Fleischersatz aus Pflanzen "Am wichtigsten ist der Geruch nach Blut"

Die kalifornische Firma "Impossible Foods" will den perfekten Fleischersatz aus Pflanzen entwickeln. Firmenchef Patrick Brown erklärt, wie Hackfleisch beschaffen sein muss, das keines ist.

Impossible Foods

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Wörter wie "Bratling" hört Patrick Brown ungern. Der einstige Stanford-Mediziner nennt seine Erfindung lieber "pflanzenbasiertes Fleisch". Jahrelang tüftelte der Chef der Firma "Impossible Foods" aus dem kalifornischen Redwood City daran, bevor er Hackfleisch präsentierte, das keines ist. In ausgewählten Restaurants in New York und San Francisco lässt sich der "Impossible Burger" bereits verkosten. In zwei bis drei Jahren soll das Pflanzenhack in den Supermärkten liegen.

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Heft 8/2017
Welches Fleisch? Wie viel Fleisch? Künstliches Fleisch?

SPIEGEL ONLINE: Was ist falsch daran, Fleisch zu essen?

Brown: Alles. Die Viehwirtschaft verbraucht mehr Wasser als jede andere Industrie. Sie verursacht fast 15 Prozent der globalen Klimagase. Das ist mehr, als der gesamte Transportsektor erzeugt. Die Hälfte jeden Hektars Land, der auf der Erde nicht von Eis bedeckt ist, wird für den Anbau von Futtermitteln oder für die Haltung von Vieh genutzt. Das ist insgesamt mehr als Nordamerika, Südamerika, Europa, Australien, Neuseeland und Indonesien zusammen. Die Nutzung von Tieren zur Fleischproduktion ist im Moment die größte globale Umweltgefahr. Und niemand macht einen ernsthaften Versuch, das Problem zu lösen.

SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie dagegen unternehmen?

Patrick Brown, CEO von Impossible Foods
Winni Wintermeyer/ Der Spiegel

Patrick Brown, CEO von Impossible Foods

Brown: Tiere sind im Prinzip Biofabriken, die Pflanzen in Fleisch und Milchprodukte umwandeln. Leider sind sie dafür nicht besonders gut geeignet, denn sie arbeiten wenig effizient. Wir glauben, dass wir das besser können. Wir versuchen, diese natürliche Technologie durch eine bessere zu ersetzen. Eigentlich ist es ganz einfach: Das Rind nutzt Pflanzen, um einen Burger zu machen. Jetzt nutzen wir Pflanzen, um einen Burger zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Wie genau?

Brown: Wir haben die letzten fünf Jahre damit verbracht, auf einer molekularen Ebene zu verstehen, was Fleisch ausmacht, was ihm eigentlich die Eigenschaften verleiht, die es so attraktiv für den Menschen machen. Gleichzeitig haben wir nach Pflanzen Ausschau gehalten, mit denen sich diese Eigenschaften nachbilden lassen. Beim Rinderhack waren wir bereits sehr erfolgreich. Mit unserer Technologie sind aber auch andere Fleischsorten, Fisch und Milchprodukte denkbar.

SPIEGEL ONLINE: Was macht Fleisch so attraktiv für den Menschen?

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"Impossible Foods": Hackfleisch aus Pflanzen

Brown: Am wichtigsten ist der Geruch nach Blut. Alle Fleischfresser springen darauf an. Ich habe deshalb schon früh vermutet, dass der Blutfarbstoff Hämoglobin eine große Rolle für den Geschmack von Fleisch spielt. Und tatsächlich scheint Hämoglobin der magische Bestandteil für den echten Fleischgeschmack zu sein. Denn was Fleisch von allen anderen Lebensmitteln unterscheidet, ist sein hoher Hämoglobin-Gehalt. Er liegt mehr als hundertmal höher als in jeder Pflanze. Hämoglobin befördert viele der chemischen Reaktionen, die während des Bratens ablaufen und die diese fantastische Aromaexplosion auslösen. Auch die Eigenschaften des Fetts sind wichtig für den Geschmack. Die Textur macht besonders viel aus. Wir haben pflanzliche Fette und Eiweiße identifiziert, mit denen wir ein sehr ähnliches Mundgefühl erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Wo bekommen Sie die Zutaten für den Burger her?

