Schutz vor Jodmangel Mehr Fisch auf den Tisch

Die Schilddrüse entscheidet bei Kindern über die Intelligenz mit. Damit sie richtig funktioniert, braucht sie vor allem Jod. Das Element holt der Körper aus Fisch und jodiertem Salz. Frauen sollten bereits vor der Schwangerschaft über ihre Jodversorgung nachdenken.

Lachs: Seefische wie Seelachs, Kabeljau und Scholle enthalten viel Jod
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Lachs: Seefische wie Seelachs, Kabeljau und Scholle enthalten viel Jod

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Warum ist Jod so wichtig?

Jod ist der wichtigste Bestandteil der Schilddrüsenhormone. Das kleine Organ im Hals ist eingebunden in einen fein justierten Regelkreislauf zwischen Hirnanhangdrüse und Hypothalamus im Gehirn. Es produziert die lebenswichtigen Hormone T3 und T4, speichert Jod und steuert den Kalzium- und Phosphathaushalt in den Knochen. Fehlt Jod, vergrößert sich die Schilddrüse und bildet Knoten: Einen Kropf, die sogenannte Struma, entsteht. Weil nicht ausreichend Schilddrüsenhormone produziert werden, wird der Betroffene träge, sein Stoffwechsel verlangsamt sich, auch Herz und Kreislauf können aus dem Takt geraten. Vor allem für die Reifung von Hirnzellen sind die Hormone wichtig.

Worin ist Jod enthalten?

Jod kommt in Seefisch, anderen Meerestieren und Algen vor. Auch Milch und Fleisch sind wichtige Jodlieferanten, wenn die Tiere jodhaltiges Futter bekommen. Nutzen Bäcker jodiertes Speisesalz, können auch Backwaren zur Versorgung beisteuern.

"Mittlerweile enthält - grob geschätzt - nur noch ein knappes Drittel der Fertigprodukte Jodsalz", sagt Thomas Remer vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund. "Einige Hersteller argumentieren, Jod beeinträchtige den Geschmack. In Untersuchungen konnte man das aber nicht belegen." Der Wissenschaftler vermutet, dass Jodsalz manchem Produzenten zu teuer ist. Innerhalb der EU gibt es unterschiedliche Vorschriften, die eine einheitliche Auslieferung erschweren - und so die Produktionskosten in die Höhe treiben.

Wie kann man Jodmangel vorbeugen?

Der Arbeitskreis Jodmangel, der unter anderem von Salzproduzenten gefördert wird, empfiehlt: Zweimal wöchentlich sollten Seefisch wie Seelachs, Scholle, Schellfisch oder Kabeljau auf dem Speiseplan stehen. Zusätzlich sollten täglich Milchprodukte verzehrt und jodiertes Speisesalz verwendet werden.

Warum brauchen Schwangere mehr Jod?

Weil sie mehr Schilddrüsenhormone verbrauchen und ihr Stoffwechsel auf Hochtouren läuft. Schwangere sollten ihren erhöhten Bedarf so früh wie möglich mit Jodtabletten decken. Die meisten Präparate beinhalten eine Kombination aus Jod und Folsäure, das ebenfalls zur Nervenzellreifung benötigt wird.

"Vier von fünf Schwangeren nehmen zur Vorbeugung mittlerweile Jod und Folsäure als Kombinationspräparat", sagt der Schilddrüsenexperte Roland Gärtner von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). "Das muss spätestens ab der zwölften Schwangerschaftswoche passieren, denn dann nimmt die kindliche Schilddrüse ihre Funktion auf." Gynäkologen empfehlen bei einer geplanten Schwangerschaft, die Tabletten schon vor der Empfängnis einzunehmen.

Was passiert, wenn Kinder nicht genug Jod bekommen?

Beim Kretinismus bleiben Kinder aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion der Mutter mental deutlich zurück und sind körperlich behindert. In Deutschland kommt Kretinismus so gut wie nicht mehr vor. Säuglinge werden hierzulande kurz nach der Geburt auf eine Unterfunktion der Schilddrüse untersucht: Beim Neugeborenen-Screening wird Blut aus der Ferse des Babys entnommen und unter anderem auf die Schilddrüsenhormone untersucht. Innerhalb kurzer Zeit liegen die Laborergebnisse vor. Leistet die Schilddrüse zu wenig, müssen die Hormone sofort ersetzt werden - von der Schnelligkeit hängt der Therapieerfolg ab: Kommt eine Behandlung nur wenige Wochen zu spät, leidet die Intelligenz darunter.

Kann man auch zu viel Jod zu sich nehmen?

"Eine zu hohe Jodzufuhr ist vor allem bei extremem Milchkonsum und/oder sehr hohem Verzehr von Meeresfrüchten zu befürchten", sagt Thomas Remer. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, die Jodaufnahme bei Erwachsenen auf 500 Mikrogramm pro Tag zu begrenzen. Bei empfindlichen Menschen kann es ansonsten passieren, dass ein Überschuss zu einer sogenannten Schilddrüsenautonomie führt, bei der der Regelkreislauf zwischen Gehirn und Schilddrüse umgangen wird und dadurch zu viele Schilddrüsenhormone gebildet werden können.

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
Dumme Fragen 17.06.2013
1. Hmmm...
In "Krank durch gesunde Ernährung" von Pollmer et al. hab ich gelesen, dass der Jodmangel ein Märchen ist und eine Medikamentation über Grundnahrungsmittel abgelehnt werden sollte. Aber es verfolgt einen genauso wie das Märchen vom Cholesterin...
gesundheimer 17.06.2013
2. Mythos Jodmangel
Der angeblichr Jodmangel ist ein Mythos. Eine ausgewogene, gerne auch vegane, Ernährung sorgt für ausreichende Jodversorgung. Man muss sich natürlich mit seinen Nahrungsmitteln auseinandersetzen und wizsen, was man isst. Das sollten auch Fleischesser tun. Übrigens ist zuviel Jod auch gefährlich.
mactor2 17.06.2013
3. Aussterbende Meere
Eher weniger Fisch müsste es heißen. Die Meere sind schon überfischt und werden Stellenweise schon leergefischt. Natürlich nur wenn es um die Fische geht. Die Menschen die ja ungebremst immer mehr und immer fetter werden sind natürlich nicht schuld...
pitti49 17.06.2013
4. Falsche Panikmache!
Jod ist wichtig, ja, aber die "Zwangsjodierung" von Tierfutter sowie bei der Verarbeitung von Lebensmitteln trifft jene hart, die z.B. an Hashimoto erkrankt sind. Ergo: wer meint bzw. weiß, dass ihm Jodmangel droht, kann ja selbst vorsorgen. Ich als "Hashi" freue mich über jeden Bäcker oder Fleischer, der seine Produkte nicht mit Jodsalz "veredelt". Im Übrigen: Deutschland gilt nach wie vor nicht als Jodmangelland. Hier wird unnötig Panik gemacht. Dabei steigt die Zahl der Hashimoto-Erkrankungen an - vielleicht gibt es einen Zusammenhang zwischen Zwangsjodierung und Hashi???
fraecael 17.06.2013
5. Morgen
Und morgen dann wieder nen Artikel zur Überfischung.
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