Red Bull und Co. So gefährlich sind Energy-Shots

Energy-Shots sollen aus den Regalen verschwinden, fordern die Verbraucherschützer von Foodwatch. Die konzentrierten Getränke enthalten gefährlich viel Koffein. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt ein Verbot.

Energy-Shot des Marktführers Red Bull: 60 Milliliter, 80 Milligramm Koffein
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Energy-Shot des Marktführers Red Bull: 60 Milliliter, 80 Milligramm Koffein

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Hamburg - Energy Shots versprechen, den Körper wachzurütteln. Ihr Wirkstoff: große Mengen Koffein, gelöst in nur 60 Millilitern zuckersüßer Flüssigkeit. Ähnlich wie das Stresshormon Adrenalin treibt Koffein den Herzschlag an, lässt den Blutdruck steigen - und kann dadurch in großen Mengen der Gesundheit schaden. Ein nicht tragbares Risiko, meint die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch.

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Sowohl die hochkonzentrierten Energy-Shots als auch herkömmliche Energy-Drinks stünden im Verdacht, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Nierenversagen oder sogar Todesfälle zu verursachen, teilten die Verbraucherschützer am Donnerstag in Berlin mit. Bei den Shots sei die Gefahr einer Überdosierung "besonders groß". Die Organisation fordert deshalb ein generelles Verkaufsverbot der Energy-Shots, Energy-Drinks sollten nur noch mit deutlichen Warnhinweisen auf der Verpackung an Personen ab 18 Jahren verkauft werden.

Energy-Shots sind nichts für Kinder und Jugendliche

Tatsächlich gab auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits 2009 eine warnende Stellungnahme zu den Energy-Shots ab. Da die Shots als Nahrungsergänzungsmittel statt als Lebensmittel vermarktet werden, dürfen sie deutlich höhere Koffeinmengen enthalten als andere Getränke. Im Vergleich zu herkömmlichen Energy-Drinks kommen die Shots auf etwa die vierfache Koffein-Konzentration.

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Aufputscher: So viel Koffein steckt in Lebensmitteln
Allerdings sind die Hersteller durch die Klassifikation der Shots auch dazu verpflichtet, Verzehrempfehlungen auf die Verpackung zu drucken: Man sollte nicht mehr als einen Shot am Tag trinken, steht auf den meisten Dosen. Dann ist das darin enthaltene Koffein in der Regel unbedenklich. Doch halten sich die Konsumenten an die Anweisung? Foodwatch und BfR bezweifeln es.

In seiner Stellungnahme schreibt das BfR vom Risiko des "nicht bestimmungsgemäßen Gebrauchs". Energy-Shots würden wahrscheinlich "auch als Ersatz für Energy-Getränke und wie diese nach persönlichem Belieben ohne Mengenbegrenzung konsumiert werden". Junge Erwachsene liefen Gefahr, die Shots in der Disco in größeren Mengen zu konsumieren - als Wachmacher und gegen den Durst durchs Tanzen.

Insgesamt kam das BfR 2009 zu dem Schluss, dass Energy-Shots nicht sicher sind und empfahl damals, den Verkauf zu untersagen. Wie der SPIEGEL jetzt berichtet, bestätigte die Behörde Anfang des Jahres schriftlich, dass sich an ihrer Einschätzung "im Grundsatz nichts geändert hat".

Riskant: Mit Alkohol oder beim Sport

Koffein ist vermutlich die verbreitetste Droge der Welt. Wie immer macht die Dosis das Gift: Zeichen einer leichten Überdosis sind Übelkeit, leichtes Zittern, Ängstlichkeit oder Nervosität. Ein grundsätzlich gesunder Mensch allerdings kann sich mit den Mengen Koffein, wie sie in Energy-Drinks enthalten sind, kaum ernsthaft vergiften.

Problematischer verhält es sich bei Personen mit Herz- oder Lebererkrankungen. Sie sollten entweder gar kein oder nur wenig Koffein zu sich nehmen. Als besonders empfindlich gelten Schwangere, weil hohe Koffeinmengen mit einen gesteigerten Risiko für Fehlgeburten zusammenhängen, ältere Menschen, Epileptiker - und Kinder.

Experten bemängeln, dass Energy-Drinks vor allem an Teenager vermarktet werden - mit Erfolg. Gute acht Prozent der Jugendlichen trinken mindestens vier- bis fünfmal in der Woche einen Liter oder mehr der Wachmacher. "Strenge Studien und Analysen der Literatur zeigen, dass Koffein und andere stimulierende Substanzen, die in Energy-Drinks enthalten sind, keinen Platz in der Ernährung von Kindern und Heranwachsenden haben", heißt es auch in einer Studie in der Fachzeitschrift "Pediatrics", die das Risiko von Koffein für Kinder und junge Erwachsene bewertet.

