Lebensmittel-Skandal: Risiko-Schmerzmittel im Pferdefleisch

In französischen Tiefkühlprodukten sind Reste des Schmerzmittels Phenylbutazon gefunden worden. Die Arznei wird wegen schwerer Nebenwirkungen beim Menschen äußerst zurückhaltend eingesetzt. In Deutschland werden Patienten noch damit behandelt - andernorts ist es verboten.

Phenylbutazon in der Schweinemast (2000): In vielen Ländern nicht zugelassenZur Großansicht
DPA/ Vier Pfoten

Phenylbutazon in der Schweinemast (2000): In vielen Ländern nicht zugelassen

Die zwei in Deutschland verfügbaren Präparate heißen Ambene und Exrheudon, sie enthalten genau den Wirkstoff, der beim Pferdefleisch-Skandal für Aufregung sorgt: Phenylbutazon. Das Schmerzmittel ist in Deutschland auch für den Einsatz beim Menschen zugelassen - allerdings nur bei wenigen, ausgewählten Krankheiten. Und auch dann nur für kurze Zeit.

Ärzte gehen mit Phenylbutazon vorsichtig um, weil das Medikament schwere Nebenwirkungen hervorrufen kann. Die sind auch der Grund, weshalb der Wirkstoff zum Beispiel in den USA und Großbritannien nur noch in der Tiermedizin eingesetzt wird. Gefürchtet sind vor allem schwere Nebenwirkungen wie Bewusstseinsstörungen und Darmblutungen. Gefährlich werden kann Phenylbutazon auch für Patienten, deren Leber oder Niere nur noch eingeschränkt funktionieren oder deren Herz geschwächt ist.

Die meisten Schmerzpatienten können mit anderen Medikamenten erfolgreich behandelt werden, von denen viele dem Phenylbutazon ähneln. Diclofenac, Ibuprofen und andere so genannte nichtsteroidale Entzündungshemmer kommen in Frage, auch Präparate wie Paracetamol oder Metamizol sind Alternativen.

Doch bei manchen Betroffenen schlägt keines dieser Arzneimittel an. Für diese Patienten, die an chronischer Entzündung mehrerer Gelenke (Polyarthritis), schweren Gichtanfällen oder der seltenen rheumatischen Krankheit Morbus Bechterew leiden, bei der die Wirbelsäule versteift, ist Phenylbutazon nach wie vor verfügbar. Jedoch darf das Schmerzmittel auch dann nur für maximal eine Woche am Stück eingesetzt werden, um das Risiko von Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.

Das Medikament spielt unter anderem aus diesem Grund in der Medizin am Menschen eine untergeordnete Rolle. Während der Arzneiverordnungs-Report 2012 für das sehr häufig verwendete Diclofenac im Jahr 2011 mehr als 419 Millionen verordnete Tagesdosen registriert, bringt es Phenylbutazon im gleichen Jahr auf gerade einmal 300.000 Tagesdosen.

