Chinesische Schwimmerin Beeinflusst die Periode die Leistungsfähigkeit?

"Ich habe vergangene Nacht meine Periode bekommen", erklärte die chinesische Schwimmerin Fu Yuanhui nach einer enttäuschenden Leistung. Wie groß ist der Einfluss des Zyklus auf die Fitness?

Am 8. August hatte Fu Yuanhui Bronze im Rückenschwimmen gewonnen.
AFP

Am 8. August hatte Fu Yuanhui Bronze im Rückenschwimmen gewonnen.


Die chinesische Schwimmerin Fu Yuanhui ließ die Welt bei den Olympischen Spielen in Rio wissen, was für viele Frauen maximal privat ist: Sie habe in der vergangenen Nacht ihre Periode bekommen, sagte sie in eine Fernsehkamera.

Zuvor hatte Fu mit ihren drei Teamkolleginnen knapp die Medaillen bei der 4 x 100-Meter-Staffel verpasst. Als sie als Letzte der vier beim Fernsehinterview an die Reihe kam, kauerte die Schwimmerin erst auf dem Boden, stand dann auf und entschuldigte sich bei ihren Teamkolleginnen - so beschreibt es die Seite "Shanghaiist".

Als sie im Interview gefragte wurde, ob sie Schmerzen habe, erklärte die Schwimmerin, die in China seit den Olympischen Spielen ein Social-Media-Star ist: "Ich habe vergangene Nacht meine Periode bekommen und bin gerade sehr müde." Das sei aber keine Entschuldigung, sagte sie weiter. "Ich bin trotzdem nicht so geschwommen, wie ich eigentlich sollte."

Fu sei die erste Athletin in Rio, die eingestehe, ihre Periode zu haben, feierten Nutzer bei Weibo, einem der wichtigsten sozialen Netzwerke in China, den Mut der Schwimmerin. Andere Sportlerinnen hatten in der Vergangenheit kritisiert, die Menstruation sei eines der letzten Tabus im Sport. So erklärte etwa die frühere britische Tennisspielerin Annabel Croft 2015 der BBC "Frauen leiden im Stillen", was Probleme mit ihrer Menstruation angehe.

Beeinflusst die Periode tatsächlich die Leistungsfähigkeit?

Jede Frau nimmt die Beschwerden während ihrer Periode anders wahr. Grundsätzlich sind sich Mediziner aber einig, dass die Tagesform von Sportlerinnen auch mit ihrem Zyklus zusammenhängt. Das gilt besonders für Frauen, die nicht hormonell - also zum Beispiel mit der Pille - verhüten.

Oft kommt die Schlappheit schon kurz vor der Periode. Schuld daran ist das Hormon Progesteron. Es führt dazu, dass der Körper Wasser einlagert und die Brüste spannen.

Während der Periode selbst fühlt sich rund die Hälfte der Frauen schlapp. Manche haben jedoch so starke Unterleibskrämpfe, dass sie kaum aufstehen können. Grundsätzlich sollte die Periode aber nicht als Sportausrede dienen: "Bewegung hilft gegen das unangenehme Ziehen im Unterleib", sagte Petra Platen von der Ruhr-Universität in Bochum im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Es gibt auch eine Zeit, in der der Zyklus Sportlerinnen zu Höchstleistung verhilft: Kurz vor dem Eisprung sorgt das Hormon Östradiol dafür, dass die Muskulatur stärker auf Belastung reagiert. Dann zahlt sich auch das Training besonders aus.

Kann andersherum der Zyklus auch unter dem Sport leiden?

Ja, kann er. Trainieren Sportlerinnen sehr viel und haben sie einen geringen Körperfettanteil, kann ihre Regelblutung ausbleiben. Mediziner sprechen von einer Amenorrhoe. Für die Betroffenen ist es besonders wichtig, sich eisen- und kalziumreich zu ernähren. Sonst droht ihnen eine Osteoporose: Ihre Knochen können an Festigkeit verlieren.

Leistungssportlerinnen können den Zeitpunkt eines Wettkampfs schlecht vom Zyklus abhängig machen. Wie gehen sie am besten damit um?

Eine hormonelle Verhütung ist für Leistungssportlerinnen tatsächlich die beste Wahl - zumindest, wenn sie die Mittel vertragen. "Viele Sportlerinnen nehmen die Pille oder einen Hormonring. So kann man zum einen den Zyklus kontrollieren und Menstruationsbeschwerden lindern", erklärte Ingalena Heuck, ehemalige deutsche Meisterin im Halbmarathon, SPIEGEL ONLINE. "Zum andern kann man die Regel verschieben, wenn die Periode gerade auf einen Wettkampftag fallen würde."

Wollen Frauen ihre Menstruation aufgrund eines Wettkampfes verschieben, sollten sie die Blutung lieber vorverlegen, raten Experten der Ruhr-Universität Bochum. Dadurch ließen sich die ungünstigeren Effekte der Zeit direkt vor der Periode umgehen. Grundsätzlich sollten Frauen den Zeitpunkt ihrer Periode aber nur in Ausnahmefällen verlegen.

Bei Sportlerinnen, deren Zyklus gestört ist, können hormonelle Verhütungsmittel zudem den Knochenstoffwechsel positiv beeinflussen und so das Osteoporose-Risiko senken. "Derzeit werden positive Effekte durch die Einnahme der Pille auf die Verletzungshäufigkeit von Athletinnen angenommen", schreibt die Ruhr-Universität Bochum.

Trotzdem sollten sich Sportlerinnen - wie jede Frau - vor der Einnahme immer über die Nebenwirkungen informieren. Dabei ist es auch wichtig zu beachten, dass die Mittel keine anabolen, den Muskelaufbau fördernden Substanzen enthalten. Diese stehen auf der Dopingliste. Bei den üblichen Antibabypillen sollte das aber kein Problem sein.

irb

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