Ratgeber "Genetic Balance": Meine Gene, mein Stoffwechsel, meine Diät

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Der Diätratgeber-Boom ist ungebrochen: Ob Low-Carb, Low-Fat oder Glyx, viele Diäten behaupten, revolutionär zu sein. Jetzt ist ein neues Buch auf dem Markt. "Genetic Balance" verspricht erfolgreiches Abnehmen mit Hilfe von genetischen Tests. Was ist dran an der Methode?

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Nichts auf dem Teller: Gibt es genetisch bedingte Diättypen?

Die einen nehmen zu, wenn sie viel fette Wurst, Fleisch oder Käse essen. Andere legen Hüftspeck drauf, wenn sie Unmengen an Süßigkeiten in sich hineinstopfen. Die einen stammen von Jägern und Sammlern ab, die es die letzten Jahrtausende einfach nicht gelernt haben, Kohlenhydrate zu verbrennen. Die anderen sind schon etwas weiter: Als Nachfahren der ersten Bauern, die sich von im Schweiße ihres Angesichts geerntetem Getreide ernährten, könnten sie Zucker verstoffwechseln. Da der moderne Bauer jedoch nicht dazu in der Lage ist, Fett adäquat zu verbrennen, wandert es direkt in die Fettzellen.

Das ist die Kernaussage eines neuen Diätratgebers, für das gerade kräftig die Werbetrommel gerührt wird: "Genetic Balance - Die Diät-Revolution". Das Sachbuch ist kürzlich im Heyne Verlag erschienen und stammt vom Münchner Mediziner Lutz Banasch.

Kenner der Materie fühlen sich verdächtig an die Blutgruppendiät des "naturophathischen Arztes" Peter J. D'Adamo erinnert, die schon vor über 12 Jahren die deutsche Gesellschaft für Ernährung zu einer vernichtenden Stellungnahme veranlasste. Seine kruden Thesen hat der Amerikaner in einem neuen Buch frisch aufgekocht - unter dem pathetischen Titel: "Die Genotyp-Diät: verändere Dein Schicksal".

Der Ratgeber-Markt boomt. Ständig wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Mal soll Low-Fat zum Ziel führen, dann wieder Low-Carb. An die ganz Gemütlichen wendet sich eine noch bequemere Methode: Schlank im Schlaf. Und 2007 trieb die "Metabolic-Balance-Methode", die auf undurchschaubaren Ernährungsratschlägen aufgrund von Blutanalysen beruht, gar die bayrische Verbraucherzentrale auf die Barrikaden.

"Dann wären wir längst ausgestorben"

"Natürlich spielen Gene für die Ernährung eine wichtige Rolle", sagt Hannelore Daniel, Direktorin des Zentralinstitutes für Ernährungsforschung an der TU München. "Das Problem ist: Wir wissen oft nicht, welche". Allein die Unterscheidung in Kohlenhydrat- und Fettverwerter hält Daniel für hochproblematisch: "Dann wären wir längst ausgestorben". Schließlich haben sich unsere Vorfahren nur bedingt aussuchen können, was sie essen.

Buch
Neben Grundlagenforschung am sogenannten Metabolom, das sich mit den Zusammenhängen von Genen, Hormonen, Botenstoffen, Enzymaktivitäten und deren Auswirkung auf den Abbau verschiedenster Substanzen im Körper befasst, leitet Daniel die Fachgruppe "Technologie und personalisierte Ernährung" des EU-Projektes "Food4Me". Die multizentrische Studie soll erstmalig wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse für eine personalisierte Ernährung liefern.

