Allergien durch Ohrringe Jeder sechste Stecker enthält zu viel Nickel

Das Bundesamt für Verbraucherschutz hat 382.000 Produkt-proben getestet. Ergebnis: Lederwaren enthalten zu häufig zu viel Chrom und Ohrringe zu viel Nickel. Beide Stoffe können Allergien auslösen.

Ohrring: Enthält der Schmuck Nickel, kann eine Kontaktallergie mit Rötungen und Jucken die Folge sein
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Ohrring: Enthält der Schmuck Nickel, kann eine Kontaktallergie mit Rötungen und Jucken die Folge sein


Von Modeschmuck über Leder bis hin zu Honig und Fisch: Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) kontrolliert regelmäßig die Sicherheit von Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen. Im vergangenen Jahr untersuchten die Kontrolleure rund 382.000 Proben - und mussten zwölf Prozent beanstanden. Schlechte Nachrichten haben sie unter anderem für Allergiker.

Außerdem bemängelten die Tester wie in den Vorjahren mit einer Beanstandungsquote von 22,6 Prozent besonders häufig sogenannte "Lebensmittel für besondere Ernährungsformen". Darunter verstehen sie etwa Nahrung für Säuglinge und Kleinkinder oder Menschen, deren Verdauungssystem oder Stoffwechsel gestört ist.

Ebenfalls oft bemängelt worden seien alkoholische Getränke, Zuckerwaren sowie Fleisch, Wild, Geflügel und Erzeugnisse daraus, so das BVL. 15 bis 16 Prozent dieser Produkte hätten Mängel aufgewiesen. Die Hälfte der beanstandeten Proben verstieß demnach gegen Vorschriften der Kennzeichnung und Aufmachung. Die Ergebnisse im Überblick:

Modeschmuck: Viele Menschen reagieren allergisch, wenn sie mit Gegenständen in Kontakt kommen, die Nickel abgeben. Dazu gehört auch Modeschmuck. 2014 überschritt jeder sechste (17,4 Prozent) der geprüften Stecker von Ohrringen oder Piercingschmuck den zulässigen Grenzwert. Zum Vergleich: 2008 lag der Anteil noch bei 14 Prozent. Untersucht wurden zuletzt 556 Proben.

BVL-Präsident Helmut Tschiersky bezeichnete den jüngsten Anstieg als nicht hinnehmbar. "Es ist an der Zeit, dass sowohl die Hersteller als auch die Importeure dafür sorgen, dass die Grenzwerte eingehalten werden."

Für Allergiker gibt es aber auch gute Nachrichten: Bei anderen Teilen von Modeschmuck sowie deren Verschlüssen - wie etwa an Armbändern - sank der Anteil der Grenzwertüberschreitungen von 10 auf 4,9 Prozent.

Leder: Ob Handschuhe, Rucksäcke, Schuhe oder Armbanduhren - auch Lederprodukte können bei unmittelbarem Hautkontakt Allergien auslösen. Das ist dann der Fall, wenn sogenanntes sechswertiges Chrom (Chrom VI) enthalten ist, das über bestimmte Gerbverfahren hineingelangt. 2014 überschritten bei den BVL-Messungen 16 Prozent der Produkte die Nachweisgrenze.

Besonders stark mit Chrom belastet waren den Kontrolleuren des Bundesamts zufolge Lederhandschuhe oder Lederfingerlinge: 33 Prozent der untersuchten Produkte überschritten die Nachweisgrenze. Auch in 25 Prozent der Rucksäcke, Koffer und Taschen fand sich demnach Chrom. Während Produkte aus Deutschland in zwölf Prozent der Fälle belastet waren, fanden sich in 33 Prozent der Proben aus China Chrom-Rückstände.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht davon aus, dass mehr als eine halbe Million Menschen empfindlich auf den Stoff reagiert. Weltweit sind 16 Millionen Menschen Chrom VI unmittelbar ausgesetzt. Das geht aus dem Umweltgiftreport 2015 der Schweizer Stiftung Green Cross und Non-Profit-Organisation Pure Earth hervor.

Geflügel: Antibiotika wirken immer häufiger nicht, weil Bakterien dagegen resistent werden. Ein Grund ist übermäßiger Einsatz in der Tierhaltung. Das BVL testete 125 Proben von Hähnchen und 84 von Pute auf entsprechende Rückstände. Die gute Nachricht: Der nachweisbare Antibiotikagehalt lag in der Regel deutlich unter den zulässigen Höchstmengen.

Zuletzt hatten sich Geflügelproduzenten in einer "Geflügel-Charta" zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika bekannt. Ein BfR-Forschungsprojekt hatte zudem jüngst ergeben, dass Mastschweinen in den vergangenen Jahren deutlich weniger Antibiotikagegeben wurde.

Fisch: Ein weiteres Problem sind Antibiotika in Fischen aus Unterwasserfarmen außerhalb der EU. "Die meisten Fische aus Aquakulturen stammen aus Asien", sagt BVL-Abteilungsleiter Gerd Fricke. Dort sei der Antibiotikaeinsatz nicht so streng reglementiert wie in der EU. Von 158 Proben aus Aquakulturen aus Drittländern wurden demnach aber nur sechs beanstandet.

Honig: Honig ist ein Naturprodukt, kann aber Pflanzengifte - sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PA) - enthalten. In 46,4 Prozent der Proben fanden die Kontrolleure einen Gehalt zwischen einem und 20 Mikrogramm pro Kilo, in fast zehn Prozent sogar mehr.

Die Behörde verweist in dem Zusammenhang auf BfR-Zahlen, nach denen Erwachsene von Honig mit 25 Mikrogramm PA pro Kilo nicht mehr als 20 Gramm täglich essen dürfen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft isst jeder Deutsche im Schnitt ein Kilogramm Honig im Jahr - demnach wird die Aufnahmegrenze beim durchschnittlichen Honigesser nicht überschritten.

Hinzu kommt: "Deutscher und europäischer Honig ist gering belastet", betont der Vorsitzende der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz, Michael Kühne. Anders könne das bei Übersee-Honig sein. Auch das Magazin "Ökotest" hatte den Stoff vor einem Jahr in Importhonig festgestellt. In mehreren deutschen Honigen stießen die Tester indes auf Rückstände des Insektizids Thiacloprid.

jme/dpa/AFP



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