Gesundes Saunieren Dafür kann ich mich erwärmen

Die einen lieben es in der Sauna - die anderen verstehen nicht, warum sie nackt mit Fremden in einer Holzzelle hocken sollten. Aus gesundheitlicher Sicht gibt aber es durchaus Argumente für die Schwitzkur.

Sauna: Die Hitze wirkt auf den Körper wie ein moderates Sportprogramm
Corbis

Sauna: Die Hitze wirkt auf den Körper wie ein moderates Sportprogramm

Von Tim Hollstein


Finnland hat fünf Millionen Einwohner und knapp eine Million Saunen. Dort ist das wöchentliche Schwitzen so normal wie das tägliche Zähneputzen. Seit rund 2500 Jahren nutzen die Skandinavier die Sauna zur Körperreinigung und Erholung. "Wir Deutsche holen langsam, aber sicher auf, inzwischen sind wir auch ein Saunaland", sagt Rainer Stange, leitender Arzt der Abteilung für Naturheilkunde im Berliner Immanuel Krankenhaus. Ein gesunder Trend.

Durch die hohen Temperaturen von bis zu hundert Grad steigt die Hauttemperatur auf bis zu 40 Grad an, die Körperkerntemperatur erhöht sich um ein bis zwei Grad, der Blutfluss in der Haut verdoppelt sich - daher kommt auch die rosige Farbe. Die Blutgefäße weiten sich, der Blutdruck sinkt. Das Herz muss nun volle Arbeit leisten und schlägt kräftiger und schneller, die Atmung steigt.

Mit oder ohne Aufguss?

Die Hitze wirkt auf den Körper wie ein moderates Sportprogramm. Um abzukühlen, fängt der Körper an zu schwitzen. Gleichzeitig entspannen die Muskeln - eine Wohltat nach jedem Training: Vor Muskelkater schützen kann die Sauna allerdings nicht. Ein Aufguss erhöht den Hitzestress kurzzeitig. Er ist aber für die meisten erwünschten Wirkungen der Sauna nicht nötig und tut allenfalls den Atemwegen gut.

Nach circa 10 bis 20 Minuten Schwitzen folgt die Abkühlung, zunächst durch kühlere Luft, dann durch kaltes Wasser. Die Blutgefäße ziehen sich schlagartig zusammen, der Blutdruck steigt und der Körper schaltet kurzzeitig auf Alarm. Adrenalin und weitere Hormone werden ausgeschüttet und machen den Saunagänger wieder putzmunter.

Nach dieser Phase entspannt man auf einer Liege. Das Herz schlägt kräftig und langsam, die Haut fühlt sich wohlig und geschmeidig an. Ein solcher Saunagang wird idealerweise dreimal hintereinander wiederholt, und das ein bis zweimal pro Woche. Erst durch die regelmäßige Anwendung - auch im Sommer! - profitiert der Körper von den Vorteilen des Saunierens.

Schwitzen gegen Falten?

Durch das Gefäßtraining sinkt der Blutdruck, die Thermoregulation verbessert sich, das Herz pumpt effektiver.

Die Haut wirkt nach einem Saunagang jung und frisch: Durch die vermehrte Durchblutung werden Schadstoffe schneller abtransportiert. Zudem kann sie laut einer kleinen Studie mehr Feuchtigkeit speichern, was der Faltenbildung entgegenwirkt. Das Schwitzen verstärkt die natürliche Schutzbarriere der Haut.

Die Atemwege profitieren ebenfalls von regelmäßigen Saunagängen, deshalb kann die Schwitzkur Asthmatikern und Menschen, die unter einer chronischen Bronchitis leiden, etwas Linderung verschaffen.

Hierzulande wird der Saunabesuch zur Infektabwehr angepriesen. "Zehn bis zwölf Saunabesuche vor der Erkältungssaison sind optimal", sagt Stange. Regelmäßige Saunagänge erhöhen die Anzahl weißer Blutkörperchen, wichtig im Kampf gegen Krankheitserreger.