Ganz so einfach, wie Banasch es suggeriert, ist es nämlich nicht. Der bietet, als mehrere hundert Euro teure Zusatzleistung zum Buch, eine Reihe relativ willkürlich zusammengestellter Gentests an. Eines dieser Gene, das PPARG, ist für die Regelung von Kohlenhydrat und Fettverbrennung zuständig." Zwar gibt es ein paar hundert Studien zu diesem Gen und dessen Varianten, doch die zeigen nur eine Wirkung im einstelligen Prozentbereich", erklärt Daniel. "In der Praxis spielt oft eine Vielzahl von einzelnen genetischen Varianten, sogenannte SNPs eine Rolle. Wirklich aussagekräftig sind am Ende nur Funktionstests."

Wird zum Beispiel eine Laktose- oder Fruktoseunverträglichkeit vermutet, lässt man den Probanden unter Aufsicht eine entsprechende Zuckerlösung trinken. In der Folge lässt sich dann messen, ob diese normal aufgenommen und verstoffwechselt wird. Landet sie dagegen unverdaut im Dickdarm, wird sie stattdessen von Bakterien abgebaut - was zu Blähungen und Durchfällen führt. Und eine Glutenüberempfindlichkeit, die je nach Schweregrad von Unwohlsein bis zu schwersten neurologischen Schäden führen kann, lässt sich ohne Darmspiegelung nicht wirklich abklären.

Gene sind nicht unveränderbar

Mindestens ebenso wackelig ist eine allein auf Genanalysen basierende Vorhersage, ob ein droht. "Mittlerweile hat man über 50 verschiedene Gene gefunden, die eine Rolle spielen", erläutert die Ernährungswissenschaftlerin. "Aber erst das Zusammenspiel mehrerer solcher Faktoren führt zu einem echten Risiko".

Was die Blutgruppenjünger ebenso geflissentlich ignorieren: Gene sind weit weniger unveränderbar als früher gedacht. Nahezu jeder Umwelteinfluss führt dazu, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Gene quasi nach Belieben an- und abgeschaltet werden können. Das führe dann etwa dazu, erläutert Thomas Jenuwein vom Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg, dass ein Zwilling ein erhöhtes Diabetesrisiko aufweise, der Andere aber nicht.

Und nicht nur das: "Ernährt man gesunde Zwillingspaare bei gleicher Kalorienzahl einmal sehr kohlenhydratreich, aber fettarm, und danach umgekehrt, verändert sich schon in kürzester Zeit die Epigenetik", sagt Andreas Pfeiffer, Endokrinologe an der Charité in Berlin. "Das führt schon innerhalb einer Woche eine erhebliche Umprogrammierung - mit deutlichen Veränderungen des Fettstoffwechsels."