Brown: Wir benutzen ganz normale Inhaltsstoffe wie Kartoffeleiweiß oder Kokosnussöl. Das Hämoglobin zu beschaffen war allerdings schwieriger. Am Anfang dachten wir, es lasse sich aus den Wurzelknollen von Soja gewinnen. Doch dann hätten wir wieder sehr viel Soja anbauen müssen. Also haben wir ein Gen aus der Sojapflanze in Hefezellen eingeschleust. Jetzt lassen wir das Hämoglobin von Hefe herstellen, die in Fermentern wächst -– ähnlich wie beim Bier brauen.

SPIEGEL ONLINE: Warum fordern Sie nicht einfach, dass die Leute weniger Fleisch essen?

Brown: Weil Fleisch zu wichtig für die Menschen ist. Die Leute wollen das einfach. Die Nachfrage geht durch die Decke. Es gibt nur eine Lösung: Wir müssen den Leuten ihr Fleisch geben, es aber auf eine bessere Weise herstellen. Besser heißt dabei nicht nur nachhaltiger, sicherer und nahrhafter. Unser Fleisch muss auch mindestens genauso lecker und genauso erschwinglich sein. Wir werden nur Erfolg haben, wenn der Verbraucher unser Fleisch dem aus Tieren hergestellten Fleisch vorzieht.

SPIEGEL ONLINE: Ist Ihr Burger tatsächlich umweltfreundlicher?

Brown: Wer statt eines herkömmlichen Viertelpfünders einen unserer Burger isst, spart das Wasser eines zehnminütigen Duschbads ein und Klimagase in der Menge, die bei einer Autofahrt von etwa 30 Kilometern frei wird. Der Landverbrauch ist sogar zwanzig Mal geringer als bei einem Burger aus Rindfleisch, Land, das wieder Lebensraum für Wildtiere werden könnte. Verzicht ist damit nicht verbunden. Unser Fleisch hat denselben Eisen- und Vitamingehalt wie herkömmliches Fleisch. Gleichzeitig enthält es etwas mehr Eiweiß, etwas weniger Fett und weniger Kalorien.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Markt wollen Sie mit Ihrem Pflanzenhack erobern?

Brown: Wir haben uns fest vorgenommen, das gesamte Hackfleisch der Welt auf diese Weise zu produzieren. Und wir meinen das vollkommen ernst. Wenn die Leute in 50 Jahren einen Burger essen, wird er nicht aus Rindfleisch hergestellt sein.

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insgesamt 135 Beiträge
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Seite 1
Ishibashi 18.02.2017
1. super Idee
leider nichts für mich. Ich finde den Geruch von Fleisch nur ekelhaft.
chrizna 18.02.2017
2. Super! Hoffentlich ist es auch hier bald erhältlich!
Ich habe schon vor 20 Jahren in Indien Curries aus Jackfruit gegessen und war begeistert , weil es so unglaublich lecker war und sich von der Textur her exakt wie Hühnchen anfühlt! Genial, dass dies nun im großen Stil auch in den Westen kommt und dann hoffentlich die Massentierhaltung immer mehr überflüssig wird.
user124816 18.02.2017
3. super
wenn es denn irgendwann verfügbar ist, und tatsächlich schmeckt.
unzensierbar 18.02.2017
4.
Ist ja eine tolle Idee, nur der große Haken wird wahrscheinlich sein, dass es Jahre oder Jahrzehnte braucht bevor man es sich in jedem Land im Supermarkt kaufen kann und ich will wirklich wissen wie sie es schaffen wollen die Presie niedrig zu halten. Leute werden es nun einmal nur kaufen, wenn es genaudo billig oder billiger als Fleisch ist, naja oder wenn sie mehr Geld zur Verfügung haben. Das ist aber ein anderes Thema.
sw35 18.02.2017
5. Sinnvolles Projekt...
dem ich viel Erfolg wünsche!! Ich selbst als Vegetarier (seit ein paar Jahren) brauche und kaufe zwar keine Fleischersatz-Produkte, aber für alle anderen, die darauf nicht verzichten wollen, oder ihren Fleischverzehr verringern wollen, eine sehr gute Sache.
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