Ernährung: Delikatesse Pferdefleisch

dba

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insgesamt 5 Beiträge
hagen-van-tronje 14.02.2013
Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, und die Lasagne verschreibungspflichtig wird, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann
Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, und die Lasagne verschreibungspflichtig wird, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann
rabenkrähe 14.02.2013
..... Auch dieser Skandal wird viel zu schnell abgehandelt werden, dabei ist er symptomatisch. Billig ist in und notwendig, weil viele Menschen sich teurere Nahrung gar nicht leisten können. Was ihnen bei dem verbrecherischen [...]
Zitat von sysopIn französischen Tiefkühlprodukten sind Reste des Schmerzmittels Phenylbutazon gefunden worden. Die Arznei wird wegen schwerer Nebenwirkungen beim Menschen äußerst zurückhaltend eingesetzt. In Deutschland werden Patienten noch damit behandelt - andernorts ist es verboten. Phenylbutazon im Pferdefleisch: Schmerzmittel mit Nebenwirkungen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/phenylbutazon-im-pferdefleisch-schmerzmittel-mit-nebenwirkungen-a-883438.html)
..... Auch dieser Skandal wird viel zu schnell abgehandelt werden, dabei ist er symptomatisch. Billig ist in und notwendig, weil viele Menschen sich teurere Nahrung gar nicht leisten können. Was ihnen bei dem verbrecherischen Medikamentenmißbrauch in der Massentierhaltung und bei den Sparexzessen in der Futterindustrie da letztlich auf den Teller kommt, insbesondere wenn die Rohstoffe stark verarbeitet wurden (Hack, Streichprodukte, Mischprodukte undundund), das will keiner wirklich wissen. Manchmal ist es ja auch erstaunlich, daß sich in diesen Produkten noch Spurenelemente der ganzen angegebenen Rohstoffe und nicht nur Chemikalien und künstliche Stoffe finden... rabenkrähe
neanderspezi 14.02.2013
Wirklich seltsam. Zunächst wird eine erste Empörungswelle tsunamiartig und publikumswirksam ausgelöst, mit Informationen, die Pferdefleisch in Lasagne und vermutlich in Hack ganz allgemein verkünden und den überraschten Genießer [...]
Wirklich seltsam. Zunächst wird eine erste Empörungswelle tsunamiartig und publikumswirksam ausgelöst, mit Informationen, die Pferdefleisch in Lasagne und vermutlich in Hack ganz allgemein verkünden und den überraschten Genießer solcher Speisen nach einer Phase der Aufregung aus seinen auf Rind trainierten genussfreudigen Geschmacksträumen reißt. Nach einer Schonfrist und abgeebbter Empörung wird ihm nun der eigentliche Skandal nachgereicht. Das angeblich zu Rindfleisch gleichwertige oder gar höherwertige Pferdefleisch enthält das für den humanen Verbrauch verbotene Schmerzmittel Phenylbutazon, das Pferden zur Linderung bei Gelenkschmerzen verabreicht wird und das durch seine gefährlichen Nebenwirkungen nicht in Lebensmittel gelangen darf. Es wurden also derartig behandelte Gäule, die nach ihrem herbeigeführten Ableben hätten entsorgt werden müssen, klammheimlich mit ihrem Schlachtkörper der menschlichen Ernährung zugeführt. Der Lebensmittelskandal kann sich nunmehr in seiner vollen Pracht entwickeln und alle Politiker, die ausreichend Empörungsroutine haben, können nun ihre Anklagen erheben, dass solche kriminellen Machenschaften alle nur denkbaren Regularien unterlaufen hätten und völlig unvorhersehbar und unkontrollierbar diesen Skandal herbeiführen konnten.
mikatrue 14.02.2013
Sieht so aus, als das sich eine Tomaten-Hackfleischsauce besonders gut zum Maskieren von Fleischabfällen (oder Sondermüll?) eignet. Mein Tipp: Sucht doch mal in den Bolognese Gläsern der vielen Premium- und Billigmarken - ist [...]
Sieht so aus, als das sich eine Tomaten-Hackfleischsauce besonders gut zum Maskieren von Fleischabfällen (oder Sondermüll?) eignet. Mein Tipp: Sucht doch mal in den Bolognese Gläsern der vielen Premium- und Billigmarken - ist doch geschmacklich ganz ähnlich wie Lasagne, oder? Hmmm…
guteronkel 15.02.2013
Wenn in Deutschland die Mittel noch nicht verboten sind, dann ist doch alles in Ordnung. Der Käufer wird ganz langsam an den Mist gewöhnt, er hat Freude am Genuss und weiß es nicht. Also wie gehabt, nichts Neues unter der Sonne.
Wenn in Deutschland die Mittel noch nicht verboten sind, dann ist doch alles in Ordnung. Der Käufer wird ganz langsam an den Mist gewöhnt, er hat Freude am Genuss und weiß es nicht. Also wie gehabt, nichts Neues unter der Sonne.
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  • Donnerstag, 14.02.2013 – 15:59 Uhr
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