Shoppingsünden von Freizeitsportlern "Duu, Schaaatz..."

Nein, das neue Rennrad ist so wenig notwendig wie das neunte Paar Sportschuhe. Das sieht leider auch der knauserige Partner so. Achim Achilles verrät, wie diese Anschaffungen dennoch gelingen.

Schuhkauf: Versuchen, drei Paar Sportschuhe gegen ein Paar Damenschuhe zu verrechnen
Corbis

Schuhkauf: Versuchen, drei Paar Sportschuhe gegen ein Paar Damenschuhe zu verrechnen


Das Schönste am Freizeitsport ist das Shoppen. Weil die Schränke längst überquellen vor sündteuren und kaum gebrauchten Sportutensilien, ist es schwer, dem Partner noch lebenswichtige Neuanschaffungen abzuringen. Drei Strategien, wie neue Laufschuhe, ein weiteres Rennrad oder weitere Hightech-Uhren trotzdem ihren Weg in den Haushalt finden.

Szenario 1: Der Athlet braucht neue Sportschuhe, um sein Sozialprestige in der Laufgruppe zu verteidigen. Er besitzt allerdings schon acht Paare, Erinnerungsstücke in den Kellerkartons nicht mitgerechnet.

Problem: Objektiv sind neue Schuhe Unsinn, emotional von größtem Wert.

Vorgehen: Mobbing-und-Mitleid-Strategie, weil die Orthopädie-Tour (Meniskusschmerzen) bereits überstrapaziert wurde.

Dialogvorschlag:

Er (flötet): "Duu, Schaaatz..."

Sie (ungehalten) "Was willst du?"

Er: "Die im Lauftreff sind total gemein zu mir..."

Sie (ungehaltener): "Na und? Dann such dir einen anderen Lauftreff."

Er: "Das sind meine Freunde, über drei Jahre. Aber sie lachen mich aus. Weil ich als einziger uralte Laufschuhe trage."

Sie: "Geh zum Yoga. Da sind alle barfuß. Hast du mir nicht neulich erklärt, dass die Beine entscheiden und nicht die Schuhe?"

Er: "Soll ich etwa noch mehr trainieren?"

Sie denkt: "Würde dir gut tun", sagt: "Dann erkennen dich die Kinder überhaupt nicht mehr."

Er (setzt virtuos zum argumentativen Fallrückzieher an): "Aber neue Laufschuhe beugen einem Burn-out vor."

Sie: "Na gut, wenn ich auch neue Schuhe bekomme."

Fazit: War doch gar nicht so schwer. Wichtig: Schuhe bar bezahlen und Quittung sofort verzehren, damit der wahre Preis nicht ans Licht kommt. Versuchen, drei Paar Sportschuhe gegen ein Paar Damenschuhe zu verrechnen. Alle Laufschuhe ab sofort an verschiedenen Orten lagern, um das Zählen zu erschweren.

Mit Mountainbike im Wald: Für jede Situation das passende Rad parat
DPA

Mit Mountainbike im Wald: Für jede Situation das passende Rad parat

Szenario 2: Der Freizeit-Radler wünscht sich ein neues Rennrad. Zwar stehen schon drei Maschinen im Keller, aber das Erwerben neuen Materials ist nun mal die wichtigste aller Trainingsdisziplinen. Außerdem sind die Ketten der anderen Räder schmutzig.

Problem: Eine völlig überflüssige Anschaffung zwischen 3000 bis 10.000 Euro ist mit der billigen Mitleidstour kaum durchzusetzen.

Vorgehen: Die-Leben-und-Tod-Strategie plus eleganter Korruption, auch Grexit-Trick genannt. Teuer, aber alternativlos.

Dialogvorschlag:

Er (zärtlich): "Duu, Schaaatz..."

Sie (barsch): "Nein, es gibt keine neuen Laufschuhe."

Er: "Willst du dein restliches Leben als junge Witwe verbringen?"

Sie denkt: "So groß kann der Unterschied nicht sein", sagt: "Wieso fragst du? Warst du endlich beim Prostata-Screening?"

Er (spürt den günstigen Moment): "Mein Rennrad war bei der Vorsorge. Und der Schrauber sagt, dass der Rahmen weich ist. Kann jederzeit brechen."

Sie denkt: "Dann nimm doch ab", sagt: Wie wär's mit einem der Räder, die im Keller stehen. Oder kauf dir einen neuen Helm."

Er: "Die anderen Räder sind nur noch für Ersatzteile gut. Außerdem sind die Kreditzinsen gerade niedrig. So billig werden wir nie wieder mein Leben retten können."

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Achilles' Verse: Die Welt, eine Laufstrecke
Sie: "Was kostet denn sowas?"

Er (jetzt nicht zittern): "Der Kredit lässt sich mit 100 Euro im Monat locker abstottern. Wenn wir ein bisschen mehr Geld leihen, können wir auch endlich die Kreuzfahrt machen, die Du Dir so gewünscht hast. Oder du fährst mit deinen Freundinnen. Dann haben wir beide was davon."

Sie (lauernd): "Du würdest wegen eines Rennrades auf Urlaub mit mir verzichten?"

