SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

14. Februar 2013, 15:59 Uhr

Lebensmittel-Skandal

Risiko-Schmerzmittel im Pferdefleisch

In französischen Tiefkühlprodukten sind Reste des Schmerzmittels Phenylbutazon gefunden worden. Die Arznei wird wegen schwerer Nebenwirkungen beim Menschen äußerst zurückhaltend eingesetzt. In Deutschland werden Patienten noch damit behandelt - andernorts ist es verboten.

Die zwei in Deutschland verfügbaren Präparate heißen Ambene und Exrheudon, sie enthalten genau den Wirkstoff, der beim Pferdefleisch-Skandal für Aufregung sorgt: Phenylbutazon. Das Schmerzmittel ist in Deutschland auch für den Einsatz beim Menschen zugelassen - allerdings nur bei wenigen, ausgewählten Krankheiten. Und auch dann nur für kurze Zeit.

Ärzte gehen mit Phenylbutazon vorsichtig um, weil das Medikament schwere Nebenwirkungen hervorrufen kann. Die sind auch der Grund, weshalb der Wirkstoff zum Beispiel in den USA und Großbritannien nur noch in der Tiermedizin eingesetzt wird. Gefürchtet sind vor allem schwere Nebenwirkungen wie Bewusstseinsstörungen und Darmblutungen. Gefährlich werden kann Phenylbutazon auch für Patienten, deren Leber oder Niere nur noch eingeschränkt funktionieren oder deren Herz geschwächt ist.

Die meisten Schmerzpatienten können mit anderen Medikamenten erfolgreich behandelt werden, von denen viele dem Phenylbutazon ähneln. Diclofenac, Ibuprofen und andere so genannte nichtsteroidale Entzündungshemmer kommen in Frage, auch Präparate wie Paracetamol oder Metamizol sind Alternativen.

Doch bei manchen Betroffenen schlägt keines dieser Arzneimittel an. Für diese Patienten, die an chronischer Entzündung mehrerer Gelenke (Polyarthritis), schweren Gichtanfällen oder der seltenen rheumatischen Krankheit Morbus Bechterew leiden, bei der die Wirbelsäule versteift, ist Phenylbutazon nach wie vor verfügbar. Jedoch darf das Schmerzmittel auch dann nur für maximal eine Woche am Stück eingesetzt werden, um das Risiko von Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.

Das Medikament spielt unter anderem aus diesem Grund in der Medizin am Menschen eine untergeordnete Rolle. Während der Arzneiverordnungs-Report 2012 für das sehr häufig verwendete Diclofenac im Jahr 2011 mehr als 419 Millionen verordnete Tagesdosen registriert, bringt es Phenylbutazon im gleichen Jahr auf gerade einmal 300.000 Tagesdosen.

dba

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH