Fitness mit Slide Pads Ganzkörpertraining für (fast) jeden

Kleine Stoffplatten unter Händen und Füßen verwandeln Fitnessübungen in einen Balanceakt. Wie das Training mit Slide Pads funktioniert - und was Einsteiger beachten sollten.

Fitness First / TMN


Krabbeln, schlittern, rutschen: Was sich nach Spaß für Kinder anhört, hält Einzug ins Fitnessprogramm vieler Erwachsener. Sie legen sich kleine runde Stoffplättchen unter Hände und Füße und sausen damit über den Boden.

Slide Pads, auch Sliding Pads genannt, sind keine neue Erfindung. "Früher haben wir so etwas schon im Kinderturnen verwendet", sagt Fitnessmanagerin Veronika Pfeffer von Fitness First. Damals noch mit Teppichstücken. Die seien nach wie vor eine gute Alternative für zu Hause.

Auch Handtücher oder Putzlappen kommen infrage, ergänzt Trainer Dirk Dreher, der den Bereich Firmenfitness beim Arbeitsmedizin-Dienstleister Medical Airport Service leitet.

Voraussetzung: ein glatter Boden

Die Slide Pads, die man beispielsweise über das Internet bestellen kann, haben den Vorteil, dass sie sich gut reinigen und desinfizieren lassen. "Ich kann sie sogar platzsparend im Koffer verstauen und unterwegs etwa im Hotelzimmer trainieren", sagt Pfeffer. Einzige Voraussetzung: ein glatter Boden, auf dem es sich gut rutschen lässt.

Übung auf Slide Pads
Frank Rumpenhorst / TMN

Übung auf Slide Pads

Mit den Unterlagen stärken Sportbegeisterte ihren kompletten Körper. Es gibt Übungen für Bauch und Rücken, Po, Beine und Arme. Ein Beispiel: In der Liegestütz-Position legt man sich die Pads unter die Füße oder Knie. Dann die Knie in Richtung Nase ziehen und wieder wegschieben. "Der Vorteil ist, dass ich ganz spielerisch neue Abläufe einüben kann", sagt Tessa Temme, Sportwissenschaftlerin an der Deutschen Sporthochschule Köln.

Durch das Rutschen wird alles anstrengender: sowohl der Weg rein in eine Pose als auch wieder heraus. "Vor allem die tieferen, kleineren Muskeln werden angesprochen", erklärt Pfeffer.

Mit Muskelkater rechnen

Wer es richtig machen will, muss möglichst große Bewegungen machen. "Am Anfang muss man sich da etwas herantasten", ist Pfeffers Erfahrung. Am besten stellt man erst einmal nur einen Fuß auf ein Pad und lässt den anderen auf festem Untergrund stehen. Dann vorsichtig ausprobieren, wie weit es sich rutschen lässt, ohne unfreiwillig im Spagat zu landen.

Zu Beginn muss man mit Muskelkater rechnen. "Die Muskeln werden gedehnt, während sie belastet werden, das ist erst einmal ungewohnt", sagt Pfeffer.

Laut Trainer Dirk Dreher sind die Übungen trotzdem für fast jeden geeignet. Er empfiehlt sie jedoch besonders zum Vorbeugen von Stürzen. "Im Alter werden die sensomotorischen Fähigkeiten schlechter." Dieser Prozess lässt sich mit den Pad-Übungen verlangsamen.

So wird beim Sport gleich der Boden geputzt
Frank Rumpenhorst / TMN

So wird beim Sport gleich der Boden geputzt

Auch ambitioniertere Sportler - etwa Läufer - können von dem Training profitieren. Es fördert die sogenannte Rumpfstabilität. Das spart beim Laufen Energie. Idealerweise verbessern Läufer so ihre Zeiten, sagt Dreher. Für Surfer, Skifahrer, Ballsportler oder Eiskunstläufer sind die Pads ebenfalls eine sinnvolle Ergänzung.

Achtung: Slide Pads sind nicht für jeden geeignet

Für das Training zu Hause empfehlen die Experten, sich zunächst von einem Trainer einweisen zu lassen. Wer die Abfolgen kennt, kann später auch mithilfe von Videos trainieren. "Für den Anfang kann man sich einen Spiegel dazunehmen, um sich selbst zu korrigieren", rät Dreher. Falls es mit dem Gleichgewicht noch nicht so gut klappt, hilft ein Stuhl.

"Wichtig ist, dass ich die Bewegungen langsam und kontrolliert mache", sagt Pfeffer. Bei Übungen mit den Beinen sei es gesundheitsfördernd, auf die Knie-Fuß-Achse zu achten, sagt Temme: "Also keine X- oder O-Beine machen."

Allerdings ist das Schlittern nicht für jeden empfehlenswert. Bei Gelenkschäden, Gleichgewichtsstörungen oder stark eingeschränkter Beweglichkeit - etwa durch Arthrose - raten die Experten ab. "Wer gerade einen akuten Bandscheibenvorfall hat, sollte die Pads nur gemeinsam mit einem Therapeuten einsetzen", sagt Dreher.

wbr/Bernadette Winter, dpa



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