Hobby-Sammler Zahl der Pilz-Vergiftungen steigt

2014 ist ein Pilz-Jahr - doch das hat eine gefährliche Nebenwirkung: Die Zahl der Hobby-Sammler, die sich mit ungenießbaren Exemplaren vergiften, ist höher denn je.

Großer Gelbfuß: Dieser Pilz ist essbar
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Großer Gelbfuß: Dieser Pilz ist essbar


Dieses Jahr ist die Pilzsaison vielerorts ungewöhnlich gut und lang. Damit steigt auch die Zahl der Vergiftungen: "2014 toppt alles, so viele Anrufe hatten wir in den letzten Jahren nie", sagt etwa Dagmar Eckart von der Giftnotrufzentrale in Mainz, die für Rheinland-Pfalz und Hessen zuständig ist. Mehr als 300 Fälle wurden dieses Jahr dort notiert. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum der Vorjahre.

"Die Tendenz ist steigend", bestätigt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) in Berlin. "Das ist ja auch logisch: Je mehr Pilze es gibt, desto höher ist die Gefahr von Vergiftungen."

Für Uwe Stedtler vom Giftinformationszentrum Freiburg sind vor allem Unwissenheit und fehlende Erfahrung Gründe für Pilzvergiftungen. Anrufer in der Vergiftungsinformationszentrale klagen meist über Magen-Darm-Beschwerden nach dem Verzehr selbstgesammelter Pilze.

Experten raten Pilzsuchern, ihre Fundstücke von einem Fachmann begutachten zu lassen.

Warnung vor Bestimmung per App oder Forum

Zwar gab es auch vergangenes Jahr viele Pilze, aber erst zum Ende der Saison. Wegen des nassen Sommers lohnte sich dieses Jahr vielerorts schon im Juni die Pilzsuche - ein solcher Frühstart kommt nur alle 10 bis 15 Jahre vor.

Die Krankenkasse DAK, die bereits im vergangenen Jahr von einer deutlichen Zunahme schwerer Pilzvergiftungen berichtete, sieht noch einen weiteren Grund für den Anstieg. "Vor allem in Süddeutschland hatten viele Menschen lange Zeit Angst, dass Pilze radioaktiv belastet sein könnten - eine Nachwirkung der Tschernobyl-Katastrophe", sagt die DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. Diese Sorge schwinde langsam.

Stedtler rät dringend ab, Pilze anhand von Smartphone-Apps oder Internetforen zu bestimmen. Apps sollten, genau wie Bestimmungsbücher, nur dann genutzt werden, wenn sich Sammler ohnehin gut auskennen. Für Laien seien Apps sehr gefährlich.

Es gibt mehrere Tausend Pilzarten in Deutschland, etwa 200 von ihnen sind giftig. Viele haben Doppelgänger - so sieht etwa für Laien der weitverbreitete Knollenblätterpilz mit seinen hochtoxischen Lebergiften dem harmlosen Champignon zum Verwechseln ähnlich. Die meisten tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen in Mitteleuropa gehen auf diesen Pilz zurück. Die DGfM hat auf ihrer Homepage eine Liste mit Sachverständigen veröffentlicht. Diese arbeiten meistens kostenlos oder gegen ein geringes Honorar.

wbr/dpa

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insgesamt 33 Beiträge
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Shelly 14.09.2014
1. Funktioniert denn die Pilz-App
auf den smartphones nicht richtig?
d_grat 14.09.2014
2.
Eigentlich der Knollenblätterpilz einer der wenigen vor denen man sich insbesondere vorsehen sollte. Darüberhinaus sieht er dem Champignon überhaupt nicht ähnlich. Wer sich damit vergiftet, hats wohl eher so gewollt oder wurde von jemand anderem vergiftet.
wasnulos 14.09.2014
3.
Zitat von d_gratEigentlich der Knollenblätterpilz einer der wenigen vor denen man sich insbesondere vorsehen sollte. Darüberhinaus sieht er dem Champignon überhaupt nicht ähnlich. Wer sich damit vergiftet, hats wohl eher so gewollt oder wurde von jemand anderem vergiftet.
Der grüne Knollenblätterpilz wird fast ausschließlich von ehemals russischen Mitbürgern gegessen, da er einem russischen, essbaren Pilz sehr ähnlich sieht. Die "Mähr" der Ähnlichkeit mit dem Champignon ist lange überholt. Liebe Grüße Wasnu
Metalfan 14.09.2014
4. welchen russischen Pilz?
grünen Täublingen, Grünlingen (bei denen sich die Bewertung von eßbar zu giftig in den letzten Jahren geändert hat)?
litke 14.09.2014
5.
Da ich noch aus dem Biologieunterricht weiß, wie schwer sich viele Menschen selbst mit der Bestimmung von Blumen oder Kräutern tun, finde ich es nicht so abwegig, dass es häufig zu Verwechslungen kommt - auch bei scheinbar eindeutigen Bestimmungen von Knollenblätterpilz und Champignons.
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