Weltrekordversuch 1000 Kilometer in sieben Tagen - auf dem Laufband

Der Extremläufer Rainer Predl will innerhalb einer Woche 1000 Kilometer zurücklegen - auf einem Laufband. Im Interview erklärt der Österreicher, was ihn antreibt und wie man beim Laufen Spaghetti isst.

Extremsportler Predl: "Mein Ziel ist es, jeden Tag 153 Kilometer zu laufen"
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Extremsportler Predl: "Mein Ziel ist es, jeden Tag 153 Kilometer zu laufen"


Zur Person
Rainer Predl, Jahrgang 1990, ist ein österreichischer Extremläufer. Der gelernte Sportartikelfachmann ist der Weltrekordhalter über 100 Kilometer auf dem Laufband (7:15:08). Predl gewann 2014 den Sahara-Marathon. Vom 7. bis zum 14. Februar wird er in einem österreichischem Fitnessstudio versuchen, den 7-Tage-Rekord von 833 auf dem Laufband zurückgelegten Kilometern zu brechen.
SPIEGEL ONLINE: Herr Predl, wollen Sie wirklich eine Woche lang ununterbrochen auf dem Laufband verbringen?

Predl: Ja, bis auf täglich drei Stunden Schlafenszeit.

SPIEGEL ONLINE: Sie laufen 21 Stunden am Tag und bewegen sich dennoch nicht vom Fleck. Warum das Ganze?

Predl: Ich finde es spannend, wenn man mental und körperlich an seine Grenzen geht. Das treibt mich an.

SPIEGEL ONLINE: Ja, aber gibt es denn etwas Langweiligeres als Laufen auf dem Laufband?

Predl: Nicht auf dem Laufband zu laufen - dann würde man rumstehen. So ist man immer unterwegs (lacht). Wir haben aber auch kleine Dinge eingebaut, die der Monotonie entgegenwirken. Jede 100 Kilometer gibt's eine Leuchtrakete und Motivationsmusik. Leute kommen, um mit mir gemeinsam zu laufen. Außerdem habe ich einen Fernseher. Zuschauer sind immer anwesend. Da wird mir schon nicht fad werden.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie sich auf den Lauf vorbereitet?

Predl: Ich trainiere seit drei Jahren dafür. Die meiste Zeit habe ich auf dem Laufband verbracht und zugesehen, dass ich wöchentlich 200 bis 400 Kilometer laufe. Da muss man durch.

SPIEGEL ONLINE: Wovor haben Sie bei dem Projekt am meisten Respekt?

Predl: Die größte Gefahr ist, dass man zu viel Gewicht verliert. Wenn man täglich 20 Stunden unterwegs ist, noch dazu in einem beheizten Fitnessstudio, bleibt es nicht aus, dass man abnimmt. Daher muss ich darauf achten, dass ich genug esse und trinke, damit ich genug Energie habe und nicht dehydriere. Ich habe vorher fünf Kilo zugenommen, aber ich weiß, dass es spätestens nach fünf Tagen schwierig sein wird, Nahrung aufzunehmen. Da werde ich mich zwingen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Was und vor allem wie werden Sie essen?

Predl: Es wird kein Wiener Schnitzel geben (lacht). Ich werde ganz normal frühstücken, Mittag und Abendbrot essen. Zwischendurch gibt's Energieriegel und kohlenhydratreiche Getränke und Gerichte bis hin zu Pizza und Spaghetti.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollen Spaghetti auf dem Laufband essen?

Predl: Ja, es kann dann aber sein, dass ich gehe und nicht laufe. Aber ich muss sehen, dass ich immer Kilometer mache.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es sonst eine Renntaktik?

Predl: Mein Ziel ist es, jeden Tag 153 Kilometer zu laufen. Das sind umgerechnet rund neun Stundenkilometer. Zehn, wenn ich motiviert bin. Toilette, Dusche, Massage, kleine Nickerchen, Kleiderwechsel - das muss alles schnell gehen. Ich will meinen Rhythmus nicht verlieren.

SPIEGEL ONLINE: Was ist einfacher: Laufen auf dem Laufband oder auf der Straße?

Predl: Ich kann nicht bestätigen, dass das Laufbandlaufen leichter wäre als das Laufen auf der Straße. Es ist ein anderer Bewegungsablauf, aber genauso anstrengend. Draußen muss man sich beim Laufen vom Boden abstoßen, auf dem Laufband wird einem der Boden buchstäblich unter den Füßen weggerissen.

SPIEGEL ONLINE: Trotz Leuchtraketen und Zuschauern - es wird eine Quälerei. Ab wann, glauben Sie, wird der Schweinehund Ihnen vermelden: "Ich habe keinen Bock mehr"?

Predl: Ab hundert Kilometern werden die Hacken anfangen wehzutun. Dann kommen auch die schlechten Gedanken und Zweifel. Aber ich tue es ja für einen guten Zweck: fürs Kinderhospiz Sterntalerhof und zugunsten der lokalen Freiwilligen Feuerwehr. Außerdem ist der Lauf meinem Freund und Trainer Basti Haag gewidmet, der im vergangenen September bei der Besteigung des Shisha Pangma ums Leben gekommen ist. Er hatte sich so auf den Lauf gefreut. Der Gedanke daran motiviert mich.

SPIEGEL ONLINE: Wagen Sie ein Prognose: Werden Sie die 1000 Kilometer schaffen?

Predl: Es stehen so viele Leute hinter dem Projekt: Freiwillige, die mich unterstützen; Sponsoren, die für jeden gelaufenen Kilometer zahlen. Es war so ein enormer Aufwand. Der Weltrekord wird geknackt, da bin ich mir sicher. Und dann schauen wir mal, wie lange es dauert, bis ich wieder laufen kann (lacht).


Benefizlauf fürs Kinderhospiz Sterntalerhof. Hier kann man direkt spenden.

Livestream vom Laufband-Lauf auf der Facebookseite von Rainer Predl (ab Samstag, 7. Februar).

Das Interview führte Frank Joung.

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Tom Joad 06.02.2015
1. An die Redaktion
Bitte Titel ändern: 1000 Kilometern in sieben Tagen -> 1000 Kilometer in sieben Tagen
mischamai 06.02.2015
2. wie arm
Gerade in Österreich wo die Natur vor Laune protzt wäre es mir doch zu armselig auf einem Laufband zu rennen.
hschmitter 06.02.2015
3.
Das im Teaser versprochene "Was ihn antreibt" kann ich im Interview nirgends entdecken.
hermannheester 06.02.2015
4. Der Sport für Anspruchsvolle
Der sieht m.E. anders aus. Eine Super-Marathon-Übung inder Halle ist eher etwas für Hirnakrobaten imRuhestand.
Daniel S. 06.02.2015
5. Lauf
Lauf Forrest, lauf!
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