Möglicherweise gefährlich ist auch die Kombination mit Sport oder Alkohol. Wer Sport treibt - darunter kann auch das Tanzen in der Disco fallen - belastet sein Herz-Kreislauf-System. Das Koffein sorgt für zusätzlichem Stress. Dies könne etwa bei einem unentdeckten Herzfehler zur Gefahr werden, warnen Kritiker. Beim Alkohol sorgen sich Experten vor allem um das Verhalten der Konsumenten: Die aufputschende Wirkung des Koffeins kann die Symptome des Rauschs reduzieren. Die Personen könnten sich eher überschätzen, so die Bedenken.

Bisher müssen in Deutschland Getränke mit einem Koffeingehalt von mehr als 150 Milligramm pro Liter - darunter fallen Energy-Shots und Energy-Drinks in der Regel - den Hinweis "erhöhter Koffeingehalt" enthalten, gefolgt von der Angabe des Koffeingehalts. Ab Dezember 2014 soll dies noch um eine Warnung für Kinder, Schwangere und Stillende erweitert werden.



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Seite 1
bushdoctor 04.07.2013
1. Kaffee verbieten!
Immerhin hat man erkannt, dass Koffein (auch) eine "Droge" ist. Ob es aber helfen wird diese "Energy-Shots" zu verbieten, darf bezweifelt werden. "Red Bull" als Beispiel für so ein "gefährliches Getränk" im Bild zu Zeigen ist aber lächerlich, da eine Dose dieses "Energy-Drinks" kaum mehr Koffein enthält als eine Tasse "guten" Bohnenkaffees. Wie immer mach die Dosis das Gift! Wenn sich jemand ne Überdosis Koffein verpassen will, dann geht er in die Apotheke und kauft sich Koffeintabletten...
THE-PUNISHER 04.07.2013
2. Endlich gute Idee
Finde ich sehr gut ich sehe immer mehr Menschen die das Zeug wie Saft trinken, oft wegen dem Geschmak und nicht mal Wissen geschweige den Verstehen was drin ist oder wie es wirkt... und in vielen Discos wird es schon automatisch mit Alkohol angeboten dabei steht auf vielen Packungen schon drauf das es in Verbindung mit Alkohol gefährlich ist.. Sehr mündig (Vernünftig) sind die leider nicht. Und vor allem die Zielgruppe nicht 16-28
agt69 04.07.2013
3. Na toll...
... da haben unsere Berufsbedenkenträger wieder was gefunden, was man verbieten kann. Gratulation!!!
Stäffelesrutscher 04.07.2013
4.
Zitat von sysopfoodwatchEnergy-Shots sollen aus den Regalen verschwinden, fordern die Verbraucherschützer von Foodwatch. Die konzentrierten Getränke enthalten gefährlich viel Koffein. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt ein Verbot. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/red-bull-und-co-foodwatch-fordert-verbot-von-energy-shots-a-909436.html
Bitte nochmal schreiben und rechnen. Wenn eine große Tasse Filterkaffee mit zwei e und 250 ml Inhalt 120 mg Koffein enthält, dann kommt ein Liter Kaffee mit zwei e auf 480 mg. Ansonsten sind die Rundungen wirklich putzig: »Ein Liter kommt auf etwa 1916 Milligramm.« - Aha, also nicht 1.915 und nicht 1.917 mg. »Ein Glas (300 Milliliter) enthält rund 33,3 Milligramm Koffein« - also nicht 33,2 und nicht 33,4. Liebe Redakteure, was hat man im Mathe- und Physikunterricht gelernt? Sinnvoll runden. »Etwa 1.920«, »etwa 1.900« bzw. »etwa 33« oder »etwa 30« hätten gepasst.
bumbu 04.07.2013
5. Herr, laß Hirn regnen!
---Zitat--- Energy-Shots sollen aus den Regalen verschwinden, fordern die Verbraucherschützer von Foodwatch. Die konzentrierten Getränke enthalten gefährlich viel Koffein. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt ein Verbot. Bisher müssen in Deutschland Getränke mit einem Koffeingehalt von mehr als 150 Milligramm pro Liter - darunter fallen Energy-Shots und Energy-Drinks in der Regel - den Hinweis "erhöhter Koffeingehalt" enthalten, gefolgt von der Angabe des Koffeingehalts. ---Zitatende--- Bei mir fließt schon mal ein Sechsfach-Espresso die Gurgel runter (doppio ist für Anfänger). Ein guter Barista kriegt das in 60–80 ml hinein. Gestorben bin ich nicht. Und süchtig auch nicht, weil ich durch veränderte Lebensumstände kaum noch Kaffee bekomme, ohne jede Entzugserscheinung. So ein Sechsfach-Shot hat größenordnungsmäßig ein halbes Gramm Koffein. Dagegen ist Red Bull nur ein leiser Lufthauch. Die deutsche Regulierungswut wird sicher auch noch einmal den Espresso erreichen. Warum überläßt man es nicht den Leuten, wie sie leben sollen?
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