Für manche gilt Sauna-Verbot

"Menschen, die an Arthrose oder chronischen Rückenschmerzen leiden, berichten über eine Besserung", sagt Stange. "Ferner beeinflusst Sauna auch den Schlaf und die Stimmung. So kann sie beispielsweise bei milder Depression helfen." Diese Effekte wurden in kleinen Studien untersucht, deren Aussagekraft jedoch begrenzt ist - nicht zuletzt da die Patienten nicht mit der herkömmlichen finnischen Sauna, sondern mit Infrarot-Sauna behandelt wurden.

Nur in wenigen Fällen wird vom Saunieren abgeraten. Verboten ist es bei einer Erkältung, frischen Wunden und nach Alkoholkonsum. Auch Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben, an einer Venenthrombose oder einer Verengung der Hauptschlagader leiden, müssen verzichten. Bei Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche sollte man sicherheitshalber seinen Hausarzt konsultieren. Schwangere können in die Sauna gehen, wenn sie es gewohnt sind - doch sollten sie auf einer unteren Bank sitzen.

ZUM AUTOR
  • Jule Müller
    Tim Hollstein Tim Hollstein ist approbierter Arzt und freier Journalist. Seine Interessen: Prävention, Gesundheit und Sport.

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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
brooklyner 22.02.2015
1. Zum Alkoholkonsum
Also wenn ich in Finnland bei jemandem in die Sauna gehe, gibt es da in der Regel ein eiskaltes Lapin Kulta Dosenbier dazu und obendrein werden noch Würstchen in einem kleinen Topf auf den Saunasteinen erhitzt, die Würstchen werden dann draussen gegessen, wenn man aus dem kalten Meer zurück ist. Mag seltsam erscheinen, aber für den Finnen ist ein deutscher Saunabesuch nicht minder befremdlich: Da kommt irgenein Mensch und macht seltsame Wedelarbeiten mit dem Handtuch und leert pornesque Wunderbaumessenzen auf die Steine. Aber jeder wie er es mag.
tim.berg78 22.02.2015
2. Ärzte
Immer dieses "müssen den Arzt aufsuchen". So ein Blödsinn. Wir verkommen zu einer Patientenkultur, die sich Krankheiten einbilden und damit den Ärzten und Pharmalobbyisten ihre Sportwagen ermöglichen.
steini60 22.02.2015
3. Keine Sauna nach Infarkt ?
Ich hatte 2004 einen Herzinfarkt, mit 43, in der Reha habe ich gefragt, ob ich wieder in die Sauna gehen kann. Darauf wurde wegen mir in der Klinik die Sauna angeworfen und ich war jeden 2. Tag alleine da, nach ärztlichem Rat !
Morrison 22.02.2015
4. Spanner und armselige voyeure
Mag sein dass ich da eine recht einseitige sicht der dinge als überzeugter nicht saunagänger habe, aber in vielen gesprächen von männlichen (mittlerweile aber auch weiblichen) saunagängern die ich so im laufe meines lebens mitbekommen habe, ob am arbeitsplatz oder in der kneipe geht es nur um sex und voyerismus und spannen! Das bisschen angebliche gesundheitsargument ist doch nur ein feigenblatt. Anders ist es ja auch nicht zu erklären warum in deutschland kein handtuch zur bedeckung der Blöße benutzt wird. Amerikanische besucher sind darüber immer wieder verstört. Dort ist ein handtuch obligatorisch - eine minderung des gesundheitseffektes nicht bekannt!
trailrunner 22.02.2015
5. sehe ich genauso wie Tim Berg...
das regt mich auch auf. Als hätten die Ärzte die Weisheit mit Löffeln gefressen. In Wahrheit hat doch kaum einer Zeit und Muße sich mit dem Patienten länger als nötig zu befassen. Aber that's another story...
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