Er (tränenerstickt): "Das würde mir natürlich sehr schwer fallen, meine Sonne, mein Mond, meine Sterne. Aber wenn es doch meiner Sicherheit dient ..."

Sie: "Ich buch dann mal."

Fazit: Durch das überraschende Lockangebot (Kreuzfahrt) wurde die Aufmerksamkeit weggelenkt vom Endpreis der bereits bestellten Maschine. Ja, ein teurer Spaß. Da ist dann auch egal, dass der Sportler während der Kreuzfahrt ein Deluxe-Trainingslager in der Mittelmeerregion absolvieren wird.

Model mit Fitnessarmbändern: "Was ist denn das an Deinem Arm, das bunte Ding?"
DPA

Model mit Fitnessarmbändern: "Was ist denn das an Deinem Arm, das bunte Ding?"

Szenario 3: Der Freizeitsportler wünscht sich eine neue GPS-Uhr.

Problem: Im Schrank lagert ein halbes Dutzend Chronometer.

Vorgehen: Beherzt flunkern.

Dialogvorschlag:

Sie: "Was ist denn das an deinem Arm, das bunte Ding?"

Er: "Was? Ach das? Ganz vergessen. Öh, nichts besonderes, nur eine Pulsuhr."

Sie: "Schon wieder eine neue Uhr? Du hast doch schon mindestens fünf. Die messen doch alle das gleiche oder etwa nicht?"

Er: "Weil ich ein guter Kunde bin, haben mir die Leute im Laufladen dieses Testmodell zur Verfügung gestellt, praktisch kostenlos. Das ist so eine Art Kundenbefragung. Die Firma will wissen, was sich daran noch verbessern lässt."

Sie (lachend): "Ach. Und warum suchen die sich für den Test keine richtigen Sportler?"

Er (selbstbewusst): "Die Marktforschung sagt, dass gerade durchschnittliche Sportler die wertvollsten Informationen liefern. Deswegen wurde ich ausgewählt."

Sie (stolz, dass der Partner endlich mal irgendwo vorn gelandet ist): "Ausgerechnet du wurdest ausgewählt? Toll. Das werde ich in meiner Pilatesgruppe erzählen."

Fazit: Renomeégewinn geht immer. Unbedingt verhindern, dass der Partner Kontakt zu Mitarbeitern des Laufshops bekommt. In den nächsten Wochen ständig an der Uhr fummeln und Notizen machen, um die Story mit der Marktforschung glaubhaft zu machen. Nach drei Wochen dürfte das Thema erledigt sein. Auch hier gilt: Anschaffung unbedingt mit über Monate gesammeltem Schwarzgeld bezahlen. Verdächtige Abbuchungen sind der Tod weiterer Verhandlungen.

Hausaufgabe: Entwickeln Sie Strategien für Kajak, Neoprenanzug und ein Aminosäuren-Eimer-Abo.

Zur Person
  • Frank Johannes
    Achim Achilles

    Jahrgang 1964. Lebt verheiratet mit einer verständnisvollen Frau in Berlin, läuft aber überall, wo es wehtut. Motto des Wunderathleten und Kolumnisten: "Qualität kommt von Qual." Dabei ist es dem Vater eines lauffaulen Jungen egal, dass er trotz intensiven Trainings kaum von der Stelle kommt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Seine Lieblingsfeinde auf dem Weg zum Ziel sind Walker und andere Pseudosportler.



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
01099 08.09.2015
1.
Was ist denn das für eine Beziehung? Wenn ich den Eingangsdialog lese, habe ich das Gefühl, hier unterhält sich Sohnemann mit Mutti. Und da wundern wir uns noch über die zunehmende Zahl von Trennungen und Scheidungen. Ich kann's langsam verstehen.
trader_07 08.09.2015
2. Augen auf bei der Partnerwahl....
Augen auf bei der Partnerwahl, sage ich da nur. Es kann doch nun wirklich jeder Geld für sein Hobby ausgeben, wie er es möchte (natürlich vorausgesetzt, dass man sich das leisten kann). Gerade der eigene Partner (!) sollte doch die Dinge akzeptieren, die der andere Partner liebt oder wertschätzt oder zum Hobby hat. Solch verqueren Dialoge wie die hier aufgelisteten muss ich mit meiner Frau nicht einmal ansatzweise führen. Wenn ich ein neues Rennrad kaufen möchte, dann kaufe ich das. Genau wie meine Frau auch ihr 84. Paar Schuhe kaufen wird, ohne das vorher bei mir rechtfertigen zu müssen.
lemmy 08.09.2015
3. Zum Schießen
Also ich habe mich bei der Lektüre herrlich amüsiert.
santoku03 08.09.2015
4. Mal ganz abgesehen
Mal ganz abgesehen davon, dass die Anschaffungen wirklich bescheuert sind: Warum ist er eigentlich mit der Tussi verheiratet? Und wenn es Satire sein soll: Was ist da lustig?
m_v_f 08.09.2015
5. Das ist Satire pur :)
Sehr witzig geschrieben. Gefällt mit! Lieber 10 Tausend Euro in ein superleichtes hightech Carbon-Bike investieren als 10 kg abspecken :)
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