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insgesamt 12 Beiträge
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1. gene unveränderlich
makenshi 17.03.2013
Hier hat man nicht gut recherchiert: Die Gene an sich verändern sich nicht wirklich. Abfolgeänderungen in der Sequenz geschehen meist nur in einzelnen Zellen und meist durch Äußete Einflüsse, wie Strahlung. Was sicb sehr wohl Ändert ist, wie geschrieben, die Epigenetik. Durch Methylierung von CG Paaren werden Gene herunterreguliert. Auch Histone, Proteine um die die DNA quasi gewickelt ist, spielen dabei eine große Rolle
2. Zu Komplex
ManRai 17.03.2013
Leider hoert man immer wieder Mediziner wissen etwas ueber Genetik, Proteomic, Metabolomic, Glycomic, Lipidomic usw. Sorry, das ist ein extrem seltener Fall, die Ausbildung ist einfach nicht darauf ausgerichtet, leider zu oft selbst erlebt. Das Gebiet ist extrem komplex, wie unser Leben, und bei weitem nicht verstanden, wir kratzen an der Oberflaeche rum. Warum werden 1000e von Arbeiten jaehrlich veroeffentlicht, z.B. nur ueber Krebs, und wir tappen immer noch im Dunkeln, ja Mutationen, Epigenetics (danke makenshi) wird damit in Verbindung gebracht, aber verstanden ??? Aber wenn die Gene dran schuld sind, wo bleibt meine Schweinshaxe, ich bin ja nicht dran schuld an dem (k)g Fett zuviel. Solche Quasi Wissenschaftlichen Buecher solten eigentlich - auch zum Schutz der Waelder - nicht veroeffentlicht werden, oder im Regal neben Daeniken und Harry Potter stehen.
3.
jamblichos 17.03.2013
Zitat von makenshiHier hat man nicht gut recherchiert: Die Gene an sich verändern sich nicht wirklich. Abfolgeänderungen in der Sequenz geschehen meist nur in einzelnen Zellen und meist durch Äußete Einflüsse, wie Strahlung. Was sicb sehr wohl Ändert ist, wie geschrieben, die Epigenetik. Durch Methylierung von CG Paaren werden Gene herunterreguliert. Auch Histone, Proteine um die die DNA quasi gewickelt ist, spielen dabei eine große Rolle
Ich werde nie verstehen, was daran so schwer sein soll abzunehmen. Etwas weniger und gesünder essen, auch nicht zu sehr übertreiben und alles dauerhaft umstellen, dazu mehr Sport und Bewegung- fertig. Ich bin ein Typ, der extrem schnell zunimmt und sehr, sehr aufpassen muss, aber bei mir hat das sehr gut geklappt. Es erfordert nur etwas Disziplin und Kenntnisse über gesunde und ungesunde Ernährung. Wenn man z.B. Süßes weglässt, hat man schon sehr viel gewonnen.
4. komplexe Ursachen
MotziLLa 17.03.2013
Zitat von jamblichosIch werde nie verstehen, was daran so schwer sein soll abzunehmen. Etwas weniger und gesünder essen, auch nicht zu sehr übertreiben und alles dauerhaft umstellen, dazu mehr Sport und Bewegung- fertig. Ich bin ein Typ, der extrem schnell zunimmt und sehr, sehr aufpassen muss, aber bei mir hat das sehr gut geklappt. Es erfordert nur etwas Disziplin und Kenntnisse über gesunde und ungesunde Ernährung. Wenn man z.B. Süßes weglässt, hat man schon sehr viel gewonnen.
Schade, dass Sie so wenig Verständnis entwickeln und von sich so generalisiert auf alle anderen schließen. Tatsächlich sind die Ursachen und Begleitumstände für Übergewicht und den Schwierigkeiten, es zu reduzieren, komplex und vielschichtig. Es kann eine physische Erkrankung vorliegen, oder eine von verschiedenen Essstörungen vorliegen, die man als psychische Erkrankung verstehen und behandeln muss, es kann medikamentös bedingt sein, und es gibt viele sozialpsychologische Faktoren, die das beeinflussen, usw. usf. Wie gesagt, ziemlich komplex. Wer sich und sein Leben gut kontrollieren kann, der kann - wie Sie beschrieben haben - die Problematik gut entschärfen. Leider gibt es viele Menschen, denen aus verschiedensten Gründen die Vorstellung fehlt, dass sie ihr Leben selbst gestalten können... Antriebslosigkeit und depressive Stimmungen usw. stören die Selbstverantwortung und Gestaltungsfähigkeit der eigenen Lebensumstände erheblich. Dann ist es schnell vorbei mit der Disziplin. Seien Sie froh, dass Sie es so gut im Griff haben. Aber denken Sie nicht, dass es deshalb allen Betroffenen so gut gelingen kann, wenn sie sich nur so verhielten wie Sie. Menschen sind sehr verschieden.
5. Das ist das Problem
ruhepuls 17.03.2013
[Quote]twas weniger und gesünder essen, auch nicht zu sehr übertreiben und alles dauerhaft umstellen, dazu mehr Sport und Bewegung- fertig.[quote] Genau das ist das Problem... Würde man das berücksichtigen hätten die meisten keine Gewichtsprobleme. Aber Haxe, Kuchen und Cola locken eben an jeder Ecke - und zuhause steht der Fernsehsessel.
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