand hilft, weiß ich nicht. Wohl hilft aber Natur-Joghurt. Den auf den Sonnenbrand etwas dick auftragen. Nach einer Weile sind die Oberfläche platzt die Oberfläche dann auf, wie getrocknete Erde. Dann kann man den Joghurt vorsichtig abduschen und sich trockentupfen. Und es hilft tatsächlich, denn er zieht die Hitze weg und mildert auch den Sonnenbrand durch den PH-Wert des Joghurts.
2. Professionelle Zahnreinigung
Tschirio 29.07.2013
Was keiner sagt: Wenn man einmal damit angefangen hat, kommt man nicht mehr davon los. Im Bekanntenkreis sind einige, die nach der ersten Reinigung immer wieder hin müssen, da die Zähne sich viel schneller verfärben. Es scheint, als wenn die Oberfläche dauerhaft poröser geworden ist und so mehr Belag aufnimmt. Das sagt leider kein Zahnarzt vorher....
3. Blendend weiße Zähne
spiegelleser99 29.07.2013
lieber gesund leben als nur dem äußeren Schein nachjagen!
4. Quark, Joghurt, Erdbeeren?
univisor 29.07.2013
@ inci @Alle: Quark und Joghurt hilft tatsächlich bei Sonnenbrand. Der ph-Wert ist bei ca. 3,8 bis 4,4, also sauer. Es kühlt und lindert. Sollte man aber nur bis zu einem gewissen Grad der Verbrennung benutzen, wenn überhaupt. Wenn sich schon Sonnenbrand-Bläschen bilden, .d.h. der Sonnenbrand tiefergeht, aufpassen. Durch die Bakterien in Quark oder Joghurt können Infektionen entstehen. Oder, öfter mal in den Schatten, das ist auch ne Idee ;-) @Spiegel: Erdbeeren sind kein Obst, sondern gehören zu den Rosenfrüchten und botanisch ist es eine Sammelnuss. Die kleinen braunen Dinger sind die Nüsse, das sind die eigentliche Früchte der Erdbeeren. Nüsse beruhigen die Nerven, also auf jeden Fall meine. Aber Achtung, Erdnüsse sind keine Nüsse, sondern getrocknete dicke Bohnen. Man lernt nie aus, guten Appetit... :-)
5. Zu spät ...
hasimen 29.07.2013
jetzt ! Jetzt wo die Ernte gelaufen oder z.T. verhagelt ist kommt die News zu spät. Da haben wohl wieder ein paar Redakteure zu lange auf des NSA-Kiste gebrütet ?
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Zur Autorin
  • Julia Merlot studierte Wissenschaftsjournalismus und begeistert sich für Themen rund um Mensch und Tier. Sie ist Redakteurin im Ressort Wissenschaft von SPIEGEL ONLINE.
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