"Sex dich schlank": Absurder Diätratgeber verurteilt Schlankheitskuren

Sündigen ohne schlechtes Gewissen: "250 Kilokalorien pro Sexakt" Zur Großansicht
Corbis

Sündigen ohne schlechtes Gewissen: "250 Kilokalorien pro Sexakt"

Schlank durch guten Sex? Der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop meint, das geht. Andere Schlankheitskuren hingegen würden "dicker statt schlanker machen". Aber auch Knops Idee basiert auf einem herkömmlichen Ansatz: der negativen Energiebilanz. Das Buch ist ein schlecht gelungener PR-Stunt.

Menschen machen immer noch Diäten. Sie essen mehr Fleisch und weniger Nudeln, nichts außer Ananas, machen Trennkost oder hoffen darauf, im Schlaf schlank zu werden. Bei einigen ist der Wunsch, endlich dem Schlankheitsideal zu entsprechen, sogar so groß, dass sie nicht einmal vor völlig absurden und gefährlichen Diäten zurückschrecken - sie essen nur noch Schokolade oder schlucken sogar Parasiten. Wer sich die Titelseiten von Frauenzeitschriften ansieht oder sich durch Online-Communities klickt, merkt schnell, dass gerade Frauen immer noch hoffen, durch eine kurzfristige Kur den Körper langfristig zu optimieren.

Autoren wie Uwe Knop zerschlagen diese Hoffnung, und das ist richtig so: Diäten funktionieren nicht, sondern machen eher noch dicker, lautet seine Botschaft. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber offenbar bei vielen noch nicht angekommen. Knop hat ein Diplom in Ernährungswissenschaften und arbeitet als PR-Berater für die Ernährungs-, Medizin- und Pharmabranche. Streng genommen steht er also eher auf der Seite derer, die mit Abnehmversprechen Geld machen.

Knop selbst sieht das als Vorteil: Berufsbedingt sei er täglich mit Erkenntnissen zu einer gesunden Lebens- und Ernährungsweise konfrontiert, die als bahnbrechend verkauft werden, schreibt er über sich selbst, "und dazu gehört auch die massive Diät-Propaganda" zu Schlankheitskuren, "die meist dicker statt schlanker machen".

Abnehmprogramm ohne Sinn und Verstand

Um diese bekannte, aber sicherlich richtige These zu belegen, zitiert er seitenlang die führenden Ernährungswissenschaftler, Psychologen und Mediziner, die sich mit dem Thema Abnehmen beschäftigen. "Die allermeisten Diäten wurden zum Abnehmen entwickelt, zum Gewichthalten sind sie mehr oder weniger untauglich", sagt dort ein renommierter Ernährungspsychologe. Abnehmen könne jeder, das verminderte Gewicht zu halten, schafften aber nur fünf Prozent, kommentiert die Leiterin eines Adipositas-Zentrums. Ein Wissenschaftler, der Essstörungen untersucht, warnt gar: "Diäten sind der Weg in die Fettsucht."

Warum es zu diesem Jojo-Effekt kommt, erklärt der Autor stark vereinfacht: Der Teufelskreis beginne mit der negativen Energiebilanz, auf der die meisten Diäten basieren - nimm weniger Kalorien auf, als du verbrauchst. Das unzureichende Nahrungsangebot und hartnäckige Hungergefühle gaukelten dem Körper magere Zeiten vor. "Also setzt er ein Notprogramm in Gang", so Knops Diagnose. Der Stoffwechsel laufe während der Hungerkur auf Sparflamme. Ab Tag eins nach der Diät nimmt man oft sogar stärker wieder zu als vorher. Das liege daran, dass der Organismus den niedrigeren Stoffwechsel noch mehrere Wochen oder Monate beibehalte, erklärt Knop. Man isst wieder wie gewohnt, der Körper verbraucht aber wie zu Hungerzeiten weniger - und wird fetter als vorher.

Leuchtet alles ein. Nur: Warum ist Knops Buch dann ein Diätratgeber? Der Titel lautet "Sex dich schlank! Die neue Diät mit dem Plus". Der Autor stellt darin ein Abnehmkonzept für Frauen vor, das mit seinen Widersprüchen und totaler Realitätsferne so gar keinen Sinn macht. Die erste Regel: Die abnehmwilligen Frauen "dürfen essen, was und wann sie wollen", und nehmen trotzdem ab. Klingt magisch, wenn nicht die kleine Fußnote wäre: Ach ja, die Frauen dürfen nur 1400 Kilokalorien am Tag zu sich nehmen, was ziemlich wenig ist. An anderer Stelle wiederum rät der Autor, bloß keine Kalorien zu zählen, sondern auf die Signale des Körpers zu achten und nur dann zu essen, wenn man Hunger hat.

Ein guter Liebhaber für das Abnehmen

Es folgt die geistreiche Idee: Die Frauen sollen "viel guten Sex haben - denn dann können sie sich Extrakalorien zur Selbstbelohnung gönnen: bis zu 250 Kcal pro Sexakt". Konkret soll das so gehen: "Je bewegungsintensiver der Sex und je mehr Stellungen Sie ausprobieren, desto mehr Körperzonen und -funktionen werden beansprucht - und umso mehr Kalorien verbrennt der heiße Sex." Besonders wichtig sei für die Frauen während der Diät deshalb ein guter Liebhaber. Und weil Sex so schön entspanne, vermeide man so auch Fressattacken aus Frust oder Stress.

In der Welt, die der Autor beschreibt, klingelt morgens übrigens auch kein Wecker, denn man soll viel schlafen, weil Schlafmangel das Risiko für Übergewicht erhöht. Dafür, dass man in diesem Paradies lebt, wird man schließlich mit einem schlankem Körper und viel Liebe belohnt: Sechs Kilogramm weniger in acht Wochen verspricht der Autor, "und wer weiß, vielleicht entwickelt sich in und wegen der 'Diät mit dem Plus' gar eine neue Beziehung". Das Geheimnis, auf dem seine Diät basiert, verrät der Autor auch: die negative Energiebilanz. Genau das Prinzip also, das er im Rest des Buchs kritisiert.

Wie war das noch? Richtig: Knop arbeitet als PR-Berater für die Ernährungsbranche - hier wohl in eigener Sache.

sus

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1. Sex
danysahne73 25.05.2013
Also ich halte so mein Gewicht bei mir funktionierts
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